HOME

Änderungen: Bittere Pillen für Anleger und Sparer

Neue Finanz-Weichenstellungen für 2004 bringen Änderungen für Geldanleger: Der Staat spendiert Häuslebauern weniger und es gibt weniger Steuervorteile - aber auch neue Fondsprodukte.

Anleger, Versicherungsnehmer und Sparer müssen sich im nächsten Jahr auf eine Reihe wichtiger Änderungen bei ihrer Finanzplanung und Geldanlage einstellen. Zum Jahresbeginn 2004 werden nicht nur einige Weichen im Fondsbereich neu gestellt. Der Staat tritt dann auch den Teilrückzug aus Wohnungsbauprämie und Eigenheimzulage an. Bittere Pillen haben Bürger auch beim Neuabschluss einer Kapital-Lebensversicherung zu schlucken.

Häuslebauer bekommen weniger

Weniger spendabel als bisher ist der Staat im nächsten Jahr zu Häuslebauern. Nach langem Hin und Her bleibt die Eigenheimzulage zwar jetzt weiter bestehen. Die staatliche Förderung fällt allerdings um insgesamt 30 Prozent kleiner aus. Wer bauen oder Immobilien kaufen will, kriegt jetzt acht Jahre lang nur noch höchstens 1.250 Euro jährlich für Alt- wie Neubauten zugeschossen. Bisher gab es 1.278 Euro Grundzulage pro Jahr bei Altbauten und 2.556 Euro bei Neubauten. Die Kinderzulage steigt ab 2004 von 767 auf 800 Euro. Die Einkommensgrenzen werden von bislang 82.000 (für Ledige) und 164.000 (Ehepaare) auf 70.000 respektive 140.000 Euro heruntergefahren. Pro Kind kommen 30.000 Euro dazu.

Auch Wohnbauprämie schrumpf

Auch die Wohnungsbauprämie, die einen Bausparvertrag ordentlich aufpeppen konnte, schrumpft. Bisher kriegten Bausparer eine Förderung von 10 Prozent des jährlich eingezahlten Betrags - höchstens 51,20 Euro für Ledige, 102,40 Euro für Verheiratete. Jetzt sinkt der Zuschuss auf 8,8 Prozent ab. Maximal gibt es also noch 45,06 Euro beziehungsweise 90,11 Euro vom Staat dazu. Die Einkommsgrenzen bleiben gleich (Singles: 25.600 Euro, Ehepaare: 51.200).

Klassische Kapitallebensversicherung

An den Kragen geht es 2004 auch der klassischen Kapitallebensversicherung. Der Garantiezins für neue Verträge sinkt von 3,25 auf den historisch niedrigen Stand von 2,75 Prozent. Wer sich ab Januar auf einen Neuabschluss einlässt, zahlt höhere Beiträge bei gleicher Versicherungssumme, wie die Stiftung Warentest zu bedenken gibt. Altkunden bleiben von der Kürzung verschont. Zukünftig wird es Verträge mit verschiedenen Zinssätzen (4 und 3,5 sowie mit 3,25 und 2,75 Prozent) geben. Für Neuverträge ab 2005 soll dann auch noch der Steuervorteil ersatzlos wegfallen.

Hedge-Fonds: Neu, aber riskant

Mit Jahresbeginn steht Privatanlegern eine zusätzliche Investitionsmöglichkeit offen. Eine neue Fondsart, die so genannten Hedge-Fonds, kommen auf den Markt. Aber aufgepasst: Die Anlage ist riskant. Wer einsteigt, muss mit dem Totalverlust rechnen, wie die Verbraucherzentrale Sachsen warnt. Der Gesetzgeber gibt vor, dass diese Fonds nicht öffentlich vertrieben oder beworben werden dürfen. Der Kunde muss beim Bankberater gezielt nachfragen. Nur ausreichend ausgebildete Fachleute dürfen die Produkte verkaufen. Hedge-Fonds gelten lediglich für risikobereite Anleger mit Erfahrung im spekulativen Bereich als geeignet - und dann auch nur als Depotbeimischung in kleinerem Umfang.

Geschlossene Fonds weniger lukrativ

Wer in geschlossene Fonds einsteigen will, sollte wissen: Künftig ist die sofortige Abzugsfähigkeit der Werbungskosten bei dieser Anlageform nur noch unter bestimmten Voraussetzungen und Höchstgrenzen möglich. Dadurch wird die Investition schlagartig weniger lukrativ, die anfänglichen Steuervorteile für die Anleger fallen deutlich geringer aus. Die Chance, die eigene Steuerlast zu drücken, sinkt im nächsten Jahr.

Anbieter müssen verständlicher werden

Für Otto Normalanleger dürfte noch interessant sein, dass die Rahmenbedingungen für Fonds verbessert werden. Anbieter müssen ab 2004 verständlicher über ihre Produkte informieren. Neben dem ausführlichen Prospekt muss der Investor noch eine vereinfachte Version ausgehändigt bekommen. Börsen-Kauderwelsch ist out: Auf den etwa zwei Seiten soll alles Wesentliche zum Fonds inklusive Risikoeinstufung zusammengefasst sein. Dividenden und Kursgewinne ausländischer Fondsanteile sind im übrigen ab 2004 nur noch zur Hälfte zu versteuern.

Berrit Gräber / DPA
Themen in diesem Artikel