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Vereinsmeier oder Sozialunternehmer?: Wie man Gutes tut und an Geld kommt

Soziales Engagement boomt. Viele Deutsche warten nicht auf die Politik, sie packen selbst an. Doch oft scheitert ihr Elan an Geld und einem Plan. Die wichtigsten Tipps für kleine Weltverbesserer.

Von Alexandra Mankarios

Sammeln, packen, verschicken - die Arbeit vieler gemeinnützige Vereine kostet laufend Geld. Spenden allein reichen oft nicht.

Sammeln, packen, verschicken - die Arbeit vieler gemeinnützige Vereine kostet laufend Geld. Spenden allein reichen oft nicht.

Ein Drittel der Deutschen engagiert sich für soziale Projekte. Viele wollen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld Missstände mildern und nicht drauf warten, bis sich die Behörden bewegen. Mit viel Elan packen sie es selbst an, gründen Vereine oder Initiativen. Doch oft scheitern die Vorhaben am Geld und einem Plan. Gründen, Geld sammeln, Gutes tun – braucht man mehr, um sich erfolgreich zu engagieren? Ja, meint Andreas Rickert, der Vorstandsvorsitzende von Phineo, einem Beratungsunternehmen für gesellschaftliches Engagement. Im Idealfall zieht man ein Sozialprojekt genauso durchdacht auf wie ein Geschäftsvorhaben, mit Businessplan, Strategie und Zielen. Sonst könnte der anfängliche Schwung schnell auf der Strecke bleiben.

"Wir raten dringend dazu, dass man sich, ehe man loslegt, noch einmal hinsetzt und eine Strategie entwickelt – auch wenn das vielleicht langweilig ist", so Rickert. Dazu gehören Antworten auf die Fragen: Was will ich erreichen? Gibt es schon andere, die das machen, mit denen ich mich zusammentun könnte? Was will meine Zielgruppe überhaupt? Wer das nicht weiß, kann schnell am Ziel vorbeischießen. "Der klassische Fall: Ein paar Bildungsbürger überlegen sich, wie sie weniger privilegierten Menschen Chancen eröffnen können. Sie denken sich die tollsten Bildungsprojekte aus, kennen aber die Lebensrealität der Jugendlichen, die sie erreichen wollen, gar nicht", berichtet Rickert.

Der engagierte Gutmensch wird Sozialunternehmer

Auch im persönlichen Bereich können sich Hindernisse für den Projektverlauf einschleichen. Zum Beispiel, wenn wohl und wehe einer Organisation von einem einzigen Menschen abhängen. "In unterschiedliche Projektphasen sind unterschiedliche Kompetenzen nötig", erklärt Rickert. Am Anfang sei es hilfreich, eine "Galionsfigur" zu haben, die das Projekt mit viel Engagement und Charisma anschiebe. "Ist es aber erst einmal gewachsen, muss sich die Struktur ändern. Dann stehen sich die Projektgründer häufig im Weg, weil sie alles kontrollieren wollen". Sein Rat: Auch die eigenen Kompetenzen systematisch im Blick zu behalten und auch selbst aus den Erfahrungen lernen.

Insgesamt beobachtet Rickert allerdings, nicht zuletzt durch den Boom der Sozialunternehmen, eine steigende Professionalisierung im sozialen Bereich. Und eine steigende Akzeptanz für soziales Engagement in der Gesellschaft. "Man lächelt heute nicht mehr über Gutmenschen, sondern erkennt hervorragende Arbeit an", so Rickert. Wenn man heute ein sehr talentierter, herausragender Hochschulabsolvent sei, dann seien Investmentbanker oder Unternehmensberater nicht mehr die einzigen Karriereoptionen. Man könne genauso gut einen Bereich in Betracht ziehen, in dem man etwas für die Gesellschaft tun könne.

Doch welche Organisationsform ist für das eigene Engagement am besten geeignet? Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten:

Engagement klassisch: Der Verein

Er ist der Prototyp der Hilfsvereinigung: der eingetragene Verein. Obwohl Sozialunternehmen und Bürgerstiftungen boomen, ist seine Beliebtheit ungebrochen. Rund 588.000 eingetragene Vereine sind 2014 in Deutschland aktiv, 44.000 mehr als 2001. Der Vorteil dieser Organisationsform: Gründung und Verwaltung sind ein Kinderspiel. Sieben Personen sind für den Start nötig. Es muss eine Satzung her, außerdem belaufen sich die Kosten für die Anmeldung auf maximal 140 Euro. Soll der Verein beim Finanzamt als gemeinnützig registriert sein, ist ein bisschen mehr Mühe in der Beschreibung des Vereinszwecks gefragt, außerdem wird die Buchhaltung anspruchsvoller.

Einmal gegründet ist der Verein pflegeleicht. Das einzige Pflichtorgan ist ein Vorsitzender, außerdem darf die Mitgliederzahl nicht unter drei fallen. Geld kann der Verein zum Beispiel aus Mitgliedsbeiträgen beziehen. Ist er gemeinnützig, darf er auch Spendenquittungen ausstellen, allein wirtschaftliche Zwecke darf er nicht verfolgen. Mitbestimmung wird groß geschrieben, allerdings fallen aus diesem Grund Entscheidungen im Verein eher gemächlich.

