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Brenner Outlet: Ski, Schnee und Shoppen

Jetzt lohnt es sich wieder am Brenner abzufahren: Auf der Trümmerwüste des einstigen Grenzverkehrs erhebt sich der erste Abschnitt eines gigantischen Einkaufszentrums. stern.de sprach mit dem Center-Manager Christian Dotzauer über das Shoppen in Europas höchstgelegenem Outlet.

Den Ort Brenner kennt jeder - aussteigen mochte in den letzten Jahren kaum noch jemand. Der Alpenübergang stand immer im Zeichen von Handel und Verkehr. Aber als Europa den freien Güterverkehr, die gemeinsame Währung und das Schengen-Abkommen durchsetzte, ging es mit dem Brenner bergab. Wechselbuden, Kontrollhäuschen und Abfertigungsanlagen rotteten vor sich hin. Der ideale Drehort für Mädchenhändler, Organschieber und Waffenhändler. Einzelne Schuppen und Geschäfte priesen noch Italo-Plunder vom Roten in der Korbflasche bis zur "gewagten" Unterwäsche an. Mit wenig Erfolg, der Ort Brenner verschwand von der geistigen Landkarte, übrig blieb die Autobahn. Nun lohnt es sich wieder abzufahren, auf der Trümmerlandschaft des einstigen Grenzverkehrs erhebt sich der erste Abschnitt eines gigantischen Einkaufszentrums. Stern.de sprach mit dem Center-Manager Christian Dotzauer über das Shoppen in Europas höchstgelegenem Outlet.

Herr Dotzauer, wir sind hier im höchstgelegenem Outlet Europas. Errichten Sie hier einen Shopping-Palast der Superlative?

Wir sind sehr hoch gelegen. Und wir besitzen einen weiteren Superlativ: Wir sind das einzige Outlet mit einem Bahnanschluss, uns kann man also auch ohne Pkw erreichen. Von der Größe ist das, was Sie sehen, noch nicht der endgültige Zustand. Projektiert sind erst einmal 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das ist die größte Handelsfläche in Südtirol.

Wie sind Sie auf die Location am Brenner gekommen? Sind Sie der Shopping-Stopp auf der Reise in den Süden?

Wir haben eine ungeheure Frequenz direkt vor der Haustür. Es gibt zwei zwei Abfahrten, die Autobahn ist direkt in Sichtweite. Es ist also unmöglich, an uns vorbei zufahren, ohne uns zu bemerken. Aber wir richten uns nicht allein an Durchreisende. Wer auf die europäische Outlet-Landkarte schaut, entdeckt schnell eine strategische Lücke. Eben 250 bis 300 Km um den Brenner herum. Im Norden gibt es Ingolstadt, bei Salzburg wird es etwas geben, im Süden kommen dann Brescia und Mantua. Das ist ein sehr schönes Einzugsgebiet von München bis zum Gardasee. Aber natürlich ist die Brenner-Route einer der Hauptverkehrsstrecken in Europa.

Erzeugen Sie damit nicht noch mehr Verkehr auf der Brennerroute?

Sicher, wir tragen gewiss zum Verkehrsaufkommen bei. Aber zu uns muss der Münchner anders als bei vielen anderen Outlets nicht eigens anreisen. Er kommt von allein vorbei, auf dem Weg zum Gardasee und in den Wintersport. Da sind wir ein willkommener Zwischenstopp. Die Urlauber sind für uns eine wichtige Zielgruppe. Wir bieten ein klassisches Schlechtwetterprogramm im Urlaub und sind ein zusätzliches Ausflugsziel. In Bozen etwa ist bei Schlechtwetter ja kaum etwas zu wollen, wegen der Parksituation ist die Stadt schnell total "zu".

Bislang gab es in Südtirol die idyllischen Altstädte von Bruneck, Meran und Bozen mit ihren Laubengängen.

Richtig, aber bislang gab es in Südtirol überhaupt kein richtiges Einkaufszentrum. Wir gehen in dieser Region ganz neue Wege zum entspannten Einkaufen. Wir bauen nicht auf der grünen Wiese. "Innerstädtisch" hört sich etwas großspurig an, aber wir liegen unmittelbar neben dem Brenner Ort. Und wir haben ein geschlossenes Gebäude gewählt und kein Einkaufsdörfchen. Ein Village geht hier oben bei uns nicht, da schneien wir zu.

