Genforschung Grüne Science-Fiction Ferkel


Grüne Schweine - das klingt nach einem Science-Fiction-Film, ist aber Realität. Forscher aus München haben die Gene der Tiere so verändert, dass sie im UV-Licht grün leuchten.

Grüne Ferkel gibt es nicht. Oder doch? Münchner Wissenschaftler haben die Erbsubstanz von Schweinen so verändert, dass sie grün leuchten. Auf den ersten Blick sind die kleinen Schweine von ihren Artgenossen nicht zu unterscheiden. Doch unter UV-Licht verwandelt sich ihr Schweinchen-rosa in Grün. Alexander Pfeifer vom Zentrum für Pharmaforschung und Eckhard Wolf vom Genzentrum der Uni München infizierten Embryonen von Schweinen mit Viren, die ein grün fluoreszierendes Protein enthielten.

Dabei handelt es sich um ein neues Verfahren, dass von Pfeifer und Wolf entwickelt worden ist. Statt die fremde DNA direkt in den Zellkern zu spritzen, benutzen die Mediziner die Viren als Träger, auch Genfähren genannt. Die herkömmliche Methode habe nur bei ein bis zehn Prozent der ausgetragenen Tiere Erfolg gezeigt. "Das ist zu einem technisch aufwendig, und der Zellkern ist schwierig zu finden", erklärt Pfeifer. Die Viren fänden den Weg zu den Zellkernen hingegen alleine. Sein Kollege Wolff bezeichnet das neue Verfahren als Quantensprung in der Reproduktionsmedizin: "Auf diese Weise ist die Erfolgsrate 20 bis 30 Mal höher".

Auch die Generation danach ist grün

Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler mit dem neuen Verfahren bereits Mäuse erfolgreich genverändert. Bei Nutztieren hingegen sei es schwieriger, die Erbsubstanz zu manipulieren, erläutert Wolf. Dennoch haben sich 20 Prozent der veränderten Embryonen zu lebenden Ferkeln entwickelt. "Von 46 ausgetragenen Ferkeln glühten 30 im UV-Licht grün auf", sagt Pfeifer. Dies sei ein Beweis dafür, dass sich das Leucht-Protein in denen Genen der Ferkel verankert hat. Die Mediziner konnten es nicht nur in der Haut und den inneren Organen nachweisen, sondern auch in den Keimzellen. Auch die darauf folgende Ferkel-Generation wird folglich die neue genetische Information besitzen - also grün leuchten.

Das Grün Fluoreszierende Protein wird aus Tiefseequallen gewonnen und dient dazu, den Erfolg von Genveränderungen sichtbar zu machen. Auch der Versuch von Wolf und Pfeifer sollte das neue Verfahren testen. Derzeit arbeiten die beiden Mediziner an einem neuen Gen-Konstrukt, das Zelltransporte ermöglichen soll. Ihr Ziel ist es, Schweinorgane in Transplantationsmaterial für den Menschen umzuwandeln. So könnten zum Beispiel Teile der Bauchspeicheldrüse bei Diabetes-Patienten eingesetzt werden. "Allerdings müssen wir den Schweine-Organen eine gentechnische Tarnkappe überziehen, damit sie vom Menschen nicht abgestoßen werden", erläutert Wolf.

Irena Güttel

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