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Party-Urlaub am bulgarischen Sonnenstrand: Auf allen Vieren nach Hause

Sonne satt, billiges Bier und Party bis zum Umfallen - der bulgarische Sonnenstrand ist ein Eldorado für junge Urlauber. Doch die Tourismusmanager vor Ort wollen umsteuern.

Von Milena Mileva

Das Wort sagt alles: Sonnenstrand. Gemeint ist eine sichelförmig gebogene Bucht am Schwarzen Meer, sieben Kilometer lang, im Osten Bulgariens. Feiner, weicher Sand, klares Wasser, wolkenloser Himmel - und im Hintergrund erhebt sich das Balkangebirge. Eine traumhafte Lage, die schon zu Zeiten des Ostblocks tausende Urlauber anlockte, vornehmlich aus der DDR.

Inzwischen ist der Sonnenstrand eine einzige, große Partyzone geworden. Die ersten drei bulgarischen Worte, die ein Tourist lernt, sind: "Dobar den" (Guten Tag), "edna bira" (Ein Bier, bitte) und "plaschtam" (bezahlen). Und beim Bezahlen muss niemand rot anlaufen - die Preise sind beinahe konkurrenzlos günstig. Zwei Cocktails zum Preis von einem - 3,00 Euro. Ein kleines Bier, 0,3 Liter, kostet 0,60 Euro, das große etwa 1,20 Euro. Ein Essen inklusive Getränken ist für ungefähr 10 Euro pro Person zu haben. Disko-Musik gibt's umsonst, laut und reichlich.

Teenies wollen die Sau rauslassen

So lieben es junge deutsche Pauschaltouristen, die hier zwischen Juni und September in Scharen einfallen. Der Reisekonzern Neckermann bietet spezielle "Abi-Tours" an, also preiswerte Urlaubspakete für Teenies, die nach dem Schulabschluss mal richtig die Sau rauslassen wollen: eine Woche Sonnenstrand, all inclusive, für knapp 400 Euro. "Das Interesse an der Schwarzmeerküste ist so groß, weil unsere Resorts Preise bieten, die ähnlich oder sogar günstiger sind als in Griechenland oder der Türkei ", sagt Elena Ivanova, Vorsitzende der Union der Sonnenstrand-Eigentümer zu stern.de.

Der Nachteil: Die Küste ist fast vollständig mit Bettenburgen zugebaut und die Feierwut der Touristen nimmt groteske Formen an. Beliebt sind sogenannte Pubcrawls (organisierte Sauftouren), die bis spät in die Nacht dauern. Nicht selten lässt sich am frühen Morgen beobachten, wie die Teilnehmer auf allen vieren versuchen, wieder nachhause zu kommen. Selbst Prostituierte spotten über diese Partyopfer - weil sie zu nichts mehr fähig sind, sich aber kinderleicht beklauen lassen. Die Pubcrawls wurden so exzessiv, dass sich die lokalen Behörden gezwungen sahen einzuschreiten. Inzwischen sind nur noch Gruppen bis maximal 195 (!) Personen erlaubt - die sich zusätzlich in zwei kleinere Gruppen aufteilen müssen. Die nächsten zwei Wörter - "blagodaria" (Danke) und "zapoviadaite" (Bitte, kommen Sie rein) - sind schnell gelernt.

Bulgarien sorgt für neues Image

Wer sich am nächsten Nachmittag noch rühren kann, entspannt am Strand, am Hotel-Pool oder bei Sport und Spiel. Es gibt am Sonnenstrand nichts, was es nicht gibt: Segeln, Surfen, Boote fahren, Angeln, Jetski, Fallschirmsegeln, Reiten, Tennis, Bogenschießen, Minigolf, Radfahren, Bowling. Betuchtere mieten eine Yacht für einen Trip zur Türkei (Istanbul), Russland, Georgien oder zum Mittelmeer.

Dass sich mit Party-Touristen schnelles Geld machen lässt, aber der Ruf der Region auf Dauer leidet, ist den Verantwortlichen inzwischen klar. Sie versuchen, außerhalb der Hochsaison ältere und besser verdienende Touristen anzuziehen. Sechs von zehn Golfplätzen am schwarzen Meer sind in Bulgarien. Und wer Lust hat, reitet danach auf einem Esel ins Gebirge, lässt sich im Nostalgie-Kostüm fotografieren oder kutscht mit einem Mini-Zug zum Hotel.

Johannes der Täufer lockt Pilger

Auch die Kultur soll nicht mehr zu kurz kommen. "Mit vielen Heilquellen und antiken Kulturstätten bietet Bulgarien auch Wellness oder Bildungsurlaub", sagte Iwo Marinow, stellvertretender Wirtschaftsminister Bulgariens, zu stern.de. Zu finden sind die natürlichen Heilquellen in Pomorie, am Goldenen Strand und in Albena. Jüngstes Ziel der Tourismusmanager ist es, auch Pilger anzuziehen. Das antike Sozopol, Geburtstätte von Johannes dem Täufer, soll das "neue Jerusalem" werden. Ende Juli 2010 wurde bei Ausgrabungen in einem Kloster auf der Insel St. Iwan eine Urne mit menschlichen Überresten entdeckt - ein Zahn, Teile einer Hand, eines Fußes und eines Kiefers. Experten meinen, es handele sich um Überreste von Johannes dem Täufer. Eine Kirche in Sozopol, unweit des Sonnenstrandes, soll die Reliquien ausstellen.

Aber ehrlich: Es ist noch ein langer Weg, bis am Sonnenstrand Bücherstapel zu sehen sein werden. Bislang wird er von Trinkhalmen dominiert. Wer jung ist und feiern will, ist hier goldrichtig. Die anderen nicht.

Mitarbeit: Lutz Kinkel
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