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Arbeitszimmer jetzt besser absetzbar: So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Die Kosten für ein Arbeitszimmer daheim können wieder leichter von der Steuer abgesetzt werden. Das Bundesverfassungsgericht kippte die seit 2007 geltende Verschärfung im Steuerrecht. Wer profitiert von der Entscheidung? Und wie bekommen Sie Ihr Geld zurück? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Felix Disselhoff

Lehrer, Außendienstler und Freiberufler können sich freuen: Künftig ist das Arbeitszimmer wieder besser absetzbar

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Worum geht es in dem Urteil?
Das Gericht beruft sich in seinem Urteil auf den Gleichheitssatz, der auch im Grundgesetz verankert ist. Der verpflichtet den Gesetzgeber dazu, vergleichbare Fälle auch gleich zu behandeln. Seit 2007 konnten häusliche Arbeitszimmer aber nur noch dann abgesetzt werden, wenn die berufliche Tätigkeit zum überwiegenden Teil dort stattfand. Benachteiligt wurden dadurch die Steuerzahler, die zwar auf ein Arbeitszimmer angewiesen sind, aber dennoch nicht einen Großteil ihrer Arbeitszeit darin verbringen.

Beispielsweise Lehrer, die in der Schule unterrichteten und zu Hause nacharbeiteten, bekamen keine Steuervergünstigung mehr. Schon im August des vergangenen Jahres hatte der Bundesfinanzhof Zweifel daran geäußert, ob die seit drei Jahren geltenden Restriktionen verfassungsgemäß sind. Die Reform bedeutete für den Staat bislang erhebliche Ersparnisse. Denn sobald die Kosten für ein Arbeitszimmer in einer Privatwohnung oder dem eigenen Haus steuerlich relevant sind, ist der Fiskus auch verpflichtet, die dazugehörigen Ausgaben, etwa die Möbel oder eine dringend notwendige Renovierung als Werbungskosten anzuerkennen.

Ab wann tritt das Gesetz in Kraft?

Das steht noch nicht fest. Denn das Verfassungsgericht in Karlsruhe verpflichtet lediglich den Gesetzgeber, die Änderungen in die Tat umzusetzen. "Der dürfte aber daran interessiert sein, das Gesetz schnell entsprechend abzuändern", meint Frank Marthiensen, Steuerberater bei der Kieler Kanzlei Petersen & Partner. "So vermeidet er eine Welle von Einsprüchen wegen Rückerstattungen für die letzten Jahre."

Wer profitiert von dem Entscheid der Verfassungsrichter?

Steuerzahler, die ein häusliches Arbeitszimmer haben und denen kein anderer Arbeitsplatz vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Dem Verfahren lag die Klage eines Hauptschullehrers zugrunde, der täglich zwei Stunden sein Arbeitszimmer zur Vor-und Nachbereitung des Unterrichts nutzte. Der Träger seiner Schule hatte ihm nicht erlaubt, dafür einen Arbeitsplatz an der Schule zu nutzen. Das Urteil dürfte allerdings Auswirkungen auf die steuerliche Bewertung mehrerer Berufsgruppen haben. Denn nun gilt: Auch Arbeitnehmer, die nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit zuhause erledigen, können ihre Arbeitszimmer ab sofort wieder steuerlich geltend machen. Dies gilt grundsätzlich, wenn ihnen der Arbeitgeber für diese Tätigkeiten keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Von dem Karlsruher Richterspruch können nach Schätzung der Steuergewerkschaft etwa eine Million Arbeitnehmer profitieren. Im Schnitt könnten sie pro Person etwa zwischen 500 und 1000 Euro Steuern sparen oder zurückerhalten, sagte Gewerkschaftschef Dieter Ondracek.

Wie wurde das vorher geregelt?

