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Reise: "Loves rules" - zum letzten Mal?

Immer weniger Besucher, immer weniger Geld: Die Loveparade ist in der Krise. Erleben wir am Wochenende den Abschlussrave?

Die Zeit der Superlative ist unwiederbringlich vorbei. Bis zu 1,5 Millionen zuckende Leiber schoben sich bei der Love Parade vor vier Jahren durch die Straßen Berlins. Wenn am Samstag beim 15. Techno- Umzug in der Hauptstadt die Marke von 500 000 Ravern überschritten wird, dann wären die Veranstalter schon glücklich. Geht es mit den Teilnehmerzahlen nach dem Einbruch im Vorjahr aber weiter nach unten, dann tanzen die Raver unter dem Motto "Love rules" (Liebe regiert) möglicherweise zum letzten Mal durch den Tiergarten.

Love Parade traf in den 90er Jahren den Zeitgeist

In den 90er Jahren war die Welt der Love Parade noch in Ordnung. Love-parade-Geschäftsführer Fabian Lenz spricht heute von den "goldenen Jahren". Damals stürmten DJs wie Marusha und Westbam in die Hitparaden. Mit sich jährlich verdoppelnden Teilnehmerzahlen wurde die Love Parade zum weltweit größten Rave, zu dem junge Leute aus aller Welt anreisten. Techno war ein Lebensgefühl: Mit möglichst wenig Textil auf dem Körper wurde zu Ohren betäubenden Rhythmen der Hedonismus gefeiert. Doch in schwierigeren Zeiten scheint der Ego-Trip nicht mehr angesagt zu sein.

Liebesparade konnte dieses Jahr nur mit Hilfe der Messe finanziert werden

Auch die Love Parade hat inzwischen mit grossen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das war anders in den 90er-Jahren, als die Love Parade noch als politische Demonstration durch Berlin zog. Die Kosten vor allem für die Beseitigung des Mülls übernahm die Stadt. Als das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2001 nach monatelangem Streit die Love Parade als rein kommerzielle Veranstaltung einstufte, hatten die Macher des Liebesraves alle anfallenden Kosten selbst zu tragen. In diesem Jahr waren rund 1, 5 Millionen Euro aufzubringen. Die Summe konnte nur gestemmt werden, weil die landeseigene Messe Berlin mit in die Organisation eingestiegen ist und etwa ein Drittel der Kosten übernimmt.

Einnahmen fehlen

Neben den Kosten für die Müllbeseitigung sind es vor allem die fehlenden Einnahmen, die den Veranstaltern zu schaffen machen. Das Merchandising-Geschäft mit dem verkauf von CDs, T-Shirts und Postern bringt nicht mehr den früheren Geldsegen. Ebenso wie die Vergabe von Lizenenzen für den Getränkeverkauf und der Parade-Wagen.
Dieses Jahr werden nur 30 Lautsprecher-Wagen die Strecke zwischen Brandenburger Tor, Siegessäule und Ernst-Reuter-Platz zurücklegen. Das sind ganze 15 weniger als letztes Jahr. Und Lenz fürchtet, dass sich künftig noch weniger Clubs und Plattenfirmen engagieren, weil sich immer weniger einen eigenen Laster auf der Love Parade leisten können. Grund für den Geldmangel bei den Labeln: Der Markt für Musik ist durch das massenhafte Schwarz-Kopieren von CDs geschrumpft.

Hat sich die Loveparade überlebt?

Vielleicht aber noch schwerer als die finanziellen Turbulenzen wiegen das zunehmende Desinteresse der Raver an dem ehemaligen Weltevent. Der Zeitgeist scheint sich langsam gegen den schönen Technobeat zu drehen. "Schon im vergangenen Jahr haben wir gemerkt, dass die Love Parade ihren Zenit überschritten hat", gibt Natascha Kompatzki zu, Sprecherin der Berliner Tourismuszentrale. «Es war ein gewisse Müdigkeit zu spüren." Noch steht die Stadt Berlin, die die Parade als wirtschaftliches Ereignis schätzt, zu dem Großereignis. Aber auch Franz gibt sich keinen Illusionen hin: Wenn die Love Parade mehrfach hintereinander einen Besuchereinbruch erlebe, dann müsse über ihre Zukunft nachgedacht werden.

Christoph Marx / DPA
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