Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge mit 94 Jahren gestorben

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Der Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller und Hochschuldozent Alexander Kluge ist tot. Der starb wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag am Mittwoch in München, wie der Suhrkamp-Verlag am Donnerstag mitteilte. Kluge zählte zu den führenden deutschen Intellektuellen und galt unter anderem als ein Wegbereiter des deutschen Autorenkinos, sein hochkomplexes Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Kluge habe mit seinem "einzigartigen Lebenswerk" in verschiedenen Medien "kultur- und gesellschaftspolitische Pionierarbeit" geleistet, erklärte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) am Donnerstag. "Mit seinem erzählerischen Geschick hat er immer wieder die Neugier seines Publikums geweckt und die Menschen zum Weiterdenken animiert."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Mit Alexander Kluge verlieren wir eine der großen intellektuellen Persönlichkeiten unseres Landes." Er habe seit mehr als 60 Jahren das Kulturleben "in unvergleichlicher Weise" geprägt.

Kluge kam 1932 in Halberstadt in Sachsen-Anhalt zur Welt. Er studierte unter anderem Jura in Frankfurt am Main, zu seinen Mentoren gehörte der Soziologe Theodor Adorno. Kluge war Dozent und machte sich einen Namen als Sozialphilosoph und Medienkritiker, parallel dazu begann er eine Laufbahn als Künstler in verschiedenen Bereichen wie Film und Literatur.

Zudem war er Medienmanager. Seit den 80er Jahren produzierte mit seiner Firma dctp Programme für das deutsche Privatfernsehen. Für sein Werk erhielt er im Laufe der Jahre unter anderem den Georg-Büchner-Preis, den Theodor-W.-Adorno-Preis, den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf und 2019 den Klopstock-Preis der Stadt Halberstadt.

Die neuere deutsche Geschichte war in Kluges Filmen und Erzählungen ein zentrales Thema - so etwa Nationalsozialismus und Weltkrieg. Bekanntere Filme waren unter anderem das gemeinsam mit Reiner Werner Fassbinder und anderen Regisseuren realisierte Werk "Deutschland im Herbst" über den Terror der RAF und "Die Macht der Gefühle" von 1983. Kluge war bis ins hohe Alter aktiv und griff in Filmen auch noch neue Themen wie Künstliche Intelligenz auf.

Ebenfalls noch in den vergangenen Jahren veröffentlichte er teilweise viel diskutierte Bücher wie die "Kriegsfibel" vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Darüber hinaus konzipierte Kluge in den vergangenen Jahren verstärkt Ausstellungen in Kunstmuseen. Der Künstler war seit 1982 mit der Filmproduzentin Dagmar Steurer verheiratet, das Paar hat zwei gemeinsame Kinder. Er lebte in München.

Kluge sei "ein herausragender Erzähler, scharfsinniger Denker und ein unermüdlicher Grenzgänger zwischen Literatur, Film und Theorie gewesen", erklärte Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU). Er habe die deutsche Kultur- und Geistesgeschichte über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt. Für Sachsen-Anhalt habe der gebürtige Halberstädter dabei zudem immer eine besondere Bedeutung gehabt.

AFP