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Reiseforum: Second Hand statt Storno

Wenn eine geplante Reise ins Wasser fällt, ist das bedauerlich; richtig ärgerlich wird es, wenn dazu noch hohe Stornokosten anfallen. Ein neuer Online-Marktplatz macht aus der Not eine Tugend.

Von Claudia Pientka

Der Flughafen-Transfer ist gebucht, die Kamera gekauft, die Kinder geimpft - ärgerlich, wenn die Reise jetzt noch abgesagt werden muss. Umso mehr, wenn zu der Enttäuschung über das entgangene Urlaubsabenteuer auch noch hohe Stornokosten hinzukommen. Die betragen derzeit 30 bis 70 Prozent des Reisepreises, im schlimmsten Fall - ohne Reiserücktrittsversicherung - muss der Kunde für die gesamten Kosten aufkommen.

Abhilfe verspricht nun das Internet-Portal www.stornopool.de: Dort werden geplatzte Reisen feilgeboten und ermäßigt weiterverkauft. Genutzt werden kann der Online-Marktplatz von Reisebüros, Kunden und Schnäppchenjägern. Statt eine Reise zu stornieren, übermittelt das Reisebüro alle Informationen an "Stornopool"; verhinderte Urlauber können ihre Angebote aber auch selbst an das Reutlinger Unternehmen senden. Für Privatkunden ist die Dienstleistung kostenlos; Reisebüros haben die Auswahl verschiedener Partnerstufen. Die überprüften Angebote stellt Stornopool auf seine Plattform, wo sie jeder Reisewillige direkt buchen kann. Ob er sich die Unterlagen dann zuschicken lässt oder sie am Flughafen hinterlegt werden, klärt der Kunde dann selbst mit dem Anbieter.

Individueller Preisnachlass

Zwar ist nicht jedes Angebot ein Schnäppchen, reduziert sind die meisten Reisen allemal - bis zu 1000 Euro können Neubucher im "Stornopool" sparen, eben jenen Betrag, auf den der Anbieter für seine ausgefallene Reise bereit ist zu verzichten. Und auch für Reisebüros hat dieser zweite Vertriebsweg Vorteile: Storniert ein Urlauber seine Reise, muss auch die Agentur auf ihre Provision verzichten, bei einer Umbuchung darf sie sie behalten. Und sie kann dem neuen Kunden auch neue Extras anbieten: Zum Beispiel einen Mietwagen zur Second-Hand-Reise oder einen zusätzlichen Ausflug.

Kein Umtausch bei Linienflügen

Problematischer ist bisher noch der Weiter-Verkauf von Flügen: "Die meisten Linienflugtickets lassen sich nicht umbuchen", sagt Michael Frisch von "Stornopool", "nur Condor und die LTU erlauben den Austausch des Fluggastes." Sehr unterschiedlich verhalten sich Billigflieger wie Air Berlin, aber auch die Hapag Lloyd: Bei beiden kann der Passagier zwar getauscht werden, jedoch muss eine "Name-Change-Gebühr" zwischen 25 und 50 Euro entrichtet werden und der Reisegast muss den tagesaktuellen Tarif bezahlen. Da kann aus dem zehn Euro-Schnäppchen schnell ein teures Ticket werden. "Deshalb sieben wir Angebote, bei denen der Interessent überteuerte Preise zahlen müsste oder eine Umbuchung nicht möglich ist, von vorneherein aus", sagt Frisch. Noch ist das Angebot im "Stornopool" zwar übersichtlich und vor allem mit Pauschalreisen nach Spanien und Österreich bestückt, aber die Internationale Tourismus-Börse (ITB) fand den Geschäftsplan so zündend, dass sie ihn zur "besten Idee des Jahres" kürte.

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  • Claudia Pientka