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Anlegerschutz: Vorsicht bei unseriösen Anlagemodellen

Das Deutsche Institut für Anlegerschutz prangert dubiose Unternehmensanleihen mit utopisch hohen Renditen an. Der Ruf nach einer staatlichen Kontrolle wird immer lauter.

Das Deutsche Institut für Anlegerschutz (DIAS) warnt eindringlich vor neuen und zumeist unseriösen Geldanlagemodellen. Insbesondere dubiose Unternehmensanleihen seien wegen ihrer hohen Renditeversprechen von teils über acht Prozent Zinserträgen pro Jahr "massiv auf dem Vormarsch", so DIAS-Vorstand Volker Pietsch. Zehntausende Bürger hätten sich bereits darauf eingelassen. Doch sei den meisten nicht bewusst, dass diese Anlageform hoch riskant sei. Mit ihrer Geldanlage gewährten die Anleger nämlich meist völlig unbekannten Firmen einen Unternehmenskredit.

Bei vielen fragwürdigen Anbietern fehle es jedoch an Transparenz, sagte Pietsch. "Es ist unklar, wie und wo die utopisch hohen Renditen in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase erwirtschaftet werden." Jochen Resch, Vorstand der Verbraucherzentrale Brandenburg, schloss sich der Warnung an und sagte: "Eine derart wundersame Geldvermehrung schließt grundsätzlich den dringenden Verdacht eines Schneeballsystems nicht aus." Pietsch warnte, die als Anleihen, Inhaber- oder Orderschuldverschreibungen angepriesenen Anlageformen seien durch keinerlei Einlagensicherungssystem vor einem Totalverlust geschützt. Auch übe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) keine Kontrolle in diesem Bereich aus, weil es sich im strengen Sinne nicht um Einlagengeschäfte handele.

Forderung nach staatlicher Kontrolle

Weiter warnte Pietsch vor irreführenden Werbeslogans wie "kein Kursrisiko". Dies stimme zwar, aber nur, weil kein Markt für solche Anleihen existiere. In Wahrheit bestehe jedoch ein hohes Risiko, sein Geld zu verlieren: Viele Unternehmen investierten nämlich nicht wie versprochen in Sachwerte oder Immobilien, sondern benötigten frisch hereinkommende Gelder offenbar, um die Zinsansprüche früherer Anleger zu befriedigen.

Manfred Westphal vom Verbraucherzentrale Bundesverband verlangte zusätzliche Anstrengungen, um Missstände auf dem grauen Kapitalmarkt abzustellen. So müsse die BaFin zur Kontrolle ermächtigt werden, denn die dubiosen Unternehmensanleihen würden quasi wie Wertpapiere "verkauft". Auch müsse die Strafverfolgung ausgeweitet werden, sagte Westphal. Er schlug zum Beispiel die Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften vor.

AP / AP
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