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Inselprojekt "The World": Dubais Denkmal für Größenwahn versandet

Schon seit Jahren ruhen die Arbeiten an Dubais künstlicher Inselwelt "The World". Inzwischen setzen die Gezeiten dem Prestigeprojekt zu. Außerdem drohen die Kanäle zwischen den 250 künstlichen Inseln zu versanden.

Von Christian Kirchner

Ein bisschen neidisch war man tief im Innern ja schon immer auf den kindlichen Spieltrieb, den die Scheichs in Dubai ausleben konnten. Den höchsten Turm der Welt bauen, ein Quartett an künstlichen Inselgruppen anlegen lassen - was im Sommer am Strand von Büsum einen Heidenspaß macht, muss bestimmt auch am Persischen Golf eine Mordsgaudi sein.

Dumm nur, dass an der Konstruktion aberwitziger Sandburgen nicht jeder Gefallen findet. Brave Strandgäste bauen ihre Sandgebilde daher so, dass sie von der Flut geholt werden. So stören sie tags darauf niemand anderen, obendrein kann die Verteidigung gegen die Urgewalten des Wassers mächtig Spaß bereiten.

Letztere finden die Konstrukteure von Dubais 2003 gestartetem Projekt "The World" derzeit weniger komisch. Die Insel - das behaupten zumindest die Anwälte einer Firma, die sich um die Fährlogistik zwischen den rund 250 Inseln kümmern sollte - versinkt im Meer, die Kanäle versanden.

Seit 2009 ruhen die Bauarbeiten

Gerüchte über Probleme mit den Urgewalten der Natur gibt es seit 2006. Damals lief die Vermarktungsmaschine freilich noch bestens. Fast wöchentlich tauchten neue Meldungen über prominente Käufer bestimmter "Länder" auf. Seit 2008 gibt es keine Neuigkeiten mehr auf der Vermarktungsseite, seit 2009 ruht auch die Arbeit weitgehend.

Dass der Blick aus der Luft auf die fünf mal zehn Kilometer große Fläche im Meer inzwischen eher an das Machwerk eines Vierjährigen erinnert, Australien gevierteilt wurde, durch Afrika wohl der Hund des Strandkorbnachbarn gelaufen ist und irgendwer über Nordamerika die Schaufel abgeklopft hat, macht die scharfen Dementis des finanziell schwachbrüstigen Projektbetreibers Nakheel nicht eben glaubwürdiger.

Tatsächlich ist die wirre Konstruktion zwar Kundenwünschen geschuldet. Wann jedoch die Arbeiten wieder Fahrt aufnehmen, ist offen. Fertig werden soll die Inselgruppe 2020. Vielleicht. Ein Denkmal für Größenwahn ist sie schon jetzt.

Vertraut mit den Naturgewalten sollten auch die Helgoländer sein. Sie stimmten vergangene Woche dafür, über Aufschüttungen die Nordseeinsel um 100 Hektar zu vergrößern.

FTD
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