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Outdoorkleidung: Endlich raus

Moderne Outdoor-Jacken sollen ganz ohne schädliche Chemie auskommen.

Von Klaus Dahlbeck

Beim Wandern ist die richtige Outdoorkleidung wichtig

Wie bleibt man bei Wind und Wetter gut geschützt auch ohne schädliche Chemikalien? Die Outdoorbranche arbeitet an Lösungen.

Sitzbezüge, Pfannen oder Pizzakartons – sie alle haben etwas gemein mit Outdoorjacken: In ihnen stecken per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Die langlebigen chemischen Verbindungen werden überall dort eingesetzt, wo Wasser, Schmutz und Fette abgewehrt werden sollen.

Das erste Problem: PFC kann in der Natur nicht abgebaut werden. Das zweite Problem: PFC besitzt laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace eine gesundheitsschädigende Wirkung, kann Krebs verursachen und ist daher schon aus vielen Herstellungsprozessen verbannt. Aber eben noch nicht aus allen, wie Manfred Santen, Chemie- Experte bei Greenpeace, kritisiert.

Schon vor einigen Jahren rüttelte Greenpeace die Outdoorbranche mit der Meldung auf, dass die Jacken vieler Hersteller voller PFC stecken. Nach und nach reagieren jetzt die Unternehmen: Viele Ausrüster wollen sich vom PFC verabschieden, unter ihnen auch Schöffel, ein Familienunternehmen aus Süddeutschland. Dort will man laut Geschäftsführer Peter Schöffel bis 2020 komplett PFC-frei sein.

Große Herausforderung für die Hersteller

Eine schwierige Aufgabe, vor allem wegen der geforderten Qualität. "Nur eine wetterfeste Jacke zu machen, die PFC-frei ist, aber nach kurzer Zeit ihren Schutz verliert, würde für uns als Marke nicht funktionieren", so Schöffel.

Doch Greenpeace-Mann Santen beteuert, dass es schon jetzt ohne PFC gehe. Die Umweltaktivisten haben im Jahr 2015 Expeditionen in entlegene Gebirgsregionen geschickt, die dabei PFC-freie Bekleidung des britischen Ausrüsters Páramo trugen – und keine Leistungseinbußen bei den Jacken feststellten, wie Santen versichert. Er bezieht sich dabei allerdings auf dauerhaften Schutz vor Regen und Wind. Schmutz- und Ölabweisung gehören nicht dazu.

Beim Textilproduzenten W. L. Gore will man es genau wissen. Bernhard Kiehl, Leiter des Nachhaltigkeitsprogramms, ließ Bergführer mit Jacken ausstatten, die zur einen Hälfte aus PFC-freien und zur anderen aus kurzkettigen PFC-haltigen Textilien bestanden. Das Ergebnis: Die PFC-freien Textilien verloren viel schneller ihre wasserabweisende Funktion. "Unsere Erklärung ist, dass Belastungen mit alltäglichen fetthaltigen Substanzen die oberste Schicht der Jacke schwächen. Ein Blick aufs Smartphone reicht, um festzustellen, wie schnell das Display mit Schmier überzogen ist."

Auch die skandinavische Firma Fjällräven hat sich der Sache angenommen. Doch ihr Beispiel zeigt, dass die Angelegenheit nicht nur wegen der hohen Qualitätsansprüche schwer lösbar ist. Auch die Kontrolle ist schwierig. Selbst in offiziell PFC-freier Kleidung fand Greenpeace messbare Mengen der Chemikalien.

Für Manfred Santen liegt die Schuld dafür bei den verzweigten Produktionsprozessen der Textilindustrie. Die meisten Ausrüster lassen in Asien herstellen; auch mit bestem Willen ist es nur sehr schwer möglich, alle Vorgänge unter Aufsicht zu halten. Stoffhersteller, Näher, Färber – jede produktionsbeteiligte Ebene muss eingebunden sein. Ein immenser Aufwand für die Unternehmen.

Der Kunde erwartet schadstofffreie Kleidung

Trotz der Schwierigkeiten und auch wenn in anderen Industrieprodukten viel stärker auf PFC gesetzt wird als in der Outdoorbranche – gerade die Kunden von Funktionstextilien erwarten, dass ihre Kleidung schadstofffrei ist. Der Bergsteiger Andi Schreilechner sagt: "Wir Alpinisten lieben es, in unberührter Natur unterwegs zu sein. Da ist es doch nur logisch, dass wir keine Kleidung tragen wollen, die die Natur gefährdet."

Schreilechner leitet ein Textilunternehmen in München, das mit einer Kollektion unter dem Namen "Hyphen" alles das verwirklicht, was Schreilechner wichtig ist. Kein PFC in der Kleidung, alles in Europa hergestellt sowie am eigenen Leib getestet.

Es könnte Greenpeace gelingen, mit dem Kampf gegen belastete Outdoorjacken mehr Aufmerksamkeit für das große Thema PFC zu wecken. Peter Schöffel sagt: "Eine Outdoorjacke ist wie ein guter Freund, mit dem man schon viel erlebt hat. Ein sehr emotionales Produkt."