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Universität: Neuartige Notenschrift für Blinde

Licht im Dunkeln: Eine blinde Musik-Studentin hat eine neueartige Notenschrift für Sehbehinderte erfunden. Zusammen mit Informatik-Studenten tüfftelt sie jetz sogar an einer Software.

"Ich wollte immer schon eine Schrift, die so aussieht wie die, die die Sehenden nutzen", sagt die erblindete Evelyn Schröer. Die Idee der 34 Jahre alten Würzburger Studentin der Musik- und Sprachheilpädagogik für ihre Dissertation wurde in die Praxis umgesetzt. Die Universität Würzburg und die Fachhochschule (FH) Augsburg haben eine neue tastbare Notenschrift für Blinde und Sehbehinderte entwickelt.

Wachsschicht

Dazu werden normale Notenblätter eingescannt, bearbeitet und mit einem speziellen Wachstinten-Drucker auf Papier gebannt. Die Noten würden durch mehrere Schichten Wachs gut fühlbar, erklärten die Initiatoren bei der Vorstellung des Projekts in Würzburg. Sie hoffen, dass ihre Erfindung internationale Verbreitung findet.

Bisher könnten Blinde Noten lediglich über die von dem Franzosen Louis Braille entwickelte Punkte-Schrift lesen; dabei werden Buchstaben und Zeichen mittels unterschiedlich angeordneter Punkte dargestellt. Schon 2001 nahm Schröer Kontakt auf mit der FH Augsburg. Dort arbeitete der Fachbereich Maschinenbau bereits an der Entwicklung eines Druckers mit Wachstinte für taktile Zeichen.

Software

Zusammen mit Informatik-Studenten tüftelten sie an einer Software. "Die Noten werden eingescannt und etwa 2,5fach vergrößert", erklärt der Augsburger Professor Frank Gießner. Im Druckkopf werde dann ein Wachsblock erhitzt und verflüssigt. Die Noten werden schließlich mit der Wachstinte in mehreren Schichten auf Papier gespritzt.

"Die Idee lag ja fast auf der Straße", meint der Präsident des Deutschen Musikrates, Martin Maria Krüger. So schnell wie möglich müsse das Projekt nun international bekannt gemacht werden. "Es handelt sich um eine segensreiche Entwicklung, die auch für die UNESCO interessant sein könnte", erklärt Krüger euphorisch.

Neue Perspektiven

Für blinde Menschen eröffneten sich ganz neue Perspektiven, betonte auch der Lehrstuhlinhaber für Musikpädagogik und Didaktik der Musikerziehung an der Universität Würzburg, Friedhelm Brusniak. "Das ist etwas, das man in Tasmanien genauso nutzen kann wie in Deutschland."

Mit einer Reihe von Betroffenen solle die Notenschrift nun weiter getestet werden. Brusniak erhofft sich außerdem neue Impulse für die Grundlagenforschung in der Musikpädagogik.

Auswendig lernen

Partituren seien in dieser Notenschrift viel einfacher zu lesen als in der Braille-Schrift für Blinde, freut sich Schröer, die in ihrer Freizeit auch einen Chor leitet. "Ich taste meistens vier oder fünf Noten ab, singe sie mir vor oder spiele sie auf dem Klavier. Dann lerne ich die Melodie auswendig", erzählt die 34-Jährige. Dank der neuartigen Notenschrift für Blinde könne sie problemlos einzelne Takte nachlesen.

Die Notenschrift mache es auch Lehrern leichter, mit blinden Musikern zu arbeiten. Denn jene müssten nicht erst die Blindenschrift lernen. Auch für Legastheniker und Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sei die sicht- und fühlbare Notenschrift interessant, unterstreicht Schröer. "Viele springen beim Lesen hin und her und haben Probleme, in der Zeile zu bleiben oder die Zeile zu wechseln", erklärt die Studentin. "Nun haben sie die Möglichkeit, sich festzuhalten."

Claudia Möbus/DPA / DPA
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