Spanien-Urlaub Abgabe für die Umwelt


Nach dem Scheitern der Mallorca-Steuer schmiedet die spanische Regierung offenbar neue Pläne, um Touristen zur Kasse zu bitten. Eine Öko-Taxe soll dem Umweltschutz dienen.

Gut ein Jahr nach der Abschaffung der heftig umstrittenen "Mallorca-Steuer" schmiedet Spanien neue Pläne für die Einführung von Tourismus-Abgaben. Die Überlegungen betreffen diesmal nicht allein die Lieblingsinsel der Deutschen, sondern das ganze Land. Die Regierung will den Weg dafür freimachen, dass alle Regionen in Spanien von Urlaubern eine "ecotasa" (Öko-Taxe) erheben können.

Madrid arbeite an einem Rahmengesetz, das die Einführung regionaler Touristen-Abgaben regeln soll, berichtet eine spanische Zeitung. Die Regierung kann sich dabei auch auf die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) berufen, die den Spaniern die Erhebung von Öko-Taxen zur Verbesserung der Umwelt ausdrücklich empfohlen hat.

Schnelles Ende der Mallorca-Steuer

Mallorca und die anderen Balearen hatten im Mai 2002 auf eigene Faust eine Taxe eingeführt, die die Urlauber im Durchschnitt einen Euro pro Tag kostete. Die "Mallorca-Steuer" löste einen Proteststurm unter Hoteliers und Reiseveranstaltern aus. Die damalige konservative Zentralregierung in Madrid klagte vor dem Verfassungsgericht.Ein Jahr später wechselte in Palma die Regionalregierung. Die neuen Machthaber ließen die Taxe im Oktober 2003 wieder abschaffen. Das Hin und Her hatte auch Folgen für das übrige Spanien: Urlauberregionen, die ebenfalls mit einer solchen Taxe geliebäugelt hatten, schreckten davor zurück und legten ihre Pläne vorerst zu den Akten.

Aber die Ruhe währte nicht einmal ein Jahr. Seit dem vorigen Sommer machen sich an der Costa Brava und der Costa Dourada im Nordosten Spaniens immer mehr Touristenhochburgen dafür stark, dass die Urlauber zur Kasse gebeten werden. Auch der Verband der Kommunen von Katalonien, dem 600 Gemeinden angehören, sprach sich dafür aus.

Unliebsame Besucher

Katalonien ist in einer ähnliche Lage wie Mallorca Ende der 90er Jahre. Die Zahl der Urlauber nahm so stark zu, dass in Teilen der Bevölkerung sich eine Abneigung gegen den Zustrom breitmacht und der Tourismus zu einem Opfer seines Erfolgs zu werden droht.Dies gilt vor allem für die Regionalhauptstadt Barcelona. Seit den Olympischen Spielen 1992 verdoppelte sich die Zahl der Besucher. Mit zehn Millionen Übernachtungen im Jahr stieg die katalanische Metropole in die Gruppe der meistbesuchten Städte in Europa auf. Die Folgen: Die Bewohner fühlen sich von den Fremden aus dem historischen Zentrum ihrer Stadt verdrängt, sie klagen über steigende Preise und die "Sauftouristen".

"Tourist, you are the terrorist"

"Das Jahr 2004 markiert einen historischen Einschnitt", schreibt die Zeitung "El Periódico de Catalunya". "Zum ersten Mal wird man sich in Barcelona bewusst, dass die Flut der Besucher auch Nachteile bringt." Auf einer Häuserwand stand kürzlich ein Graffiti: "Tourist, you are the terrorist." Bürgermeister Joan Clos, bis vor einem Jahr noch ein Gegner einer Touristen-Abgabe, tritt nun für eine solche Steuer ein. "Früher oder später wird eine Taxe kommen", sagt der Sozialist. Allerdings will er sie nicht gegen den Willen der Hoteliers durchsetzen.

Hubert Kahl/DPA DPA

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