AKTIENNEWS Kabel New Media beantragt Insolvenzverfahren


Der finanziell angeschlagene Hamburger Internet-Dienstleister Kabel New Media AG stellte montags Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist noch nicht bestimmt worden. Kabel New Media gab zunächst keine Stellungnahme ab. Die am Neuen Markt notierte Kabel-Aktie verlor zeitweise mehr als 26 Prozent und fiel auf ein neues Allzeittief von 0,37 Euro.

Schon Freitag hatte Kabel New Media nach dem Rückzug eines potenziellen Beteiligungsinteressenten einen vorläufigen Zahlungsstopp angekündigt. Die Gespräche dauerten schon Monate an. Der Zahlungsstopp bezieht sich auf sämtliche Forderungen aller Gläubiger. Forderungen und Verbindlichkeiten des Unternehmens stehen auf dem Prüfstand. »Derzeit ist ungewiss, in welcher Form es weiter geht«, sagte der Sprecher. Alle Möglichkeiten der Mittelbeschaffung würden geprüft. Kabel wird die Gehälter noch drei Monate zahlen. Solange gibt es noch ein operatives Geschäft.

Vor zwei Wochen hatte Kabel angekündigt, die Gewinnzone nicht wie geplant im vierten Quartal 2000/2001 (Geschäftsjahresende zum 31. März) erreichen zu können. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) wird sich auf etwas weniger als 14 Millionen Euro (Vorjahr: eine Millionen Euro Verlust) belaufen. Insbesondere im US-Markt gab es enorme Einbußen, aber auch in Skandinavien. In den USA und Großbritannien hatte Kabel seine Geschäfte bereits beendet. Für 2000/2001 rechnet Kabel auf Grund außerplanmäßiger Abschreibungen mit einem Verlust zwischen 115 und 130 Millionen Euro.

Weitere Zusammenbrüche werden folgen

Nach dem Insolvenzantrag vonKabel New Media erwartet die Branche der Internet-Dienstleister weitere Firmenzusammenbrüche. »Der Konsolidierungsbedarf ist noch erheblich«, sagte der Vorstandsvorsitzende von GFT Technologies, Ulrich Dietz, dem Hamburger Magazin stern. Alle großen deutschen Konkurrenten seines Unternehmens suchen »händeringend nach Partnern«. Selbst leistungsfähige Firmen wie die Pixelpark AG müssen jetzt rasch ihre Zahlen in Orndung bringen. »Wenn das nicht gelingt, nutzt auch alles andere nichts.« Das lange als Allheilmittel gefeierte »Full-Service-Konzept« stellte Dietz grundsätzlich in Frage: »Die Expansion in fremde Geschäftsfelder, die nur Geld kostet und Manager bindet, rächt sich am Ende.«

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