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Norwegen per Wohnmobil: Mein Horrorurlaub auf dem Campingplatz

Eng, laut und alle grillen im Akkord: stern-Autor Kester Schlenz hat erstmals den Sommerurlaub in einem Wohnmobil verbracht und bei seinem Selbstversuch eine traumatische Erfahrung gemacht.

Ich war mit meiner Frau mit einem Wohnmobil in Norwegen unterwegs. Wetter und Landschaft super! Aber das Campen? Du meine Güte. Was für ein Horror! Man fährt also im schönen Norden bei bestem Wetter durch großartige Landschaften und schreit dauernd begeistert im Auto: "Diese Fjorde!".

Dann sieht man das Schild mit dem Campingplatz-Logo, biegt ab und erschrickt. Ein Meer von Weiß. Wohnwagen an Wohnwagen. Wohnmobil neben Wohnmobil. Ein paar einsame Zelte. Alle dicht an dicht. Grillgeruch. Rauchschwaden liegen über dem Gelände. Irgendwo bellt ein Hund. Andere antworten.

"Wehe, du willst für dich sein"

Langsam zuckelt man über den Platz. Auf der Suche nach ein wenig Ruhe und Privatheit. Beäugt von etlichen Augenpaaren. Misstrauen. Der Camper spürt sofort, wenn Fremdartiges in sein Refugium eindringt. Die sind nicht wie wir, sagen ihre Gesichter. Einen schönen Platz fanden wir fast nie. Egal, wie weit das Land ist – der Camper liebt es eng. Wie ein Wurf junger Katzen drängt sich jeder an den anderen. Drei Meter nur beträgt der Mindestabstand zum Nächsten. Niemand will weiter weg. Denn selbst wenn neben einem Platz in der Größe eines Fußballfeldes ist: Neuankömmlinge stellen sich drei Meter neben einen. Man sieht sich. Immer.

Es gibt viele Dauercamper. Ihre Wohnwagen sind längst mit dem Platz verwachsen. Eingemauert, eingezäunt. Wie versteinerte Zeugen einer längst vergessenen Mobilität. Der Camper scheint ein Reisender zu sein, offen für anderes. Dabei baut er sich sein Zuhause einfach in der Fremde nach: TV, Blumenkübel, Betonplatten vor dem Eingang, Fahnen, Wellensittiche, Hunde, Kaninchen, Wäschespinnen. Nein, es sind nicht nur die Deutschen, die woanders ihr Heim simulieren. Egal ob Norweger, Holländer, Däne oder Schwede - der Camper ist immer derselbe Typ. Gar nicht mal unfreundlich. Man hilft sich, aber wehe, du willst für dich sein. Das kommt nicht gut an. Da wird der Camper mürrisch. Man ist gesellig.

Gern hat der Camper mit den Jahren ein wenig zugelegt. Was Wunder - er grillt ja unablässig. Und keine Putenbrust. Ab 12 Uhr werden Nacken, Bauchfleisch und Wurst zur Verkohlung unter freiem Himmel und anschließendem Verzehr freigegeben. Das geht so bis zum Zapfenstreich.

Beim Frühstücken die Toilette vor Augen

Dass Sie mich nicht falsch verstehen. Ich mach mich hier nicht über Leute lustig, die sich keinen anderen Urlaub leisten können. Mitnichten. Es stehen Unmengen sehr teurer Wohnwagen und -mobile auf den Plätzen. Und billig sind die Plätze auch nicht. Hier urlaubt der Mittelstand.

Kommen wir zum allzu Menschlichen. Es ist eine Freude, wenn man draußen frühstückt, und dann der Nachbar mit seiner Chemie-Toilette auf Rädern an einem zur Entsorgung vorbeirumpelt. Wir haben unser Chemo-Klo nicht benutzt. Uns war nicht danach, uns praktisch im Wohn- und Schlafbereich zu lösen. Geduscht haben wir da auch nicht. Zu eng. Also haben wir die sanitären Anlagen benutzt.

Ein Angang stets. Auch hier ist man selten allein. Einer der eindrucksvollsten Momente war, als ich hektisch duschte (15 Kronen für vier Minuten) und gleich neben mir hinter einer dünnen Holzwand ein alter Schwede donnernd abführte.

Aber, wie gesagt, wir hatten echt super Wetter.

Kester Schlenz
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