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Augen: Chip hilft Blinden beim Sehen

Mediziner erproben derzeit einen Computerchip, mit dem Blinde wieder begrenzt sehen können. Das Implantat soll die Netzhaut künstlich stimulieren.

Mit einem Computerchip im Auge werden Blinde wieder begrenzt sehen können. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wird das Implantat erstmals an erblindeten Menschen erproben. Der auf der Netzhaut aufliegende Chip soll diese künstlich stimulieren. Bildinformationen erhält das so genannte "lernfähige Retina Implantat" von einer in einem Brillengestell eingebauten Kamera. Sie nimmt Bilder der Umgebung auf und leitet diese drahtlos an den Signalprozessor im Augeninneren.

In einem so genannten Akutversuch wird der Chip einem Patienten unter örtlicher Betäubung durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingeführt und auf die Netzhaut aufgelegt. Das Implantat besteht aus einer etwa einen Millimeter breiten und einem Mikrometer dicken, flexiblen Folie. Damit ist es etwa zehn Mal dünner als ein Haar. Nach einigen Tests wird das Implantat wieder entfernt und die Schnitte verschlossen. Die gesamte Operation soll maximal zwei Stunden dauern.

Methode schon erfolgreich an Tieren gestestet

Nach Auskunft von Prof. Gisbert Richard, dem Leiter der Studie, wurde die neue Methode schon erfolgreich an Tieren getestet. Bei Menschen sei man aber noch im Stadium der "Erforschung und Entwicklung", sagte Richard der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mit ersten Ergebnissen des Pilotversuches sei bereits kurz nach dem Eingriff zu rechnen. Sollte die Studie erfolgreich verlaufen, hofft Richard bereits 2004 oder 2005 erste Implantate langfristig einzusetzen.

Das Implantat richtet sich in erster Linie an Menschen mit degenerativen Erkrankungen der Netzhaut wie "Retinitis pigmentosa" (RP). Bei diesen Augenerkrankungen kommt es zu einem allmählichen Absterben der Netzhaut. Dadurch schränkt sich das Gesichtsfeld des Betroffenen ein – er sieht nur noch mit dem "Tunnelblick". Menschen, die bereits von Geburt an blind oder hochgradig sehschwach sind kann durch die Methode nicht geholfen werden, da sowohl Sehnerv als auch der fürs Sehen verantwortliche Teil des Hirnrinde intakt seien müssen.

An dem Forschungsprojekt sind unter Führung des UKE auch die Universitätskliniken Köln, Essen und Wien beteiligt. Insgesamt nehmen 20 Patienten an der Studie teil.

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