Auf Telegram
Experten decken massenhaften Handel mit Nacktbildern von Frauen und Mädchen auf

Finger tippen auf einem Smartphone, Telegram Symbolbild
Die Aktivistengruppe AI Forensics dokumentiert in 16 Telegram-Gruppen fast 25.000 aktive Nutzer und mehr 80.000 meist pornografische Dateien, darunter auch Deepfakes (Symbolfoto)
© Bernd Feil/M.i.S. / Imago Images
Tausende Nacktbilder von Frauen und Mädchen wurden auf Telegram getauscht und gehandelt. Die Gruppe AI Forensics fordert ein konsequentes Vorgehen dagegen.

Zehntausende Nacktbilder von Frauen und Mädchen sind nach Erkenntnissen von Experten ohne Zustimmung der Betroffenen auf der Onlineplattform Telegram getauscht und gehandelt worden. Wie die Aktivistengruppe AI Forensics am Mittwoch berichtete, stießen ihre Mitglieder bei einer sechswöchigen Untersuchung von spanischen und italienischen Chatgruppen auf fast 25.000 aktive Nutzer, die derartige Aufnahmen weiterverbreiteten, häufig gegen Bezahlung. Die Aktivisten forderten Telegram auf, konsequent gegen die illegalen Praktiken vorzugehen.

AI Forensics zufolge wurden in dem Zeitraum auf den 16 untersuchten Telegram-Kanälen mehr als 80.000 Foto-, Video- und Audiodateien mit zumeist pornografischem Inhalt ausgetauscht, erklärte die Gruppe gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auf einigen Aufnahmen waren demnach Minderjährige zu sehen. Ein Teil der Fotos und Videos war echt, bei anderen handelte es sich den Experten zufolge um mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugte „Deepfakes“.

Autoren: Manche riefen Nutzer zu Vergewaltigungen auf

Den Autoren der Untersuchung zufolge betrieben einige Mitglieder der Telegram-Gruppen koordinierte Kampagnen, um ihre weiblichen Opfer zu belästigen und zu bedrängen. Teilweise haben die Täter persönliche Daten illegal veröffentlicht. Einige Nutzer riefen zur Vergewaltigung der gezeigten Frauen auf, andere diskutierten sexualisierte Aufnahmen von Kindern.

Viele der über Telegram verbreiteten Aufnahmen stammten ursprünglich von anderen Onlinediensten wie Tiktok, Instagram oder Snapchat, wie die Experten berichteten. „Social-Media-Plattformen oder andere Messenger-Apps dienen als Quelle für Rohmaterial, während Telegram als Plattform für die Organisation, Verstärkung und Verbreitung von missbräuchlichen Inhalten dient.“

Telegram: Kampf gegen Deepfakes für alle Plattformen schwierig

Die Experten warfen Telegram mangelndes Durchgreifen gegen die Chatgruppen vor. Während des Beobachtungszeitraums seien einige der untersuchten Gruppen zwar von Telegram geschlossen worden, hätten aber nur Stunden später unter gleichem Namen weitergemacht, kritisierte AI Forensics. Das zeige, dass die Kontroll- und Aufsichtsmechanismen bei dem Onlinedienst nicht ausreichten.

Telegram-Besonderheiten wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung förderten das Gefühl von „Sicherheit und Straffreiheit“ und damit bei einigen Nutzern ein „Missbrauchs-Verhalten“, warnten die Aktivisten. Ein Sprecher des Onlinedienstes erklärte AFP, die Verbreitung „nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen, einschließlich pornografischer Deepfakes“, sei gemäß den Nutzungsbedingungen „strikt untersagt“. Das Vorgehen gegen Deepfakes sei jedoch „für alle Plattformen kompliziert“.

AFP
rw

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