Die Norwegische Akademie würdigte Faltings als "eine herausragende Persönlichkeit" in der arithmetischen Geometrie: "Seine Ideen und Ergebnisse haben dieses Gebiet geprägt." Faltings habe "nicht nur wichtige, seit langem bestehende Vermutungen bewiesen, sondern auch neue Methoden etabliert, die nachfolgende Arbeiten über Jahrzehnte beeinflusst haben", würdigte die Akademie seine "außergewöhnlichen Leistungen".
Die Grundlagen von Faltings Ruhm liegen im Jahr 1983. Damals ging er mit 28 Jahren in Bonn mit einer Erkenntnis an die Öffentlichkeit, die international für Aufsehen sorgte: Faltings lieferte den Beweis für die Mordellsche Vermutung aus dem Jahr 1922 - eine der großen, bis dahin unbewiesenen Thesen der algebraischen Geometrie.
Sechs Jahrzehnte lang hatten sich Mathematiker erfolglos am Beweis der Vermutung des US-britischen Mathematikers Louis Joel Mordell versucht. Faltings konnte das Problem lösen. Er legte dazu eine 17 Seiten umfassende Abhandlung vor und wurde mit einem Schlag berühmt. Auch jenseits der Mathematik interessierten sich die Menschen plötzlich für den damals als Professor an der Universität Wuppertal lehrenden Faltings.
Nach dem Beweis der Mordell-Vermutung habe Faltings zahlreiche weitere mathematische Probleme "wie Perlen auf einer Schnur" gelöst und außerdem Faltings' Produktsatz entwickelt, würdigten die Verantwortlichen des Abel-Preises den deutschen Mathematiker. Mit diesem Werkzeug habe er als weiteres hartnäckiges Rätsel die Mordell-Lang-Vermutung gelöst, was mit zu seinen "großen Leistungen" zu zählen sei.
Faltings habe als einer der prominentesten Mathematiker Deutschlands viele begabte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an das Max Planck Institut in Bonn gelockt und dieses so zu einem weltweit führenden Zentrum für arithmetische algebraische Geometrie gemacht, würdigten die Verantwortlichen des Abel-Preis den deutschen Forscher. Seit 2023 ist Faltings emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut und emeritierter Professor an der Universität Bonn und forscht weiterhin.
Norwegens Kronprinz Haakon wird den Abel-Preis am 26. Mai in Oslo überreichen. Neben einer Medaille ist mit der von der norwegischen Regierung gestifteten Auszeichnung ein Preisgeld von 7,5 Millionen norwegischen Kronen (rund 680.000 Euro) verbunden.
Im vergangenen Jahr hatte der japanische Mathematiker Masaki Kashiwara die Auszeichnung erhalten. Der Abel-Preis ist nach dem norwegischen Mathematiker Niels Henrik Abel (1802-1829) benannt und wurde von der norwegischen Regierung gestiftet - praktisch als Ausgleich für einen fehlenden Nobelpreis für Mathematik.