Wollen Sie uns erzählen, dass dieses Projekt nur Freunde gefunden hat?

Ein Projekt dieser Größe stößt immer auch auf Widerstand und weckt Empfindlichkeiten. Aber wir hatten die lokale Bevölkerung um den Brenner herum auf unserer Seite. Dieses Outlet wird auch für den Ort und die ansässigen Kaufleute Positives bringen. Bei unserer Eröffnung hat man im Ort ein Bomben-Geschäft gemacht.

Nun ja, im Brenner Ort kann es ja nur bergauf gehen, Schlimmer ging es ja gar nicht mehr. Aber was sagen die Städte?

In Südtirol gibt es kein Einkaufszentrum. Die Kunde sind zum Einkaufen in den Norden nach Österreich gefahren. Das war unser Landesregierung ein Dorn im Auge. Da hat man dann gesagt: Wenn schon Großfläche, dann im eigenen Land. Wir sind hier auf der Südtiroler Seite. Ein Teil vom Kreisverkehr liegt in Österreich. Dort findet man den Standort natürlich nicht so gut gewählt.

Kommen wir zu den Kunden. Was können die erwarten?

Wir haben uns breit aufgestellt im oberen Bereich der Mittelklasse. Absolute Luxusmarken finden sie bei uns nicht. Wir haben Puma, wie haben Billa Bong, wir haben Loyds. Wir sind insgesamt etwas italienisch geprägt. Die neueste Kollektion dürfen wir natürlich nicht verkaufen, da liegen drei Monate dazwischen.

Wieviel spart man denn nun bei Ihnen?

Minus 30 Prozent ist garantiert und das geht bis zu minus 70 Prozent vom Ladenpreis. Etwa ein Drittel ist also das Minimum, die Hälfte geht häufig und bei Schlussverkauf geht dann noch a bissel mehr. Dort wo der normale Schlussverkauf in der City liegt, das ist bei uns die Normalität.

Dem Kunden geht es also ums Sparen?

Nicht nur. Der Kunde ist verwöhnt. Eine leere Schachtel hinstellen mit ein paar Kleiderständern, das reicht heute nicht mehr. Wir haben englische Architekten geholt, die bereits Center erfolgreich umgesetzt haben. In den einzelnen Shops stecken jeweils mehrere hunderttausend Euro für Einrichtung . Wer langfristig als Ausflugsziel punkten will, muss das so hochwertig bauen. Darum gibt es eine Kinderbetreuung und mehrere Kindergeschäfte. Neuland betreten auch die Öffnungszeiten. Wir haben von bis 20.00 Uhr geöffnet und jeden Sonntag bis 21.00 Uhr offen – nur fünf Tagen im Jahr haben wir zu.

Am Sonntag mit der Familie zum Shoppen im Heiligen Land Tirol?

Natürlich, so sind die Zeiten. Shoppen ist eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung. Manche Leute fliegen nach New York. Wir machen nicht nur das reines Centermanagement, sondern Projektentwicklung für die ganze Region. Das Center ist als Revitalisierung einer entvölkerten Region gedacht. Wir wollen ein großes, schlagendes Herz werden. Der Ort ist für den Handel europaweit bekannt. Und wir startet nun einen neuen Marktplatz, mit einem qualifizierten Angebot, 360 Tage im Jahr.

Das Management rechnet mit Ausgaben von 80 Euro pro Besucher, schon beim ersten Kontakt kann die Prognose bestätigt werden. 80 Euro waren schnell überschritten. An anderen Stellen muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die reizende Verkäuferin im "Datch"-Shop reagiert geschockt auf die Vermutung, sie könne am Brenner leben. "Hier, in dieser Wildnis? Oh Gott, nein! Hier gibt es nichts!" Nein, sie käme aus Verona und Silvester sei der "Spuk" am Brenner für sie vorbei.

Die Fragen stellte Gernot Kramper

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