Der "Spiegel" zitiert aus einer Ausschreibung für eine "Rahmenvereinbarung strategische Top-Management-Beratung", die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Bewerbungsfrist ist mit 14 Tagen, noch dazu über die Osterfeiertage, sehr kurz. Das gesuchte Unternehmen soll demnach unter anderem zu "prioritären Themenfeldern" wie Rohstoffsicherheit, Zukunftstechnologien und Souveränität, außenwirtschaftliche Sicherheit oder industrielle Transformation "Analysen und Diskussionspapiere" erarbeiten.
Gefordert werden dem Bericht zufolge auch "kurzfristige Ad-hoc-Beratung" und "Kurzanalysen, Steckbriefe, Handlungsempfehlungen und Präsentationsunterlagen". Die Berater, die Reiche offenbar ständig zur Seite stehen sollen, würden auch kurzfristig "Analysen und Diskussionspapiere zu aktuellen fachpolitischen Fragestellungen" erarbeiten und bewerten, welche Wirkung "inhaltliche Neuausrichtungen" im Ministerium haben.
Ein nicht namentlich genannter Ministeriumsmitarbeiter kritisierte im "Spiegel", solche Aufgaben "betreffen das Herzstück der Verwaltung" und seien teils "originäre ministerielle Kernaufgaben". Die "Delegation ganzer Aufgabenpakete der Fachreferate an extrem teure externe Berater" sei nicht nur "fragwürdig", sondern auch ein Zeichen von "Misstrauen in die eigene ministerielle Expertise". Die Kosten für die Berater dürften in die Millionen gehen.
Die Organisation Lobbycontrol kritisierte Reiche wegen der Ausschreibung scharf. "Das ist ein Ausverkauf demokratischer Politik an Unternehmen und kommt einer Arbeitsverweigerung von Frau Reiche gleich", erklärte Aurel Eschmann von Lobbycontrol. "Externe Berater arbeiten für eine Vielzahl von Kunden und sind häufig selbst als Lobbyisten tätig. Außerdem sind sie nicht ebenso rechenschaftspflichtig und weisungsgebunden wie Ministerialbeamte und -beamtinnen."
Wenn die Expertise im Ministerium nicht ausreiche, müsse Reiche dies mit guter Personalpolitik angehen, führte Eschmann aus. Der Vorgang lasse jedoch vermuten, dass es weniger an der Expertise im Ministerium liegt und es "vielmehr um internen Widerstand gegen Reiches Kurs geht".