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Schweiz in 2200 Metern Höhe Dieser Tandemflug ist nichts für schwache Nerven

Das Rhone-Tal. Am Fuße des Eggishorns liegt im Kanton Wallis dieses grüne Idyll. Und weil es hier so groß ist, werde ich es mir von oben anschauen - bei einem Gleitschirmflug. Was muss ich dafür tun? Für wen ist der Flug eigentlich gedacht und was genau erwartet mich? Das will ich auf der 2200 Meter hohen Fiescheralp herausfinden. Doch ich fliege natürlich nicht alleine. Ein alter Flughase steht mir zur Seite. Ein Mann, der seit 2008 fast jede Woche fliegt.



NICKY CHEE-HOI WONG: Neben mir steht jetzt der Jan. Jan ist mein Tandempartner...Ich habe keine Ahnung vom Paragliden. Was muss ich beachten?


JAN STERREN: Also grundsätzlich musst du gar nichts beachten. Ich werde dir jetzt bei den Vorbereitungen alles genau erklären, wie das alles läuft. Das wird alles von alleine gehen.



NICKY CHEE-HOI WONG: Das heißt: Es kann hier wirklich jeder fliegen?


JAN STERREN: Jung bis alt. Es gibt keine Grenzen.


NICKY CHEE-HOI WONG: Dann würde ich sagen: Wir bereiten uns mal vor.


JAN STERREN: Das würde ich auch sagen.


Der Helm sitzt, der Schirm ist aufgespannt, die Panik kommt hoch. An der Stelle muss ich mich doch noch mal etwas beruhigen.



NICKY CHEE-HOI WONG: Wie viele Flüge hast du gemacht?


JAN STERREN: Ich habe mittlerweile 1200 Flüge und 1400 Stunden.


NICKY CHEE-HOI WONG: Da fühle ich mich sicher.



JAN STERREN: Kannst du.


Jan trifft letzte Vorbereitungen und dann sind wir bereit.


NICKY CHEE-HOI WONG: Was sagt das Wetter? Was meinst du?


JAN STERREN: Heute haben wir etwas Westwind, das ist aber nicht schlimm. Wir können fliegen.


NICKY CHEE-HOI WONG: Wann kann man hier nicht fliegen?


JAN STERREN: Wenn es zu viel Wind hat. Wenn der Wind zum Beispiel von hinten kommt. Wenn es regnet, Gewitter aufziehen. Aber vor allem: Wenn es viel Wind hat.


Doch wir haben Glück. Das Wetter spielt mit und dann geht es endlich los. Was nicht fehlen darf: Der Swiss Kiss, wie die Piloten dieses Manöver scherzhaft nennen. Dabei berühren sich zwei Schirme - und das in hunderten Metern Höhe. Je nach Wind und Wetter kann man stundenlang in der Luft bleiben. Wir haben heute keinen Aufwind. Deshalb sind wir schon nach knapp 13 Minuten wieder auf dem Boden. Bevor der Flug vorbei ist, zeigt mir Jan aber noch etwas Akrobatik...erst geht es nach links...dann nach rechts...und plötzlich sind wir kopfüber...

NICKY CHEE-HOI WONG: Das war ganz großes Tennis. Einfach super. Ich würde da niemanden runterschicken, der Höhenangst hat. Ich glaube, es gibt nicht schlimmeres als eine Panikattake in hunderten Metern Höhe. Für alle anderen ist das einfach hervorragend. Das Gute ist: Man braucht wirklich keine Vorkenntnisse. Hier kann wirklich jeder runterspringen. Ob jung oder alt, groß oder klein. Jeder kann mitmachen. Einziger Wermutstropfen ist das Wetter. Wenn es regnet oder zu windig ist oder die Thermik nicht stimmt, geht hier keiner runter. Wir hatten heute Glück. Wir mussten etwas warten, aber dann ging’s los. Und ich bin darüber wahnsinnig glücklich. Ich brauch’ jetzt erstmal einen Drink.
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Im Rücken der Aletschglescher, vorne das Rhone-Tal: stern-Reporter Nicky Wong lässt sich in der Schweiz per Gleitschirm durch die Lüfte fliegen. Schnell merkt er: Das ist gar nicht so ohne.

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