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Verhaltensforschung: Schnecken wandeln auf fremden Schleimpfaden

Warum selber schleimen, wenn das andere schon für einen erledigt haben? Schnecken, die auf Schleimspuren ihrer Artgenossen kriechen, kommen besser voran - und sparen auch noch jede Menge Energie dabei.

Für die Schleimproduktion verbrauchen die Tiere einen Großteil ihrer Fortbewegungsenergie - die können sie einsparen, wenn sie schon vorgefertigte Spuren benutzen. Die Forscher um Mark Davies von der britischen Universität Sunderland hatten das "Schleimverhalten" der Gemeinen Strandschnecke (Littorina littorea) untersucht. Bei einer frischen Schlitterschicht erzeuge die nachfolgende Schnecke nur etwa ein Viertel des Schleims der Vorgängerin, schreibt das Team in den "Proceedings B" der britischen Royal Society (online vorab veröffentlicht). Bei verwitterten Spuren sei es entsprechend mehr. Die weit verbreitete Schnecke lebt im Gezeitenbereich des Atlantiks.

Auf der alten Schleimspur auch mehr Nahrung?

Je frischer die Schleimspur ist, desto mehr Schnecken sind darauf zu finden. Forscher hatten schon lange beobachtet, dass Schnecken häufig auf der Schleimspur ihrer Artgenossen kriechen. Der Grund war bislang umstritten. Ein weiterer, wenn auch nicht so bedeutender Vorteil der Schlitterschicht könnte nach Ansicht des Teams um Davies das Nahrungsangebot sein. Im Schleim sammeln sich winzige Nährstoffpartikel. Wie die Schnecke die Qualität der Schleimspur erspürt und ihre Produktion darauf abstimmt, wissen die Forscher noch nicht.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Forscher festgestellt, dass die schleimigsten Schnecken besonders langsam kriechen, weil die Produktion des Glibbers viel Energie kostet ("New Scientist" Nr. 191, S. 19). (Fachartikel-Identifikationsnummer: DOI: 10.1098/rspb.2007.0046)

DPA / DPA
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