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Tourismus in der Krise: Spanienflüge sollen billiger werden

Der spanische Ministerpräsident will den Tourismus ankurbeln. Was nach einem Geldgeschenk für Fluglinien klingt, wird dem Urlauber jedoch wenig nutzen. Ungewöhnliche Maßnahmen sind gefragt.

Ein Kommentar von Till Bartels

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero weiss, wie die Tourismusindustrie seines Landes, immerhin die zweitgrößte der Welt, zu retten ist. In seiner Rede zur Lage der Nation verkündigte er, jenen Fluggesellschaften mit 240 Millionen Euro unter die Arme zu greifen, die mehr Touristen nach Spanien transportieren. Airlines, die im ersten Halbjahr 2009 mehr Passagiere als im zweiten Halbjahr 2008 nach Spanien befördern, sollen die Gebühren spanischer Flughäfen erlassen bekommen.

Was sich zunächst gut anhört, dürfte viel Lärm um nichts sein. Denn erstens vergleicht Zapatero Äpfel mit Birnen - ein durch Urlaubsflüge starkes drittes Quartal 2008 mit einer stets schwachen Saison zu Jahresbeginn. Und zweitens muss die Frage gestellt werden: Wie soll der Vorschlag in der Praxis funktionieren? Die Ticket-Preise fallen nicht automatisch. In Zeiten weltweiter Rezession erscheint es aussichtslos, dass eine Airline ihre Passagierzahlen vom Vorjahr übertreffen kann. Spanien steckt in der tiefsten Rezession seit 60 Jahren. Reisen auf die Kanaren und Balearen werden weniger gebucht: Auf Mallorca waren im Ostermonat April nur 62,9 Prozent der geöffneten Hotels belegt. Im März brachen die Passagierzahlen um 18,9 Prozent ein.

Der sonnenhungrige Tourist aus dem Norden dürfte von der Ankündigung kaum profitieren. Das Geld wird gar nicht erst unters Volk gebracht, sondern verbleibt im Staatsäckel. Eine deutsche Familie, die jetzt ihren Sommerurlaub plant, hat die Wahl, wohin die Reise geht: an den Ostseestrand, zur All-inclusive-Anlage in Antalya oder zum Cluburlaub nach Mallorca. Sie möchte ein klares Signal aus Madrid, das die Entscheidung zugunsten eines Spanienurlaubs in diesem Jahr erleichtert.

Vage Versprechungen helfen da wenig. Warum nicht während der Sommermonate die Flughafengebühren einfrieren? Dann könnten die Airlines den eingesparten Betrag an die Kunden weiterreichen. Mit einem Schlag wären Spanien-Flüge könnten preiswerter. Die private Urlaubskasse wäre aufgebessert, und Spanien könnte als ein Land dastehen, das seine Gäste mit offenen Armen empfängt. Zapatero sollte sich an Griechenland ein Beispiel nehmen. Dort haben die für Tourismus Verantwortlichen die Gebühren für Ferienflieger in der Hochsaison gestrichen, um mehr Urlauber ins Land zu locken.

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