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Tourismus: Urlaub in der Krise wird kürzer und billiger

Die Touristikwirtschaft muss sich nach Ansicht des Freizeitforschers Prof. Horst W. Opaschowski 2003 auf ein weiteres schwieriges Jahr einstellen. Urlaub darf nicht mehr so viel kosten.

Trotz Irak-Krise und Konjunkturflaute scheint es für die arg gebeutelte Tourismus-Branche Hoffnung auf ein gutes Reisejahr zu geben. "Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen", verkündete der Freizeitforscher Horst Opaschowski am Mittwoch in Hamburg bei der Vorstellung der BAT-Tourismusanalyse. Wie im Vorjahr haben der Studie zufolge fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) feste Reiseabsichten für 2003. Nur allzu viel Geld wollen die Deutschen für den Urlaub nicht mehr ausgeben: Der Trend geht zu immer kürzeren Reisen.

Touristen haben Kurzzeitgedächnis

"Wieder einmal bestätigt sich eine touristische Erfahrung: Touristen haben ein chronisches Kurzzeitgedächtnis", erklärte Opaschowski. Nach einer längeren Phase der Problemgewöhnung setze die Nachfrage bald wieder ein. Trotz knapper Haushaltskassen gilt offenbar weiterhin: Urlaub ist für die meisten Bundesbürger ein Muss. "Die Zeiten allerdings, in denen die Deutschen grenzenlos verreisen und grenzenlos Geld ausgeben konnten, sind vorbei", betonte der Forscher.

Lieber kürzer, statt gar nicht

Sowohl bei der Länge der Reise als auch bei den Ausgaben am Urlaubsort wird mittlerweile deutlich mehr gespart. Der Anteil an kürzeren Reisen steigt, die Zahl von zwei Wochen und längeren Pauschalreisen wurde dagegen geringer. Darauf müssten sich die Reisekonzerne einstellen. Die konjunkturelle und weltpolitische Unsicherheit wirke sich vor allem auf Flugreisen aus, mit denen Reisekonzerne wie TUI und Thomas Cook bislang den Großteil ihres Geschäftes machen.

Besonders Senioren wollen sparen

Diesen Trend bestätigte eine am Mittwoch veröffentliche Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Dresdner Bank: Demnach will fast jeder dritte Deutsche in diesem Jahr weniger Geld für Reisen ausgeben, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch berichtete. Vor allem ältere Deutsche wollen beim Reisen sparen, in der Altersgruppe der 50 bis 59-Jährigen gar 44,8 Prozent. Damit dürften auf die Reisebranche in diesem Jahr gravierende Verluste zukommen, vermutet das Blatt.

Spontane Buchungen

Sehr viel optimistischer gibt sich dagegen Opaschowski. Auf die Touristik komme lediglich eine Phase der Normalisierung zu: "Statt wie gewohnt von Rekord zur Rekord zu hasten, heißt es eher, auch mit geringeren Wachstumsraten zufrieden zu sein", erklärte der Tourismusexperte. Das Reisejahr 2003 werde zudem stärker als je zuvor von Flexibilität geprägt sein, warnte er: "Von Frühbuchungen und Langzeitpolstern kann die Branche nur träumen", hieß es. "Immer mehr Bundesbürger werden ihren Urlaub erst wenige Wochen vor Antritt der Reise buchen."

Spanien wieder der große Verlierer

Bei den bevorzugten Reisezielen wird wie bereits in den Jahren zuvor Spanien, das bisherige Lieblingsurlaubsland der Deutschen, der große Verlierer sein. Nur noch 13,1 Prozent der Bundesbürger wollen in diesem Jahr nach Spanien, 0,8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Auch Österreich hat stetig an Anziehungskraft verloren. Erstmals wurde das Alpenland bei den Reiseabsichten 2003 von der Türkei eingeholt. Beide teilen sich mit 6,1 Prozent den dritten Platz hinter den beliebtesten Auslandsreisezielen Spanien und Italien.

Italien und Kroatien gewinnen

Die großen Gewinner sind neben der Türkei Italien und Kroatien. Kroatien profitiert laut Opaschowski vor allem von den niedrigen Preisen. Italien wird 2003 mit voraussichtlich 10,1 Prozent der deutschen Urlauber immer näher an den großen Konkurrenten Spanien heranrücken.

Deutschalnd verliert in der Gunst

Wenig Grund zur Freude haben die innerdeutschen Reiseziele. Im vergangen Jahr wollten erneut weniger Deutsche im eigenen Land verreisen (32,8 Prozent im Gegensatz zu 34,4 Prozent im Vorjahr). Lediglich die Ferienregionen an der Ostsee und in Bayern konnten ihre Spitzenpositionen ausbauen.