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AIRLINES: Das große Fressen

Nur wenige europäische Fluggesellschaften werden aus der Krise gestärkt hervorgehen. Die Lufthansa gehört dazu - und das macht sie für Anleger interessant.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September hat sich gezeigt: Es gibt in Europa zu viele Luftfahrtgesellschaften. Die Angst vorm Fliegen hat prompt zur Pleite bei Swissair und Sabena geführt, und auch der Ferienflieger LTU geriet ins Trudeln. So bedrückend dies für die Beschäftigten dieser Branche ist, »aus wirtschaftlicher Sicht sind die Pleiten eine gute Nachricht«, sagt Thomas Meier, Transportexperte bei der Fondsgesellschaft Union Investment. »Das ist der erste Schritt zum adäquaten Wettbewerb.«

Das Fiasko der Flieger aus Zürich und Brüssel

ist der Auftakt zu einer Entwicklung, die Amerika schon hinter sich hat. Nur wenige Gesellschaften werden aus der Krise gestärkt hervorgehen und dann den Markt dominieren. Unrentable Airlines, bislang noch gepäppelt mit staatlichen Zuschüssen, verschwinden oder schlüpfen bei den großen unter die Fittiche. Welche Unternehmen sind für Anleger interessant? Experten nennen Lufthansa, Air France und British Airways, die aufgrund ihrer Bündnisse wie Star Alliance oder Oneworld und strategisch wichtiger Heimatflughäfen als Sieger aus der Marktbereinigung hervorgehen werden. Der Haken: Niemand weiß, wie lange die Kannibalisierung unter den Airlines andauern wird. »Bis sich ein neues Marktgleichgewicht mit attraktiven Anlagechancen ergibt, können fünf Jahre vergehen«, sagt Philipp Vorndran von der Bank Credit Suisse.

Das Potenzial für einen Kursschub

ist unterschiedlich verteilt. So schleppt British Airways gegenüber seinen beiden Konkurrenten einigen Ballast mit sich. »Aufgrund der hohen Schulden wurde gerade die Bonität des Unternehmens herabgestuft«, sagt Nils Machemehl von M.M. Warburg. »Zudem leiden die Briten unter der scharfen Konkurrenz der Billigflieger.« Fazit: Lufthansa und Air France sind interessant, doch Anleger von Airline-Aktien müssen einen langen Atem mitbringen.

Joachim Reuter