Frankreich
Französischer Sender droht 600 Filmschaffenden mit Rauswurf

In Frankreich gibt es Wirbel um eine Drohung des Bezahlsenders Canal+, 600 Filmschaffende nach einem kritischen offenen Brief ra
In Frankreich gibt es Wirbel um eine Drohung des Bezahlsenders Canal+, 600 Filmschaffende nach einem kritischen offenen Brief rauszuwerfen (Symbolbild). Foto
© Lionel Bonaventure/AFP/dpa

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Nach einem offenen Brief gegen den konservativen Medienmogul Vincent Bolloré will Canal+ 600 Filmschaffende ausschließen. Droht Frankreichs Filmbranche ein Machtkampf um Vielfalt und Einfluss?

Der französische Bezahlsender Canal+ hat 600 französischen Filmschaffenden mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht. Die Filmschaffenden hatten zuvor vor einem wachsenden Einfluss des konservativen Medienmoguls Vincent Bolloré auf die Branche gewarnt. Als Reaktion auf einen entsprechenden offenen Brief der Filmschaffenden in der Zeitung "Libération" sagte der Chef des Senders, Maxime Saada, während der Filmfestspiele in Cannes, dass er nicht mehr möchte, dass sein Sender mit den Unterzeichnern zusammenarbeitet.

Wenn diese Androhung tatsächlich umgesetzt wird, würde das bedeuten, dass etwa Regisseur Arthur Harari oder die Schauspielerin Juliette Binoche nicht mehr für Produktionen von Canal+ verpflichtet würden. Der Sender spielt eine wichtige Rolle in der Filmförderung in Frankreich. Bei einem Ausschluss der Filmschaffenden würde Canal+ sich aber auch ins eigene Fleisch schneiden, weil ihm dann namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler für seine Filme fehlen.

Milliardär Bolloré will Kinokette übernehmen

Der Milliardär Bolloré hält einen Anteil von rund 30 Prozent an Canal+ und möchte nun die Kinokette UGC erwerben. In ihrem offenen Brief kritisieren die Filmschaffenden, dass Bolloré damit in der Lage wäre, die gesamte Filmproduktionskette zu kontrollieren, von der Finanzierung bis zur Ausstrahlung im Fernsehen und im Kino.

Der konservative Milliardär und Medienunternehmer Bolloré ist in Frankreich umstritten. Teils wird von einer "Bollorisation" der von ihm übernommenen Medien gesprochen. Damit wird eine Verschiebung der redaktionellen Linie nach rechts und rechtsaußen gemeint.

"Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloß eine Auseinandersetzung zwischen Ideen", schrieben die Filmschaffenden in ihrem Aufruf. "Indem wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Unternehmers geben, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch eine faschistische Vereinnahmung der kollektiven Vorstellungswelt."

dpa

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