Paris Besucherschwund in Paris


Sei es der Irak-Krieg, sei es der teure Euro: Amerikanische Touristen meiden Paris. Besonders Betuchte lassen die Stadt der Liebe links liegen.

Das hat die stolze Schöne an der Seine schon lange nicht mehr erlebt - das weltweit beliebteste Reiseziel Paris leidet unter Touristenschwund. In den Luxus-Hotels stehen teure Suiten leer. Die «Bateaux-Mouches»-Ausflugsboote auf der Seine sind beileibe nicht so überfüllt wie sonst im Sommer. Etliche Andenkenverkäufer unter dem Eiffelturm, am Triumphbogen und vor der Kathedrale Notre-Dame bleiben auf kitschigen Anhängern und Faltpostkarten sitzen. Es sind gerade die zahlungskräftigeren Besucher aus fernen Ländern, die wegbleiben.

Paris sonst beliebtes Reiseziel

Dabei flanieren die Amerikaner und Japaner doch sonst so gern auf den Champs-Elysées oder wollen unbedingt Leonardo da Vinci im Louvre sehen. Unter den etwa 15 Millionen Touristen, die Jahr für Jahr nach Paris kommen, waren zuletzt im Schnitt neun Millionen Ausländer. Sie füllen entscheidend die tausende Hotels - und vor allem die teuren Zimmer. 134 000 Arbeitsplätze hängen in der französischen Metropole vom Tourismus ab. Kein Wunder also, dass etwas Nervosität aufkommt.

Vor allem Amerikaner meiden die Stadt der Liebe

"Die Amerikaner landen nicht mehr in Frankreich", sorgt sich die linksliberale Pariser Tageszeitung "Libération". "Die ausländischen Touristen meiden die Kapitale", schließt sich "Le Parisien" in großer Aufmachung an. "Das Problem liegt darin, dass diejenigen, die nicht mehr kommen, früher das meiste Geld hier ausgegeben haben", erklärt Jean-Marc Janaillac, der Tourismus-Verantwortliche der Hauptstadt.

Europäische Besucher kommen weiter

Es ist also nicht so sehr der Rückgang internationaler Besucher überhaupt, der negativ zu Buche schlägt. Denn Engländer, Italiener, Spanier und Niederländer - also die europäischen Nachbarn - strömen etwas mehr nach Paris. Die Millionen Amerikaner aber hatten Paris immer freigiebiger besucht. Doch die Zeiten scheinen vorerst passé.

Vor allem kaufkräftige Gäste fehlen

"Es kommen weniger Amerikaner, und die, die noch kommen, geben weniger aus", bringt es ein Reiseveranstalter auf den Nenner. Also nicht mehr das teure Luxus-Hotel am Concorde-Platz. Und statt des so attraktiven Abendessens auf dem Eiffelturm doch lieber das billigere Bistro um die Ecke. Der stärkere Euro sowie die Wirtschaftsflaute tragen ihren Teil dazu bei. Dann der Irak-Krieg mit der Mobilisierung der amerikanischen Soldaten sowie die Boykott-Bewegung in den USA gegen alles Französische - wegen der Anti-Kriegs-Politik des Präsidenten Jacques Chirac. Dazu weiterhin die Angst vor dem Fliegen wegen der Anschläge des 11. September 2001 und immer neuer Terror- Drohungen.

Gelassenheit in Frankreichs Kapitale

Panik ist in einer Metropole, die selbstbewusst in sich ruht, aber nicht angesagt. Die Tourismus-Verantwortlichen machen sofort auch auf die Tatsache aufmerksam, dass die vergangenen Jahre besonders "fette" waren. Und Jean-Marc Janaillac arbeitet bereits an Strategien, um die Rückkehr der Amerikaner und Japaner anzukurbeln: "Wir müssen alles daran setzen, dass die Touristen bestens betreut werden und damit das Image der Stadt bei den Ausländern verbessern." Den Rest wird die stolze Schöne mit den weltbekannten Monumenten dann selbst besorgen.

DPA

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