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Altersvorsorge: Riester-Sparer trotzen der Finanzkrise

Wer riestert, kann trotz Finanzkrise beruhigt schlafen: Eingezahltes plus Zulagen sind garantiert. Selbst wenn der Vertrag erst auf den letzten Drücker abgeschlossen wird, bringt er noch Zulagen für das gesamte Jahr 2008. Und auch die Abgeltungssteuer knabbert nicht an den Erträgen.

Wer einen staatlich geförderten Riester-Rentenvertrag in der Tasche hat, muss nicht um sein Erspartes bangen. Trotz Finanzkrise ist der Riester-Kunde auf der sicheren Seite. Sämtliche Einzahlungen plus Zulagen sind garantiert. Alles, was Sparer und Staat an Zuschüssen in diese Altersvorsorge hineingesteckt haben, wird am Ende mindestens auf Euro und Cent wieder herauskommen. Das gilt auch für Fondssparer. Einbußen bekommen Kunden mit Fondsvarianten höchstens bei der Rendite zu spüren. "Die Finanzkrise hat keine negativen Auswirkungen auf die Riester-Rente", sagt Frank Lange von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Offenbar sehen das die Bundesbürger ebenso. Denn die Zuwächse bei der Riester-Rente sind weiterhin konstant, Finanzturbulenzen hin oder her.

Bis zum Jahresende dürfte eine neue Grenze geknackt werden. Dann werden über 12 Millionen Deutsche einen Riestervertrag haben, ist Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), überzeugt. Etwa 32 Millionen sind insgesamt förderberechtigt. Zum Jahresendspurt im vierten Quartal bringen die meisten Kunden ihre Verträge unter Dach und Fach, zeigen die Statistiken beim ZfA. Kein Wunder: Selbst auf den letzten Drücker kann sich das Extra-Sparen für den Ruhestand noch auszahlen. Wird die Unterschrift noch bis Ende Dezember unter einen Vertrag gesetzt, belohnt das der Staat rückwirkend für ganz 2008 mit der vollen Förderung. Das Jahr ist dann für den Sparer nicht verloren.

Unabhängige Beratung

"Wir raten jedem zuzugreifen, der ohnehin schon seit längerem riestern wollte, aber bisher nicht in die Gänge kam", sagt Merten Larisch, Altersvorsorgespezialist der Verbraucherzentrale Bayern. Ratsam ist vorher eine unabhängige Beratung. Zur Auswahl stehen Bank- oder Fondssparpläne sowie Rentenversicherungen. Vor allem im Versicherungsbereich fallen die Erträge extrem unterschiedlich aus. Viele Policen sind wegen hoher Abschlusskosten teuer erkauft.

Neu ist der Wohn-Riester, mit dem der Staat den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände unterstützt. Und so viel schießt der Staat zu: Seit 2008 bekommt jeder Sparer bis zu 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Junge Leute unter 25 Jahren bekommen bei Vertragsschluss zusätzlich einmalig 200 Euro. Wer Kindergeld bezieht, kann außerdem eine Kinderzulage von bis zu 185 Euro jährlich einstreichen. Dieser Betrag gilt für Kinder, die bis Ende 2007 geboren wurden. Für die Jüngeren ab Jahrgang 2008 liegt die Kinderzulage sogar bei bis zu 300 Euro jährlich. Elternteile, die kein Kindergeld beziehen, bekommen auch keinen Kinderzuschlag.

Vier Prozent des Bruttoeinkommens

Wichtig: Um die vollen Zulagen zu kassieren, muss der Riester-Sparer seit diesem Jahr 4 Prozent vom Bruttoeinkommen des Vorjahres einzahlen. Die Zulagen zählen mit. Wer weniger spart, bekommt weniger Förderung. Der Minimalbetrag liegt bei 60 Euro im Jahr.

Beispiel: Ein Single mit einem Vorjahresbruttoeinkommen von 30.000 Euro muss für die Maximalförderung 1200 Euro einzahlen (das sind vier Prozent von 30.000). Den Betrag von 1046 Euro müsste er selbst aufbringen. 154 Euro Grundzulage zahlt der Staat dazu. Spart er nur 600 Euro, würde die Zulage anteilig auf 77 Euro gekürzt. Der Kunde müsste dann 523 Euro aus eigener Tasche zahlen.

Jahresbeitrag für 2008 auf einmal stemmen

Steuerliche Vorteile kann sich jeder Riester-Sparer sichern, wenn er seine eigene Einzahlung sowie die Zulagen von der Steuer absetzt, und zwar bis zu 2100 Euro im Jahr. Wer in diesem Jahr noch mitnehmen will, was der Staat fürs Alter sponsert, sollte jedoch genug Geld auf der hohen Kante haben. Denn um die komplette Finanzspritze samt Steuervorteilen kassieren zu können, muss der Sparer einen kompletten Jahresbeitrag auf einmal einzahlen. "Ob das jeder Kunde finanziell schafft, ist halt immer die Frage", sagt ZfA-Experte Lange. Nur wer sicher weiß, dass er seinen Lebensabend im Ausland verbringt, sollte zurückhaltend sein, was die Riester-Rente angeht, mahnt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Beim Wegzug müssen Rentner sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückerstatten.

Berrit Gräber/AP / AP