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ANLAGE: Das Sparbuch lohnt sich kaum

Keine Goldgrube mehr: Experten raten vom Sparbuch als langfristige Anlagemöglichkeit ab, denn wegen der niedrigen Rendite eignet es sich nur noch als 'eiserne Reserve'.

Jeder kennt das Sparbuch: Es wurde von den Großeltern geschenkt, von der örtlichen Sparkasse zur Einschulung eingerichtet oder stolz gemeinsam mit Vater oder Mutter eröffnet. Doch oft trennen sich Erwachsene irgendwann von ihrem Sparbuch, denn als langfristige Anlage kommt es kaum mehr in Frage.

Zu niedrige Rendite

Der Statistik der Bundesbank in Frankfurt zufolge beträgt der Zinssatz bei Sparbüchern im Durchschnitt derzeit 1,25 Prozent. »Generell ist das Sparbuch auf Grund seiner niedrigen Rendite für hohe Beträge und für eine langfristige Geldanlage nicht zu empfehlen«, sagt Thomas Bieler, Experte für Geldanlagen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Es eignet sich allenfalls als »eiserne Reserve« für Notfälle.

Vorsicht: Vorschusszinsen

Bei Sparbüchern lassen sich in der Regel über bis zu 2.000 Euro monatlich sofort und ohne Probleme verfügen. Wer allerdings mehr abheben möchte, muss Vorschusszinsen zahlen, es sei denn er hat drei Monate vorher angekündigt, dass er über einen höheren Betrag verfügen möchte.

Gestaffelte Berechnung

»Der Vorschusszins beträgt in der Regel ein Viertel des Zinssatzes, der sonst auf die Spareinlage gegeben wird«, so Uwe Döhler von der Stiftung Warentest in Berlin. Wer also statt der frei verfügbaren 2.000 Euro plötzlich und unangekündigt 8.000 Euro vom Sparbuch abheben möchte, bekommt die ersten 2.000 Euro ohne Vorschusszins, die weiteren 2.000 Euro werden für 30 Tage zu einem Viertel des Zinses mit Vorschusszinsen belegt, die dritten 2.000 Euro für 60 Tage, die letzten für 90 Tage.

Tagesgeldkonto ist besser

Wegen dieser Vorschusszinsen und der schlechten Rendite empfehlen viele Anlageexperten deswegen inzwischen statt des Sparbuchs das Tagesgeldkonto. »Das dürfte dem Sparbuch inzwischen schon den Rang abgelaufen haben«, meint Uwe Döhler.

Summe jederzeit verfügbar

Tagesgeldkonten kommen derzeit im Mittel auf drei bis vier Prozent Verzinsung. Sie haben keine beschränkte Abhebungssumme, und jede Betragshöhe ist jederzeit verfügbar. Dazu muss der Sparer die Summe nur vom Tagesgeldkonto auf sein Girokonto überweisen. Das dauert im Durchschnitt zwei Werktage.

Nur noch 'psychologischer' Vorteil

»Der Vorteil des Sparbuchs ist eher ein psychologischer«, sagt Berater Thomas Bieler. »Man hat etwas ist der Hand, man kann es durchblättern und nachsehen, wie sich das Ersparte entwickelt.« Tagesgeldkonten hingegen werden telefonisch oder per Internet betreut. »Gerade viele ältere Menschen hegen gegenüber der fernmündlichen Betreuung oder dem Internet noch großes Misstrauen«, bestätigt Beate Kirchner, Rechtsanwältin und Geldanlageexpertin der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt.

Einstiegsmöglichkeit für Kinder

Als Einstiegmodell im Umgang mit Geld empfehlen Experten das Sparbuch gerade wegen seiner Anschaulichkeit. Kinder können hier am besten an den bargeldlosen Zahlungsverkehr herangeführt werden. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, kann dem Nachwuchs bei der Postbank ein Sparkonto mit Sparcard eröffnen. Hier gibt es statt Sparbuch die übliche Automatenkarte. Jugendliche können so den ersten Umgang mit Automaten üben. In beiden Fällen können die Erziehungsberechtigen die Auszahlungsbeträge eingrenzen.

Nur der Vergleich macht sicher

Auch in diesem Jahr werden Banken und Sparkassen zum Weltspartag am 31. Oktober wieder die gesammelten Schätze von Kindern und Jugendlichen entgegennehmen und zugleich für das Sparen werben. Doch auch für erwachsene Sparer lohnt es sich unter Umständen, bei der örtlichen Bank oder Sparkassen nach den genauen Konditionen der Sparbücher oder verwandten Sparmöglichkeiten nachzufragen. Vergleichen lassen sich die bundesweiten Angebote im Internet unter www.termingeld-vergleich.de/sparbuch.