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Medienbericht: Aldi will offenbar Fleisch- und Wurstpreise senken – trotz Missständen in der Fleischwirtschaft

Aldi hat laut "Lebensmittelzeitung" angekündigt, die Preise für Fleisch und Wurst zu senken. Der Discounter plant die Senkung demnach rückwirkend zum 1. Mai. 

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Der Discounter Aldi möchte den geschwächten Fleischmarkt unterstützen

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Nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" will die Supermarktkette Aldi trotz Missständen in der Fleischindustrie die Preise für Fleisch und Wurst senken. Aldi Nord und Aldi Süd planten demnach eine Verkaufspreissenkung am 29. Mai und wollten auch die Einkaufspreise rückwirkend zum 1. Mai reduzieren, berichtete die Branchenzeitung am Dienstag unter Berufung unter anderem auf ein Schreiben von Aldi Süd an die Anbieter.    

Darin verweist der Discounter demnach auf den geschwächten Fleischmarkt: "Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, diese dynamische Entwicklung sehr kurzfristig aufzugreifen und in ein attraktives Angebot für unsere Kunden umzusetzen", zitierte die Zeitung aus dem Brief. Von Aldi Nord soll es demnach ein ähnliches Schreiben geben. Beide Unternehmen äußerten sich dazu auf AFP-Anfrage am Dienstagnachmittag zunächst nicht.    

Aldi bestätigt Gespräche

Der "Lebensmittelzeitung" bestätigte das Unternehmen, mit seinen Lieferanten über eine vorübergehende Änderung des bisherigen Ausschreibungsprozesses zu sprechen. Vor dem Hintergrund starker Preisschwankungen in einzelnen Warengruppen seit Jahresbeginn werde "ein an die dynamischen Märkte angepasstes und damit flexibles, pragmatisches Vorgehen" angestrebt. Dieses solle aber gleichermaßen für sinkende wie auch für steigende Preise auf dem Markt gelten.    

Bei den Verhandlungen berücksichtige der Discounter "stets sowohl den Nutzen unserer Kunden als auch das partnerschaftliche Verhältnis zu unseren Lieferanten", erklärte das Unternehmen weiter. Fleischindustrie und Handel bewerteten und veränderten die Preise ständig im Dialog. "Dies ist lang gelebte Praxis und geschieht in der Regel in partnerschaftlichem Einvernehmen."

Kabinett beschließt schärfere Regeln in der Fleischwirtschaft

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch derweil Eckpunkte eines "Arbeitsschutzprogramms für die Fleischwirtschaft" beschlossen. Geplant sind demnach verschiedene gesetzliche Regelungen, wie ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie ab dem kommendem Jahr und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften.

Das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch in Betrieben der Fleischwirtschaft soll demnach ab 1. Januar 2021 nur noch von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. "Damit wären Werkvertragsgestaltungen und Arbeitnehmerüberlassungen nicht mehr möglich", heißt es.

Eine Kassiererin sitzt bei Aldi an der Kasse

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Subunternehmern und Sammelunterkünften mit vielen osteuropäischen Beschäftigten stark in der Kritik. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte angekündigt in der Branche "aufzuräumen". Bei einem Werkvertrag vergeben Unternehmen bestimmte Aufträge und Tätigkeiten an andere Firmen, die sich um die komplette Ausführung kümmern. Gewerkschaften befürworten ein Verbot, die Fleischwirtschaft reagiert mit scharfer Kritik.

deb / DPA / AFP
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