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Selbstmorde in Wales: "Es ist eine Art Trend geworden"

Sie sind jung, stammen aus demselben Ort - und erhängen sich. Wegen dieser Gemeinsamkeiten von sieben Menschen untersucht die walisische Polizei eine Serie von Selbstmorden. Die Ursache für die Freitode könnte im Internet zu finden sein.

Natasha Randall hat das Leben in vollen Zügen genossen. Sie hatte Freunde, war hübsch. Und doch hat die 17-jährige Waliserin sich am 17. Januar erhängt. Ihr Freitod schockt fast das ganze Vereinigte Königreich. Denn in ihrem Wohnort, dem südwalisischen Ort Bridgend, war ihr Tod der siebte Teenager-Suizid innerhalb eines Jahres. Nun untersucht die Polizei die Tode, denn alle sieben Jugendlichen sind auf dieselbe Weise aus dem Leben geschieden: durch Erhängen.

Der 18-jährige Dale Crow war der Erste, der im Januar des vergangenen Jahres seinem Leben mit einem Strick ein Ende setzte. Im Februar 2007 starben David Dilling, 19, und Thomas Davies, 20. Zachery Barnes erhängte sich mit 17 Jahren im August, Liam Clarke, 20, setzte beendete sein Leben im Dezember. Gareth Morgan war mit 27 Jahren der Älteste unter den jungen Toten: er schied wenige Wochen vor Natasha Randall aus dem Leben. Nun beschäftigt die identische Art der Selbstmorde die walisische Polizei.

Die britische Presse hingegen beschäftigt noch eine andere Frage: Standen die jungen Menschen über die Internetplattform "Bebo" miteinander in Kontakt?. Viele britische Zeitungen vermuten eine Art Freitod-Pakt unter den jungen Walisern aus Bridgend. Eine Vermutung, die die Aussage einer Freundin von Natasha stützt. Anne-Marie Eagle sagte der englischen Zeitung "The Daily Telegraph": "Es ist hier ein Art Trend geworden und gilt als cool, so etwas zu tun." Tasha - wie Freunde Natasha Randall nannten - sei "fasziniert" vom Erhängen gewesen, als sie von den anderen Fällen gehört habe.

Virtuelle Gedenksteine gelten als cool

Die süd-walisischen Polizei betont, es gäbe keine Beweise dafür, dass es eine Verbindung zwischen den Toten gäbe. "Die Überprüfung des Computers der 17-Jährigen ist nur ein Teil der sorgfältigen Untersuchung", sagt Superintendent Tim Jones. Doch auch die Theorie, die die Polizei verfolgt, hat mit dem Internet zu tun: "Es ist gut möglich, dass sie es für cool halten, eine Gedenkwebsite zu bekommen", sagte ein leitender Polizeibeamter der Zeitung "The Times". Sollte das wirklich die Motivation für Natasha Randalls Freitod gewesen sein, so hat sie ihr Ziel erreicht: Auf einer Internetplattform findet sich auch eine Gedenkseite für die 17-jährige Waliserin. Inzwischen füllen die Botschaften an sie 16 Seiten. Womöglich hat auch schon der nächste junge Selbstmörder aus Bridgend kondoliert.

Emma Bullimore/tk
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