Agenda 2010 Anlegers Liebling


Von der Agenda 2010 profitierten bisher vor allem Aktionäre. Auch der jüngste Job-Gipfel könnte sich für sie rentieren.

Aktienkurse bilden den Herzschlag der Wirtschaft ab. Blitzschnell reagieren sie, wenn Firmen gute Geschäfte machen, sich die Konsumlaune verdüstert oder die wirtschaftlichen Erwartungen unsicherer werden. Wer als Anleger rasch reagiert, kann von solchen Veränderungen profitieren.

Als am Donnerstag vergangener Woche Regierung und Opposition gemeinsam unter anderem die Senkung der Körperschaftssteuer von 25 auf 19 Prozent, milliardenschwere Investitionsprogramme und einen schnelleren Bürokratieabbau beschlossen, tat sich am Aktienmarkt fast nichts: Der Deutsche Aktienindex (Dax) ging abends mit einem mageren Plus von 0,16 Prozent aus dem Handel, und auch am nächsten Tag bewegten sich die Kurse kaum.

Wieso diese Reglosigkeit? Immerhin, so hat die Landesbank Rheinland-Pfalz ausgerechnet, brächte allein die angekündigte Steuererleichterung den 30 Dax-Konzernen 1,8 Milliarden Euro mehr Gewinn. Antwort: Die Anleger sind misstrauisch. "Es müssen erst Taten folgen, bevor der Aktienmarkt reagiert", sagt Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. "Die ständigen Reden will der Markt nicht mehr hören."

Auf die politischen Veränderungen der vergangenen beiden Jahre haben die Märkte dagegen schon reagiert: Seit Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003 die Agenda 2010 ausrief, stieg der Dax von damals rund 2500 Punkten auf aktuell etwa 4300 Punkte - ein sattes Plus von gut 70 Prozent. Der M-Dax (der die Kursbewegung mittelgroßer Firmen wie Beiersdorf und Puma abbildet) stieg sogar noch stärker - von etwa 2800 auf rund 5700 Punkte. Das ist ein Plus von über 100 Prozent.

Wenn schon nicht auf dem Arbeitsmarkt, so scheinen die Reformen doch zumindest auf den Kapitalmärkten Wirkung gezeigt zu haben.

Getrieben wird der Anstieg besonders von außen: Internationale Anleger bemerken zunehmend, dass sich in Deutschland etwas bewegt. Ende Februar stellte das britische Wirtschaftsblatt "Economist", Zentralorgan angloamerikanischer Investoren, erstaunt fest, dass in den letzten Jahren die Lohnstückkosten in Deutschland im Gegensatz zur Entwicklung in anderen Staaten zurückgegangen sind. Das Land und seine Unternehmen seien jetzt auf den Weltmärkten viel wettbewerbsfähiger. Den Vergleich mit den USA, so das Blatt, brauche der Investitionsstandort Deutschland nicht länger zu scheuen. Die Deutschen seien nicht länger der "kranke Mann Europas, als den man sie lange gesehen hat".

"Deutsche Aktien sind im Schnitt immer noch schwächer bewertet als amerikanische", stellt Anlageexperte Meier fest. Für viele Investoren ein klares Kaufargument.

Jan Boris Wintzenburg print

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