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Fjordnorwegen: Auf Berg- und Talfahrt

Bis weit ins Land hat sich das Meer seinen Weg gebahnt und schuf eine einzigartige Lanschaft: die Fjorde. Eine Berg- und Talfahrt von Bergen nach Stavanger.

Der Anflug auf Bergen mit dem saftiggrünen, zerklüfteten Land, dem umschlingenden dunkelblauen Wasser und den Schnee bedeckten Bergspitzen ist einmalig schön. Wolken schweben wie Wattetupfer vereinzelt am Himmel. Die typisch skandinavischen roten Häuser machen sich besonders gut im Zusammenklang mit dem nordischen Licht - wir haben Glück, die Sonne scheint.

Wir verlassen Bergen in Richtung Osten und kommen in ein Gebiet, das sich der Obstgarten Norwegens nennt - Hardanger. Das satte Grün der Wiesen zeugt von einem fruchtbaren Boden - Kirsch-, Apfel-, Pflaumen- und Birnenplantagen säumen die Straße. Den Hintergrund dieser lieblichen Landschaft bilden schroffe Bergmassive. Bis weit ins Land hat sich das Meer seinen Weg gebahnt, es ist der Hardangerfjord. Durch den nicht weit entfernten Folgafonne-Gletscher schießen immer wieder Wasserfälle die Berge hinunter in die Tiefe. So auch der tosende Wasserfall "Steindalsfossen" und der gewaltige "Låtefossen".

Mit einer Fähre überqueren wir den Hardangerfjord von Tørvikbygd nach Jondal. Dort, mitten in den Plantagen, direkt am Fjord gelegen, besuchen wir "Hardangers Gjestegaard" - eine restaurierte, kulturhistorische Saft- und Weinfabrik und ein sehr schönes Gasthaus aus dem Jahre 1889. In Sirdal ist Volksfest. Nicht nur das ganze Dorf hat sich versammelt, auch Nachbarn Freunde und Touristen kommen zusammen, um das Eintreffen von 40.000 Schafen zu feiern. Hier ist heute Schafabtrieb, das heißt die Tiere werden von den Bergen ins Tal getrieben. Den ganzen Sommer haben sie in den Bergen verbracht, nun geht es für 75 Prozent von ihnen in den Schlachthof. Mit lautem Gebrüll und Gepfeife versuchen die Schäfer die durcheinander laufenden Schafe auf der Straße zu halten. Als es einigen Schafen gelingt auszubrechen, ertönt ein schriller Pfiff, und sofort jagen die Hunde hinterher, um unter scharfem Gebell die Ausreißer wieder zusammenzutreiben.Auch Lotta ist wieder dabei, die einzige Frau unter den Schafhirten. Mit festem Schritt, einen langen Stock in der Hand, treibt die fröhliche Rothaarige mit den anderen Naturburschen die Herde ins Tal. Die Ankunft im Ort wird traditionell mit einem guten Essen - Lammbraten versteht sich- und mit Schnäpsen gefeiert.Bevor es auf dem Lysevejen, einer Serpentinenstraße mit 27 Haarnadelkurven 900 Meter in die Tiefe nach Lysebotn geht, machen wir einen kurzen Stopp beim Adlerhorst - der Øygardstølen-Alm. Von hier haben wir einen phantastischen Ausblick tief unten auf den Ort und den Fjord.

Die Tour mit dem Schnellboot von Lysbotn nach Stavanger dauert vier Stunden und ist eine unvergessliche Fahrt durch eine zerklüftete Fjordlandschaft. Obwohl am Rande hohe Berge den Fjord begrenzen, befinden sich am Ufer gelegentlich kleine Ortschaften, die früher nur mit dem Boot erreichbar waren. Nun erfahren wir, dass ein solcher Ort mit 23 Einwohnern mit einem Tunnel beglückt wurde: Kostenpunkt 11,5 Millionen Euro. Dies scheint keine Ausnahme zu sein, denn das durch die Ölfunde reich gewordene Norwegen hat mehrere solcher Tunnel.Der früher von Heringsfang und von der Fischkonservenindustrie lebende Ort Stavanger ist heute eine weltoffene Stadt geworden, wo große Ölgesellschaften aus aller Welt sich niedergelassen haben. Wer von der überwältigenden Natur genug hat, ist in Stavanger richtig. Abends wimmelt es in den pittoresken Straßen der Fußgängerzone von jungen Leuten. Besonders am Wochenende, wenn die Arbeiter von den der Küste vorgelagerten Ölplattformen an Land kommen, sind die vielen Kneipen und Discos überfüllt. Aber trotz des Ölbooms hat die um den Hafen angelegte Stadt noch was Kleinstädtisches. Besonders idyllisch ist die Altstadt "Gamle Stavanger" mit den historischen, weiß gestrichenen Holzhäusern aus den letzten beiden Jahrhunderten.Informationen über Touren durch die Fjordlandschaft Norwegens erhalten Sie unter www.visitnorway.com

Gesine Unverzagt
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