Seit Anfang 2007 wurde ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann steuerlich anerkannt, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellte. Dies war also maximal bei Angestellten mit einem Homeoffice der Fall. Nur in diesem Fall waren die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer weiterhin absetzbar. Betroffen waren auch Außendienstmitarbeiter.

Bekommen Arbeitnehmer nun rückwirkend Ihr Geld zurück?

Nicht unbedingt. "Falls Sie in den Steuererklärungen von 2007 bis 2009 die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht geltend gemacht haben, haben Sie jetzt schlechte Karten, Ihre Kosten noch erstattet zu bekommen", meint Marthiensen. Denn die Einspruchsfrist auf den Steuerbescheid endet nach vier Wochen. "Sind Sie allerdings gerade im Begriff, Ihre Steuererklärung für die letzten Jahre nachzuholen, sollten Sie diesen Punkt unbedingt in Ihrer Steuererklärung anmerken". Eine weitere Möglichkeit: Stehen Ihre Bescheide nach Paragraph 164 der Abgabenordnung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, ist der Steuerfall noch offen. Das bedeutet für Sie: Bis zur Verjährung, die in der Regel vier Jahre nach der Abgabe der Steuererklärung endet, sind Änderungen noch jederzeit möglich”, erklärt Marthiensen. Ob Ihre Bescheide unter diesem Vorbehalt stehen, können Sie in der Kopfzeile des Steuerbescheides auf Seite 1 nachlesen.

Der Bund der Steuerzahler empfiehlt außerdem zu überprüfen, ob die Einmonatsfrist Ihres aktuellen Steuerbescheids schon verstrichen ist. Falls nicht, könne noch Einspruch eingelegt und so die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer geltend gemacht werden. Wer gegen seinen Steuerbescheid für die betroffenen Jahre ab 2007 Einspruch eingelegt hat, bekommt automatisch das Geld vom Finanzamt nachgezahlt.

Wieviel können Sie von der Steuer absetzen?

Die Pauschale für die absetzbaren Kosten für ein Arbeitszimmer beliefen sich bisher auf 1250 Euro im Jahr. "Ob der Gesetzgeber an dieser Pauschale festhält oder Änderungen vornimmt, ist noch nicht klar", so Marthiensen. Wohnen Sie zur Miete, können anteilig die Miete, Nebenkosten wie Müllabfuhr, Heizung, Strom, Wasser Reinigungskosten, Putzmittel und die Hausratversicherung abgesetzt werden. Die Berechnung erfolgt im Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche der Wohnung. Nicht zur Wohnfläche rechnet das Finanzamt dabei Nebenräume, wie Keller, Boden, Garagen oder Trockenräume.

Welche Kriterien muss ein Arbeitszimmer erfüllen?

Neben dem Arbeitszimmer muss die Wohnung über ausreichend Wohnraum für die Familie verfügen. Wer also sein Wohnzimmer als Arbeitszimmer geltend machen will, hat schlechte Karten. Außerdem muss das Arbeitszimmer als Büroraum eingerichtet sein. Spielekonsolen, Musikanlagen oder Ähnliches haben dort also nichts verloren. Zuletzt muss das Arbeitszimmer von den übrigen Wohnräumen getrennt liegen. Im Idealfall lässt es sich durch eine Tür schließen.

Lassen sich auch Arbeitsmittel absetzen?

Ja. Und das völlig unabhängig vom Urteil der Verfassungsrichter. Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände können in der Steuererklärung abgesetzt werden, wenn diese Gegenstände so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke verwendet werden. Das können ein Schreibtisch, der Schreibtischstuhl, eine Schreibtischlampe oder ein Bücherregal sein. Sofort in der Steuererklärung absetzbar sind Möbel und Einrichtungsgegenstände, wenn der Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer nicht mehr als 410 Euro plus Mehrwertsteuer ausmacht. Dies bedeutet: 487,90 Euro bei einem Mehrwertsteuersatz von 19%.

Mit DPA/AFP/Reuters / Reuters