Dänemark Zwischen deutscher Autobahn und heimischer "Hygge"


Die Dummen unter sind immer die anderen: Die "armen Schweine", die sich im Auto samt Wohnwagen über verstopfte deutsche Autobahnen Richtung Süden quälen. Oder die daheim Gebliebenen, wenn Regen und Kälte den Aufenthalt in Dänemark vermiesen

Die Dummen unter den dänischen Urlaubern sind immer die anderen - so jedenfalls will es ein dreigeteiltes Klischeebild: Kopfschüttelnd werden zum einen die "armen Schweine" bemitleidet, die sich im Auto samt Wohnwagen über hoffnungslos verstopfte deutsche Autobahnen Richtung Spanien, Südfrankreich oder Italien und zurück quälen. Als fantasielose Langweiler gelten zudem die Pauschaltouristen. Und über die daheim Gebliebenen wird vor allem immer dann gespöttelt, wenn Regen und Kälte den Aufenthalt in einem der 200 000 Ferienhäuser an den Küsten von Nord- und Ostsee zu einem unfreiwilligen Spielkarten-Marathon machen.

Gern abwechslungsreich

Tatsächlich wechseln die meisten Bürger im Reich der stets nach Südfrankreich reisenden Königin Margrethe II. gerne und oft die Reiseform. Nach einer Ende Mai veröffentlichten Untersuchung des PLS- Rambøll-Institutes wollen in diesem Sommer 50 Prozent im eigenen Land Sommerferien machen und 34 Prozent ins Ausland reisen. 7000 Kilometer Küste in fast überall ruhiger, idyllischer Umgebung für rund 5,5 Millionen Bewohner sind eine fast unwiderstehliche Versuchung, und eine viel billigere als das Ausland. "Immer mehr Leute entscheiden sich für Sommerferien daheim und machen dann in den anderen Jahreszeiten kürze Auslandsreisen", sagt Ursula Rechnagel von "Danmarks Turistråd".

"Hygge" im Sommerhaus

Für ihre Branche waren die eigenen Landsleute mit 19 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr wie stets die wichtigste Kundengruppe, gefolgt von deutschen Urlaubern mit 15 Millionen. In der Statistik noch nicht enthalten sind die Dänen, die im eigenen Sommerhaus Ferien machen und "Hygge" verbreiten, das urdänische Zauberwort für hausgemachte Gemütlichkeit. Wenn dazu auch die rotweiße Landesflagge fröhlich vor dem Holzhäuschen in Strandnähe flattert, gibt es für deutsche Urlauber mitunter ein böses Erwachen. Hissen sie aus lauter Begeisterung über die "Hygge" Schwarz-Rot-Gold vor ihrem gemieteten Feriendomizil, rufen ungemütlich werdende Dänen die Polizei, weil sie nur ihre eigene Landesflagge sehen wollen und andere ohne behördliche Genehmigung nicht gehisst werden dürfen.

Die Reichen campen

Die Demoskopen von PLS-Rambøll fanden zudem heraus, dass unter dänischen Urlaubern auf Campingplätzen einkommensstarke Gruppen klar überrepräsentiert sind. Dazu tragen zwar auch die Betreiber mit saftigen Preisen bei, vor allem aber bestätigt die Erhebung, dass die Dänen einen vergleichweise entspanntes Verhältnis zu Luxus und Prestige bei ihrer Ferienplanung besitzen. Vor allem Familien mit Kindern bevölkern die dänischen Landstraßen im Juli mit ihren Rädern, ehe sie am Nachmittag die oft betont simple Campingausrüstung auspacken.In diesem Jahr scheint Camping unter den Dänen "in" zu sein. Während der gesamte Fremdenverkehr gerade mal 1 bis 2 Prozent mehr Gäste erwartet, rechnen die Campingplatz-Betreiber mit fast 10 Prozent mehr im Vergleich zu 2002 mit 11 Millionen Übernachtungen.

Alle zugleich

Das ganze Land macht gleichzeitig Sommerferien von Ende Juni bis Anfang August. In dieser Periode des Jahres ist Dänemark überwiegend "zugeklappt". So langsam wieder in Gang kommt das öffentliche Leben erst, wenn die Auto-Urlauber den letzten Stau bei Hamburg überstanden, die Pauschaltouristen den mitgebrachten Fusel aus Südspanien entkorkt und die Sommerhausbesitzer die für den Notfall geborgte elektrische Heizung wieder abgeliefert haben.


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