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Analyse: Anlageplanung für 2004

Die Finanzen rechtzeitig ordnen - dazu sollte man am Beginn des neuen Jahres auch überprüfen, was die Haushaltskasse hergibt und wie es sich am besten anlegen lässt.

Der Beginn eines neuen Jahres ist immer ein guter Zeitpunkt, um zu Hause einmal aufzuräumen. Das gilt auch für die Finanzplanung: Was liegt eigentlich wo? Was fehlt noch? Was sollte sich ändern? In diesem Jahr ist das sogar umso sinnvoller, weil etliche Gesetzesänderungen auch die Haushaltskasse jedes einzelnen betreffen.

Keine großen Sprünge

Und die Steuerreform lässt so manchem monatlich sogar einige Euro mehr in der Tasche als bisher. Dass dadurch dieses Jahr Anschaffungen möglich sind, die bisher nicht finanzierbar waren, ist allerdings kaum zu erwarten, warnen Experten. "Die Verbraucher werden auch erst mit Verspätung merken, wie viel tatsächlich unterm Strich übrig bleibt", sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt. Die nächste Fernreise einfach in der Hoffnung zu buchen, durch die Steuerersparnis sei das schon zu bezahlen, wäre also grob fahrlässig.

Erst Schulden abzahlen

"Wenn mehr Geld als bisher zur Verfügung steht, empfehlen wir unbedingt, zunächst Verbindlichkeiten abzuarbeiten", sagt Peter Lischke, Geldexperte der Verbraucherzentrale Berlin. "Tilgung ist die beste Form der Geldanlage." Kredite zurückzuzahlen rentiert sich auch deshalb mehr als das Geld zu sparen, weil die Guthabenzinsen nach wie vor niedrig sind. "Und die klettern auch nur langsam."

Tagesgeldkonto statt Sparbuch

Sind in dieser Hinsicht keine Rechnungen mehr offen oder gibt es keine Möglichkeiten zur Sondertilgung, lohnt es sich, das Geld auf Tagesgeldkonten anzulegen. "Das bringt um die 2,5 Prozent und ist auch im Blick auf kommende Ausgaben sinnvoll", sagt Lischke. Mit dem Geld können im Laufe des Jahres Anschaffungen bezahlt werden, für die dann kein Darlehen gebraucht wird.

Nicht jede Police ist sinnvoll

Bares Geld sparen aber auch Entrümpelungsaktionen bei den Versicherungspolicen: "Man sollte gucken, was wirklich wichtig ist", rät der Verbraucherschützer und nennt dabei die Risikolebensversicherung, die Berufsunfähigkeits- und die private Haftpflichtversicherung. Eher schlecht seien beispielsweise Kombiprodukte, die Kapitallebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung vereinen.

DAX wird noch nicht Hoffnungsträger

Dass das Geld, das private Anleger durch die Steuerreform sparen, zu größeren Sprüngen beim Aktienkauf reicht, ist eher nicht zu erwarten. "Dafür bleibt wohl zu wenig über", sagt Reinhild Keitel, Pressesprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) in Frankfurt. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass sich der Anstieg des DAX von rund 40 Prozent im vergangenen Jahr fortsetzen wird. Auch die positiven Aussichten für das Wirtschaftswachstum sollten nicht zu der Hoffnung verleiten, mit dem Investieren in Aktien oder Fonds sei 2004 schnell ein guter Schnitt zu machen: "Die vorhergesagten 1,4 Prozent sind schließlich nicht berauschend", sagt Keitel. Kursschwankungen seien auch 2004 unvermeidlich, und nicht auszuschließen sei, dass der DAX trotz des Aufschwungs fällt.

Bis 15.000 Euro Aktienfonds

Wer direkt in Aktien investieren will, sollte das Geld tatsächlich übrig und auch einen Mindestbetrag zur Verfügung haben: "15.000 Euro halten wir für sinnvoll", sagt Franz-Josef Leven vom DAI. Wer kleinere Summen anlegen will, sei mit Aktienfonds besser beraten. "Wenn der DAX hochgeht, gewinnen beide." Generell seien Aktien unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen jedenfalls eine sinnvolle Anlageform, sagt auch Verbraucherschützer Lischke.

Goldpreis auf Höchstwert

Schon jetzt oben ist der Goldpreis: In der ersten Januarwoche erreichte er mit 418,30 US-Dollar (331,03 Euro) pro Feinunze den höchsten Wert seit 13 Jahren. "Wenn wir gefragt werden, raten wir Verbrauchern aber vom Goldkauf ab", sagt Lischke. "Das ist nur angeblich eine inflationssichere Anlage." Gold bringe zudem keine Zinsen. "Man kann es auch nicht unters Kopfkissen legen und muss bei der Bank bezahlen, wenn es dort in den Tresor kommt." Und was die Preisentwicklung angeht, gebe es viel zu viele Unsicherheiten.

Immobilienkauf ist gute Alternative

Ganz sicher dagegen ist, dass das Thema Altersvorsorge 2004 weiter auf der Tagesordnung steht: "Das spitzt sich noch zu", sagt Lischke. Wer noch keinen Vertrag für die "Riester-Rente" genannte private Altersvorsorge abgeschlossen hat, sollte das dieses Jahr überlegen. Weiterhin eine gute Alternative für die Altersvorsorge oder Geldanlage bleibt der Kauf einer Immobilie: "Die Preise sind noch günstig", so der Experte. Auch nach der Minderung der Eigenheimzulage um 30 Prozent bleibe das eine vernünftige Entscheidung.

Achtung bei Erbschaften

Wer dagegen bereits Immobilien besitzt und beabsichtigt, sie zu vererben, sollte überlegen, sie vorzeitig zu übertragen. Denn möglicherweise ist noch 2004 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu erwarten, das aller Voraussicht nach höhere Erbschaftssteuern für Immobilienerben bringen wird. "Bisher werden sie nur zu 60 bis 70 Prozent des Verkehrswertes besteuert", erläutert Daniel Rohlff, Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht in München. Bei der zu erwartenden Gleichstellung mit vererbtem Barvermögen sind es dann 100 Prozent - das kann im Einzelfall teuer werden.

DPA