AI Forensics zufolge wurden in dem Zeitraum auf den 16 untersuchten Telegramm-Kanälen mehr als 80.000 Foto-, Video- und Audiodateien mit zumeist pornografischem Inhalt ausgetauscht, erklärte die Gruppe gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auf einigen Aufnahmen waren demnach Minderjährige zu sehen. Ein Teil der Fotos und Videos war echt, bei anderen handelte es sich den Experten zufolge um mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugte "Deepfakes".
Den Autoren der Untersuchung zufolge betrieben einige Mitglieder der Telegram-Gruppen koordinierte Kampagnen zur Belästigung und Bedrängung von weiblichen Opfern, teilweise wurden persönliche Daten illegal veröffentlicht. Einige Nutzer riefen zur Vergewaltigung der gezeigten Frauen auf, andere diskutierten sexualisierte Aufnahmen von Kindern.
Viele der über Telegram verbreiteten Aufnahmen stammten ursprünglich von anderen Onlinediensten wie Tiktok, Instagram oder Snapchat, wie die Experten berichteten. "Social Media-Plattformen oder andere Messenger-Apps dienen als Quelle für Rohmaterial, während Telegram als Plattform für die Organisation, Verstärkung und Verbreitung von missbräuchlichen Inhalten dient."
Die Experten warfen Telegram mangelndes Durchgreifen gegen die Chatgruppen vor. Während des Beobachtungszeitraums seien einige der untersuchten Gruppen zwar von Telegram geschlossen worden, hätten aber nur Stunden später unter gleichem Namen weitergemacht, kritisierte AI Forensics. Das zeige, dass die Kontroll- und Aufsichtsmechanismen bei dem Onlinedienst nicht ausreichten.
Telegram-Besonderheiten wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung förderten das Gefühl von "Sicherheit und Straflosigkeit" und damit bei einigen Nutzern ein "Missbrauchs-Verhalten", warnten die Aktivisten. Ein Sprecher des Onlinedienstes erklärte gegenüber AFP, die Verbreitung "nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen, einschließlich pornografischer Deepfakes" sei gemäß den Nutzungsbedingungen "strikt untersagt". Das Vorgehen gegen Deepfakes sei jedoch "für alle Plattformen kompliziert".
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