HOME
präsentiert von:

Stern Logo Ratgeber Outdoor

Outdoor-Jacken: Wie viel Schutz ist noch Grün?

Schon heute kann wetterfeste Bekleidung ohne umstrittene PFC-Chemikalien hergestellt werden, sagt Manfred Santen, Leiter der Detox-Kampagne von Greenpeace. Aber was darf der Verbraucher von solchen Jacken erwarten?

Von Klaus Dahlbeck

Nahaufnahme einer Outdoor-Jacke

Die Tücke steckt im Detail: Wie bleibt man bei Wind und Wetter gut geschützt auch ohne schädliche Chemikalien?

„Wir haben uns schon vor vielen Jahren gefragt, ob unsere Produkte wirklich eine so hochtechnische Ausstattung benötigen, dass auch Teilnehmer einer Polarexpedition damit perfekt ausgerüstet sind“, sagt Aiko Bode. Der gelernte Biologe ist Manager des Ausrüsters Fjällräven und dort verantwortlich für den Bereich Nachhaltigkeit. Schon 2009 entschied sein Unternehmen auf PFC zu verzichten, denn „unsere Produkte sind für Naturgenießer gemacht, nicht für Extremsportler.“

PFC steht für per- und polyfluorierte Chemikalien. Über 800 Varianten dieser Stoffgruppe gibt es. Sie entstehen ausschließlich im Labor und kommen in der Natur nur deshalb vor, weil der Mensch sie dorthin gelangen lässt. Genau das aber ist gefährlich. PFC baut sich nicht ab und nistet sich überall dauerhaft ein. Auch im Trinkwasser, in schlecht belüfteten Räumen und in der Nahrung. So gelangt es in den Körper von Mensch und Tier, macht sich in Blut und Organen breit. Einige PFC-Verbindungen werden inzwischen vom Umweltbundesamt als giftig und krebserregend eingestuft und kaum noch verwendet, bei anderen stehen verlässliche Untersuchungsergebnisse noch aus.
Jacken mit Teflon-Effekt

Warum setzt die Industrie aber überhaupt auf PFC?

Nicht nur in Outdoor-Jacken, sondern auch in Lebensmittelverpackungen, Teppichen, Kochgeschirr, Autos? Es ist der Teflon-Effekt, der PFC so attraktiv macht, dass damit so viele Materialien beschichtet werden. Nicht nur Wasser perlt ab, auch Fett und Schmutz bleiben nicht haften.

Aber brauchen Wanderer oder Skifahrer tatsächlich Jacken, die auch Fett und Schmutz abhalten? Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace verneint das energisch. Mit dem anwenderspezifischen Nutzen einer Jacke habe das nichts mehr zu tun, sagt er. Aber der Verbraucher ist verwöhnt. Ausrüsterfirmen berichten von Kunden, die ihre Outdoor-Hose reklamieren, nur weil sie gewaschen werden muss und der Dreck nicht einfach durch Abklopfen abfällt.

Expeditionen nur mit PFC-freier Kleidung

„Die Leistungsfähigkeit einer Jacke mit PFC ist eine andere als ohne PFC. Aber ich betone ausdrücklich, eine ‚andere‘, nicht eine ‚bessere‘,“ sagt Aiko Bode. Nach seiner Ansicht hat die Outdoor-Branche in der Vergangenheit mit PFC „eine Art eierlegende Wollmilchsau“ kreiert, die nicht mehr nur den eigentlichen Zweck erfüllen soll, nämlich Regen und Wind abhalten, sondern auch noch Öl und Schmutz abweisen und befindet: „Wenn man Jacken ohne PFC herstellen kann, die den eigentlichen Zweck gut erfüllen, dann sollte man die Möglichkeit auch nutzen.“

Greenpeace setzt bei seinen Expeditionen nur noch PFC-freie Kleidung ein. Dabei haben die Umweltschützer sowohl mit Fjällräven gute Erfahrungen gemacht, als auch mit Páramo, Rotauf und PYUA. Denn alternative Beschichtungen zur Wasserabweisung ohne den Einsatz von PFC sind auf der Basis von Silikon, Wachs oder Kunstharzen schon heute realisierbar. Silikon kann zwar in gewissen Fällen problematisch sein, sagt Santen, aber es ist in jedem Fall besser abbaubar als PFC.

Öko-Label für Textilprodukte

Oft ist allerdings der Ausgangsstoff das Problem. Polyester, Baumwolle und Polyamid lassen sich nicht mit jedem Material gleich gut wasserabweisend beschichten. Da muss nach Santens Einschätzung noch viel ausprobiert und entwickelt werden: „In dieser Phase stecken gerade viele Firmen, und ich denke, schon in einem Jahr werden wir viele neue Produkte auf dem Markt sehen, die PFC-frei und leistungsfähig sind.“
Da gute Umweltverträglichkeit für die Käufer funktioneller Outdoor-Bekleidung ein immer wichtigeres Auswahlkriterium geworden ist, sucht die Textilbranche nun auch gemeinsam nach Lösungen. Viele Ausrüster sind mittlerweile bluesign beigetreten, eine Art Öko-Label für Textilprodukte, das nachhaltig und umweltfreundlich hergestellte Produkte kennzeichnet. Eine hilfreiche Orientierung für den Verbraucher.