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Trekking-Food: Rezepte für die Wildnis

Für das Menü unter freiem Himmel muss der Abenteurer auf keinen Luxus verzichten, vom Boeuf Stroganoff bis zum Rotwein wird fast alles in Pulverform transportfähig gemacht.

Von Jochen Affeldt

Outdoor-Trockennahrung am Haken

Die große Auswahl beim Ausrüster: Trockennahrung am Haken

Wer eine ausgesetzte Wildnistour plant, der befindet sich schnell im Dilemma. Genug zu essen für die ganze Tour soll im Rucksack landen, aber zuviel auf dem Buckel ist auch nicht gut. Beim Packen kommt die Wahrheit: "Oh Gott - ist das schwer!" Also raus mit dem gewichtigen Zeug. "Wir werden verhungern!" Wieder rein mit den Lebensrettern. So etwas kann Tage dauern. "Fress-Pack"-Neurose nennen das erfahrene Outdoor-Veteranen.

Gute Nahrung auf Trekkingtouren ist wichtig. Nur zu schnell wird man fernab der Zivilisation auf die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers reduziert. Und der will versorgt werden, sonst geht er in die Knie. Gefriergetrocknetes Essen lautete die Lösung für die Gewichtsprobleme des Rucksacks. Nahrung, die man in der freien Wildbahn mit Wasser schnell anmischt oder aufkocht.

Leicht auf dem Rücken, schwer auf den Rippen

In der Globetrotter-Filiale in Hamburg-Barmbek findet sich die Outdoor-Wundernahrung in großer Vielfalt. Von "Müsli Schweizer Art mit Milchpulver", über getrocknete Fleischsnacks "Beef Jerky", Brot aus der Dose, "Pemmikan"-Zusätze, getrocknete Kartoffelscheiben, Reis, Nudeln und Bundeswehrkeksen bis hin zu allerlei Fertiggerichten. Alles kohlenhydrathaltige Fliegengewichte, leicht und kompakt im Rucksack zu verstauen.

Bernd Neukirchner, der Ernährungsexperte bei Globetrotter, rechnet für eine 10-Tage-Tour vor: Eine Packung "Outdoor-Essen" braucht man pro Person und Tag. Gewicht rund 250 Gramm. Macht pro Mann und für zehn Tage rund zweieinhalb Kilogramm. Dazu kommen noch die kleinen Snacks über den Tag und das Müsli am Morgen. Mit dem Inhalt des heimischen Kühlschranks lässt sich das nie und nimmer machen. Neukirchner hat sogar Outdoor-Cheeseburger in seinem Verkaufsregal. Im Wasserbad erhitzt, poppt er im Basiscamp als portables Junkfood aus der Dose. Aber braucht man das? Was will unser Körper denn eigentlich?

Eine Maschine, die gefüttert werden will

Ein bisschen Fachwissen zum Herumprahlen im Basiscamp: Unser Körper verlangt zunächst einmal Kohlenhydrate. Sie verbrennen bereits zu 40 Prozent in Ruhe und bis zu 100 Prozent bei Belastung. Wenn der Körper sie abrufen will, stehen im Blut gelöster Zucker und Glukose als Energieversorgung für Zellen und Muskeln bereit. Aber unter Belastung muss man den Treibstoff schnell nachfüttern.

Fette will der Körper haben. Neben dem Aufbau von Zellstrukturen und als Trägersubstanz für Vitamine sind pflanzliche und tierische Fettsäuren für den Energiestoffwechsel wichtig. Bis zu 15 Prozent der Nahrung sollten Eiweiße sein. Mit Schweiß und Harn verbraucht man viel von dem Muskelaufbaustoff. Gute Lieferanten sind Milch- und Fischprodukte sowie Hülsenfrüchte.

Pemmikan

Leicht, lange haltbar und energiereich: Pemmikan, ein Konzentrat aus Rindfleisch, Speck, Weizen, Bambus, Kräutern, Fett und verschiedenem Gemüse


Richtige kleine Wundermittel sind die Vitamine. Sie wirken im ganzen Körper wie Hormone und Antioxidantien, unerlässlich für die gesamte Funktionsweise unseres Körpers. Mineralstoffe zeichnen verantwortlich für Knochen, Zähne, Muskeln und als Bauteile von Enzymen. Elektrisch geladen sind sie bei physiologischen Vorgängen unverzichtbar. Wer schwer beladen den Berg empor klettert, wird besonders Eisen, Kalzium, Zink und Chrom nachtanken müssen. Für die richtige Verdauung braucht man Belaststoffe. Zum Frühstück also Müsli.

