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Leser-Aufruf: Lassen Sie uns über Würde reden - erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Warum ist die Welt gerade so aus den Fugen? Tue ich das Richtige? Wie kann ich meine Talente am besten entfalten? Viele Menschen sind derzeit von einem latenten Unbehagen erfasst. Doch ein altes Wort kann für Orientierung sorgen: Würde.

Würde

Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben? Der Neurobiologe Gerald Hüther will mit seinem neuen Buch eine gesellschaftliche Debatte erzeugen

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Wir leben in einer paradoxen Zeit. Noch nie ging es so vielen Menschen gut. Nie zuvor gab es so viel Wissen über das Leben. Nie zuvor haben uns Träume und Phantasien so weit gebracht.

Aber im Zeitalter des größten technologischen Wandels in der Weltgeschichte verlieren die Menschen zunehmend die Kontrolle an Maschinen. Algorithmen bestimmen den Alltag. In einer Welt der Zahlen, die Menschen zu Ziffern werden lässt. Einem Wirtschaftssystem, in dem sich immer mehr als Fremde fühlen. Ersetzbar. Austauschbar. Und in dem die Leute nicht mehr wissen, warum sie was wofür tun. Außer, dass sie Geld bekommen dafür.

Das Gefühl: Die Welt ist aus den Fugen

Aber geht es nur um Geld im Leben? Um bewerten und bestellen und vergleichen? Ist es der Konsum, worauf wir uns verlassen können? Ein Klick, ein Kick, ein Kauf: Hilft uns der Kapitalismus aus der Krise? Oder führt dieser uns nur noch tiefer hinein?

Die Sehnsucht ist groß nach Respekt. Anstand. Miteinander. So viele fühlen sich allein gelassen. Mit ihren Fragen. Mit ihren Gefühlen. Angst macht sich breit. Die Welt scheint aus den Fugen. Und das Verlangen nach einfachen Antworten in einer komplizierten Zeit gibt Demagogen und Despoten neue Macht. Sie versprechen eine Rückkehr zu vermeintlich überschaubaren Verhältnissen. Wirkliche Lösungen bieten sie nicht, nur mehr Hass und Abgrenzung.

Die Ansammlung von immer mehr Wissen bringt uns auch nicht entscheidend weiter. Viele Menschen haben erkannt, dass das, was sie tagtäglich tun, nicht dazu beiträgt, gesund zu bleiben, glücklich zu werden und ihre Talente und Begabungen zu entfalten. Es ist oft von Erkenntnis die Rede, aber etwas erkannt zu haben, heißt nicht, dass es uns auch wirklich berührt. Und wenn es uns nicht berührt, ändert sich auch nichts im Denken.

Wer gibt uns Halt? Woran wollen wir uns orientieren bei dem, was wir denken, sagen und tun? An dem, was wir vorfinden, weil es sich bisher so entwickelt hat? Oder an dem, wie es sein müsste, damit wir das, was uns als Menschen ausmacht, bewahren und weiterentwickeln können?

Was ist unsere Vorstellung von einem guten Leben?

Damit wir den Mut aufbringen und die notwendigen Kräfte mobilisieren, in unserer Demokratie auch Freiheit wirklich auszuhalten und Freiheit zu gestalten, brauchen wir eine Vorstellung davon, wie unser Leben aussehen soll. Eine Idee, eine Haltung.

Es gibt ein Wort, das uns die Richtung weisen könnte. Es ist ein altes Wort, aber nicht aus der Zeit gefallen: Würde. Von der Würde des Menschen ist oft die Rede. Unantastbar soll sie sein, das steht auch im besten aller Gesetze, dem Grundgesetz.

Aber was bedeutet dies konkret? Im Job? Im Alltag? Im Umgang miteinander? Wie werden wir uns dieser Würde bewusst? Über diese Fragen hat sich der Hirnforscher Gerald Hüther Gedanken gemacht. Und gemeinsam mit stern-Autor Uli Hauser ein Buch geschrieben: "Würde - Was uns stark macht, als Einzelne und als Gesellschaft" (Knaus Verlag,190 Seiten, 20 Euro. www.randomhouse.de).

"Wer wirklich verstanden hat, was diese eigene Würde ausmacht und wie leicht sie tagtäglich aus Achtlosigkeit verletzt werden kann", sagt Gerald Hüther, "will dann auch nicht mehr so weiterleben wie bisher. Sei es als unbeteiligter Zuschauer oder gar als Erzeuger und Vertreiber von würdelosen Ideen und Produkten."

Wiederentdeckung der Würde wichtiger denn je

Gerald Hüther will eine breite gesellschaftliche Debatte eröffnen. Hüther hat einen Aufruf verfasst, von dem er hofft, dass sich Hunderttausende anschließen. Darüber, "wie es gelingen kann, das Empfinden, die Vorstellung und das Bewusstsein der eigenen Würde" zu stärken. In dem Appell heißt es: "Viele Menschen haben erkannt, dass das, was sie tagtäglich tun, nicht dazu beiträgt, gesund zu bleiben, glücklich zu werden und ihre Talente und Begabungen zu entfalten. In einer von Effizienzdenken und Erfolgsstreben geprägten Zeit ist die Wiederentdeckung der eigenen Würde wichtiger denn je geworden. Die Würde ist unser innerer Kompass, der uns durch Turbulenzen, Verlockungen und scheinbare Notwendigkeiten hindurchnavigiert. Und: Wer sich seiner eigenen Würde bewusst ist, behandelt auch seinen Nächsten würdevoll"

Den Aufruf finden Sie hier: www.wuerdekompass.de/projekte/aufruf-zur-wuerde


Sie haben Situationen erlebt, in denen Sie das Gefühl hatten, dass Ihre Würde verletzt wurde? Oder im Gegenteil: Sie haben erlebt, wie Würde vorgelebt wurde? Teilen Sie uns Ihre Gedanken, Ihre Sorgen, Ihre Hoffnungen zum Thema Würde mit. Schreiben Sie uns: leseraufruf@stern.de


Mehr zum Thema: www.wuerdekompass.de 


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