"Diese Zahlen müssen uns besorgen", erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. "Denn wenn so häufige Arten wie der Haussperling immer weniger gemeldet werden, könnte das ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein." Hintergrund seien meist ein mangelndes Nahrungsangebot und der Verlust von Wohn- und Lebensraum.
Auch bei den Mauerseglern wurde ein deutlicher Rückgang von 25 Prozent registriert, die Zahl der Mehlschwalben ging um zwölf Prozent zurück. "Beide Arten sind Gebäudebrüter und Insektenfresser. Es könnte also Insektenschwund und nicht vogelfreundliche Sanierung alter Gebäude eine Rolle spielen", so Rümmler.
Eine positive Entwicklung war laut Nabu hingegen bei den Finken zu verzeichnen. So wurden 14 Prozent mehr Buchfinken und drei Prozent mehr Grünfinken gezählt. Grund sei offenbar, dass es keine neue Infektionswelle mit Trichomonaden gebe, so die Experten. Der Erreger, der sich vor allem an Futter- und Wasserstellen verbreitet, hatte in den vergangenen Jahren zu hohen Verlusten geführt.
Auch der Amselbestand hat sich offenbar erholt - die Zahlen lagen etwa auf dem Vorjahresniveau. Amseln hatten in den vergangenen Jahren mit dem tropischen Usutu-Virus zu kämpfen, das für diese Art oft tödlich verläuft.
Bei den gesichteten Vögeln pro Garten war ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen: Im Mai 2026 zählten die Menschen im Schnitt 28,43 Vögel pro Garten, 2025 waren es 28,45. 2018 waren es mit 33,79 Vögeln noch deutlich mehr.
Die Naturschutzorganisation organisiert die Zählung jedes Jahr mit Freiwilligen, die zu definierten Bedingungen Vögel zählen. In diesem Jahr machten laut Nabu mehr als 56.000 Menschen mit. Sie meldeten Daten aus mehr als 38.500 Gärten.