Das Elixier des Lebens

Aber am wichtigsten ist ein Stoff, ohne den uns sehr schnell das Licht ausgeht: Wasser. Der ultimative Baustein unseres Körpers. Jeder Mensch besteht bis zu 60 Prozent daraus. Bei einem 70 Kilogramm schweren und 30 Jahre alten Mann sind es umgerechnet 42 Liter.

Der Stoff verflüchtigt sich leider allzu schnell: Zwei Liter verlassen den Körper täglich als Harn. Wer Durchfall bekommt, kann bis zu acht Litern in 24 Stunden verlieren. Auf einer anstrengenden Trekkingtour machen sich mit dem Schweiß rund zwei Liter pro Stunde davon. Bis zu sechs Litern am Tag atmet man bei trockener Kälte und großer Höhe einfach aus. Bekommt der Körper zu wenig Wasser, dann gibt es schnell Probleme: Rasche Ermüdung und vorzeitige Erschöpfung, lokale Erfrierungen und Thrombosen, Embolien, Nierensteine und letztlich ein Kollaps können die Folge sein.

Die alpinistische Sportphysiologie empfiehlt, den Outdoor-Speisezettel so abwechslungsreich wie möglich zu halten - am besten durch kohlenhydratreiche Mischkost. Jeden Morgen, vor dem täglichen Beginn des Wanderabschnitts, sollte man ohne Zeitdruck ein leichtes Frühstück mit viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Alle zwei Stunden ist eine Rast mit essen und trinken angesagt. Sofort nach der Tour wird nur eine kleine Mahlzeit eingenommen, aber viel getrunken. Erst eine Stunde nach Ende der Tour erfolgt die Hauptmahlzeit des Tages. Jetzt wird ausgiebig und lange gegessen. Und wieder viel Flüssigkeit zu sich genommen.

"Man isst und trinkt nicht am Berg, um den Hunger und Durst zu stillen", sagen Holger Förster und Franz Bergholt im österreichischen Leitfaden zur Bergsporternährung, "sondern um die Leistungsfähigkeit zu erhalten." Keine noch so ausgeklügelte Nahrung wird die eigene Leistungsfähigkeit verbessern, aber zu wenig an Energie leert die Batterien extrem schnell. Fitness ist der Schlüssel zum sparsamen Energieumsatz unseres Körpers.

Hoch die Tassen

Zurück am Globetrotter-Regal: "Batida de Coco Creme" hängt da in silberner Vakuum-Tüte. Experte Neukirchner schätzt das "Indische Reisgericht" und auch das "Curryhuhn". Sein absoluter Favorit aber ist "Mousse au Chocolat".

100 Milliliter Rotwein

100 Milliliter Genuss unterwegs: Ein Portion Rotwein aus der der Einwegpackung


Dummes Zeug? Geschmacksstoffe, so hat sich gezeigt, sind absolut keine Nebensache. Sie sorgen für den notwendigen Appetit, der sich gerade bei harten Touren oft geringer zeigt, als der tatsächliche Bedarf fordert. Wenn's lecker ist, dann nimmt man eher nach und tankt den Körper lustvoll wieder auf.

Wer weiß, vielleicht hilft uns bald auch "bewusstes" Essen besser über den Berg. Noch aber gibt es kein Bio-Globetrotter-Lunch, der aktuelle Ernährungstrend deutet aber die Zukunft schon an. Bis dahin kaufen wir ganz was Anderes. "Hier haben wir einen echten kleinen Tröster aus der Tasche, wenn das Wetter mal so richtig fies war", schmunzelt Neukirchner und zieht eine Wundertüte mit Aufschrift "Alkoholhaltiges Heiss-Getränkepulver mit Rotweinextrakt" vom Haken. Ein Hoch auf die Dehydrationstechnik unserer Tage: ein getrockneter Rotwein als Tütenpulver mit 8,2 Prozent Alkohol.

"Wer nur Wasser trinkt hat etwas zu verbergen." hat Charles Baudelaire, der französische Dichter einmal gesagt. Wir aber sind ehrbare Wandersleut' und endlich richtig ausgerüstet für die Wildnis da draußen. Zum Wohl.

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