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Anlage: Briefmarken taugen kaum als Geldanlage

Wertvolle Kleinode wie die seltene Briefmarke «Altdeutschland» wecken bei Briefmarkensammlern immer wieder die Hoffnung, mit Briefmarken das große Geld zu machen.

Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Briefmarkenhandels in Köln, Carl-Heinz-Schulz, dämpft hochfliegende Erwartungen von Hobby-Philatelisten: «Marken sind nicht die Aktien des kleinen Mannes.»

Eine Marke für drei Mio. Mark

In den Jahrzehnten nach 1849 begann die Post des Königreichs Bayern mit der Ausgabe der ersten deutschen Postwertzeichen. Mehr als 630.000 verschiedene Markenmotive sind weltweit erschienen, seit Anfang Mai 1840 der Engländer Rowland Hill sein Wertzeichen «Penny Black» mit dem Bildnis der Königin Victoria als Entgelt für die Briefbeförderung herausbrachte. Das Stückchen Papier ist heute das Millionenfache seines Ausgabepreises wert und keineswegs der einzige Preisexzentriker. Die 1851 im Großherzogtum Baden verkaufte Neun-Kreuzer-Marke liegt nach Schätzungen heute bei etwa drei Millionen Mark. Allerdings ist das Hobby auch nicht ganz billig. Den Jahresumsatz an Briefmarken schätzt Schulz auf etwa 500 Millionen Euro. «Etwa 20 Prozent davon entfallen auf Auktionen.» Davon gibt es nach Angaben der Auktionsfirmen gut 100 im Jahr. Für Zubehör wie Alben geben die Sammler nochmals etwa 75 Millionen Euro jährlich aus.

Qualität ist gefragt

«Hohe Qualitätsansprüche» stellt Andreas Polster, Fachhändler in Hamburg, bei seinen Kunden fest. «Besonders Altdeutschland in guten Qualitäten ist gefragt», sagt er. Aber auch Motivmarken haben laut Polster inzwischen einen hohen Stellenwert, vor allem solche mit Tierdarstellungen: «Ein Sammler hat sich auf Igel spezialisiert und sucht weltweit.»

Noch Männerdomäne

«Das Sammeln von Briefmarken ist aber nach wie vor eine Männerdomäne», weiß Klaus Richnow vom Bund deutscher Philatelisten (BDPh) in Bonn mit etwa 70.000 Mitgliedern. Er würde gern mehr Frauen bei diesem Hobby sehen. «Der typische Sammler ist Mitte bis Ende 30 und darüber.» Nach seiner Erfahrung haben viele schon als Jungen mit dem Sammeln angefangen und dann mit Einsetzen der Pubertät aufgegeben, um sich später des Hobbys wieder zu erinnern.

Nachfrage bestimmt den Preis

Als Richtlinie für die Preisgestaltung dient den Händlern und Sammlern in der Regel das Standardwerk «Michel». Diese regelmäßig aktualisierten Kataloge listen alles auf, was es an Marken überhaupt gibt, und nennen die entsprechenden Preise. «Im Briefmarkenhandel herrscht das Gesetz der freien Marktwirtschaft, hier bestimmen Angebot und Nachfrage die Preise», schildert Carl-Heinz Schulz die Lage. Den Wert drastisch steigern kann zum Beispiel ein Abweichen von der Norm. Klaus Richnow hat ein vergleichsweise alltägliches Beispiel an der Hand: «Eine an sich billige Pfennigmarke aus den Nachkriegsjahren schnellte im Preis auf 1.200 Euro, als ein Fehler in der Zähnung festgestellt wurde. Statt der üblichen elf Zähne waren bei 400 Stück versehentlich 11,5 Zähne gestanzt worden.»

Solche «Schätze» entdecken Sammler immer wieder einmal, doch sollen solche Erwartungen nicht die Motive sein, die Welt in Alben zu stecken. «Den schnellen Euro kann man mit Briefmarken nicht machen», warnt Schulz. «Aber man kann viel Freude haben.»

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