Geeignet für: Projekte aller Art und Größe, die keinen Profit machen und damit leben können, dass Vereinsmühlen manchmal langsam mahlen.

Ein Herz für die Region: Bürgerstiftungen

Wer sich für seine Stadt, seinen Kiez engagieren will, sollte sich nach einer Bürgerstiftung umsehen – oder selbst eine gründen. Diese besonderen Stiftungen von Bürgern für Bürger schießen seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Der Grundgedanke des Modells: In einer Region schließen sich Menschen zusammen, um das lokale Miteinander lebenswerter zu machen.

Rund 350 Bürgerstiftungen sind in Deutschland heute aktiv. Sie fördern soziale Projekte, vernetzen Freiwillige, beraten Stifter und vermehren laufend das Stiftungskapital. Denn anders als die klassischen Stiftungen gibt es in Bürgerstiftungen nicht einen einzigen vermögenden Stifter. Je mehr Bürger die Stiftung sinnvoll finden, desto mehr Geld und Sachleistungen fließen. "Gerade das macht den Charme einer Bürgerstiftung aus – es gelingt ihr besonders gut, weiteres Engagement aus den Menschen heraus zu kitzeln", erklärt Rickert. "Da sprechen Bürger direkt mit Bürgern. Für ein Gesundheitsprojekt kann man zum Beispiel ein örtliches Unternehmen aus der Medizinbranche als Unterstützer gewinnen. Steht eine Renovierung an, fragt man die Handwerksbetriebe im Viertel."

Geeignet für: Menschen, die sich für ihre Region engagieren möchten. Soziale Kompetenzen und die Bereitschaft zum Netzwerken sind von Vorteil.

Für Fortgeschrittene: Sozialunternehmen

Der Sozialunternehmer will die Welt nicht mit einer klassischen Hilfsorganisation, sondern mit einer sozialen Geschäftsidee verbessern. Vereine dürfen keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen, Unternehmen keine Spendenquittungen ausstellen. Soziale Unternehmen, als gemeinnützige GmbH oder gemeinnützige AG registriert, dürfen beides.

Weil in dem innovativen Unternehmensmodell so viel Potenzial zur Weltverbesserung steckt, können Gründer mit sozialer Geschäftsidee auf Unterstützung aus verschiedenen Programmen hoffen. Etwa vom Social-Entrepreneurship-Netzwerk Ashoka – genau wie zum Beispiel der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales oder der diesjährige Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi. Beide gehören zu der neuen Business-Spezies des Sozialunternehmers.

Neben dem Ashoka-Netzwerk vergibt zum Beispiel das EU-Programm Social Impact Start Stipendien oder bietet Hilfe bei der Projektentwicklung. Geld erhalten angehende Sozialunternehmer vor allem von großen Stiftungen oder zum Beispiel aus Social Investment Fonds wie Bonventure oder dem Social Venture Fund. Mittelfristig trägt sich ihre Geschäftsidee im Idealfall selbst.

Geeignet für: soziale Visionäre mit Unternehmergeist und langem Atem.

Hier fließt Geld für Projektgründer

Doch ob nun Verein, Bürgerstiftung oder Sozialunternehmen – ist eine Idee zündend und die Erfolgsaussicht hoch, lohnt es sich, finanzielle Unterstützer zu gewinnen. Die wichtigsten Geldquellen für ambitionierte Projektplaner aller Organisationsformen:

Stiftungen:


Förderstiftungen tun kaum etwas anderes, als aussichtsreiche Projekte zu unterstützen. Passt das eigene Vorhaben zum Profil der Förderprogramme, sind die Erfolgsaussichten gut, obwohl die Konkurrenz groß ist. Vor allem frisch gestartete Projekte kommen bei den Stiftungen gut an – Innovationen machen mehr her als alte Hüte. Weshalb auf den Stiftungsgeldhahn auch oft nur für begrenzte Zeit Verlass ist.

Crowdfunding:


Auf Plattformen wie betterplace.org stellen Projektplaner ihre Idee vor und sammeln Kleinspenden. „Ob das erfolgreich ist, hängt immer ein bisschen davon ab, wie massenkompatibel eine Idee ist“, meint Rickert „Und natürlich davon, wie viel Geld man braucht.“ Ganz von allein stolpert die Crowd allerdings selten über ein Projekt – Gründer müssen meist stark die Werbetrommel rühren, um auf ihre Idee aufmerksam zu machen.

Die staatliche Förderung:


Auch der Staat hat Interesse an einer starken Zivilgesellschaft und fördert deshalb freiwilliges Engagement auf vielfältige Weise. So stehen zum Beispiel im Bildungs-, Gesundheits- oder Umweltschutzbereich zahlreiche Geldtöpfe für förderwürdige Projekte bereit. Aber die Bedingungen sind oft umfangreich, der Weg zur Bewilligung ist lang. „Staatliche Förderung ist selten schon in der Startphase zu bekommen, sondern meistens erst später. Es sei denn, man passt direkt in ein Start-Förderprogramm hinein“, erklärt Rickert.

Der reiche Mäzen:


Wer es schafft, einen wohlhabenden Menschenfreund für sein Projekt zu gewinnen, hat schon viel erreicht. Neben privaten Kontakten hilft ein inhaltlicher Bezug des betuchten Förderers zum Projekt.

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