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Banken: Handel und Autokonzerne machen Banken Konkurrenz

Ob Kredit, Sparplan oder EC-Karte - der Gang zur Hausbank galt bei finanziellen Belangen stets als selbstverständlich. Doch die klassischen Institute haben Konkurrenz bekommen.

Die Banken bekommen zunehmend Konkurrenz: In ihren Domänen tummeln sich Handel und Industrie mit immer neuen Angeboten. Der Autokonzern DaimlerChrysler beispielsweise startete im Juli vergangenen Jahres ins Bankgeschäft - mit Erfolg. "Wir haben mehr als 800.000 Kunden, die uns bislang rund 3,2 Milliarden Euro Einlagen anvertraut haben", sagt Vorstandsvorsitzender Roland Folz. Die Volkswagen-Bank konnte im Mai auf sechs Milliarden Euro Einlagen verweisen. Bei VW können Privatleute ihr Haus finanzieren lassen und ihre Börsengeschäfte abwickeln, BMW kann sich zu den erfolgreichen Adressen des Fondsbanking zählen, KarstadtQuelle hat innerhalb von Monaten rund eine Million Kreditkarten unter die Leute gebracht. Auch der klassische Handel ist nicht untätig: Beim Kaffee-Imperium Tchibo kann man neben Auto auch Hausrat, Unfälle und Ausbildung versichern oder ein Produkt zur Riester-Rente erwerben.

Immer mehr Anbieter knabbern am Bankenkuchen

"Der Angriff auf die Banken ist schon längst kein Planspiel mehr. Die ersten Schlachten haben die neuen Anbieter bereits erfolgreich geschlagen", sagt Torsten Schubert vom Hamburger Redaktionsbüro für Finanzpresse, dass eine Studie zur Entwicklung der Finanzdienstleister erarbeitet hat. "Die Entwicklung müsste für Panik in den Vorstandsetagen der klassischen Banken sorgen."

Kunden haben zunächst Vorteile

Für den Kunden hat der Einstieg von Handel und Industrie ins Bankgeschäft zunächst nur Vorteile: Karstadt beispielsweise gebe Kreditkarten kostenlos heraus, sagt Professor Jürgen Moormann von der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt. Besondere finanzielle Risiken für die neuen Anbieter sieht er nicht. "Die machen ein Brot- und Buttergeschäft ohne Girokonten und Depots. Außerdem sind die Margen so, dass man Verluste durchaus abfangen kann."

Idee ist nicht neu

Neu ist die Idee nicht, Bankengeschäfte und Produktverkauf zu verknüpfen. "Der US-amerikanische Handelskonzern Sears, Roebuck & Co greift seinen Kunden schon seit 1911 mit Konsumkrediten unter die Arme", sagt Schubert. Die Motivation für die Symbiose zwischen Konsum und Bankwesen ist klar: "Der Zahlungsverkehr - und die Kreditkarten - sind der Schlüssel zum Kunden und zu seinem Portemonnaie." Dank dieser Strategie verdienten die Unternehmen doppelt, erklärt Moormann. "In den USA ist es üblich, Kunden in Kredite hineinlaufen und dann zweistellige Sollzinssätze zahlen zu lassen. Betriebswirtschaftlich ist das rational, so herbe das klingt." In Deutschland sei eine derartige Entwicklung aber noch nicht zu sehen.

Ran an die Neukunden

Wichtig ist den neuen Anbietern die Anwerbung von Neukunden. "Zu 40 Prozent fahren unsere Bankkunden noch keinen Mercedes, Smart oder Chrysler", sagt DaimlerChrysler-Bank-Sprecher Harald Bertsch. "Wir nutzen den Kontakt zum Kunden, um auf neue Produkte hinzuweisen und zum Fahrzeugkauf zu animieren."

Banken verlieren an Kundennähe

Warum aber wenden sich viele Kunden von den klassischen Anbietern ab? "Die Banken sind zu stark auf ihre Produkte konzentriert und nicht auf das, was im Kopf des Kunden vorgeht", erklärt Moormann. "Die neuen Anbieter stellen keine Ansprüche an ihre Kunden, sondern stellen sich den Ansprüchen ihrer Kunden - sie sind den Traditionellen in Sachen Kundennähe weit voraus", betont auch Schubert. "Die Banken haben das Thema Kredit verschlafen." Nach Daten der Bundesbank nähmen bei Sparkassen rund 12 Prozent der Kunden einen Ratenkredit auf, bei Volks- und Raiffeisenbanken 15 Prozent und bei Privatbanken etwa 4 Prozent - die durchschnittliche Ratenkreditquote für Deutschland liegt bei 18 Prozent.

Basisgeschäft wird Banken wegbrechen

Auch als "Lieferant" der Kreditkarte wird die Hausbank zunehmend in Frage gestellt. Zuletzt hätten Spezialunternehmen einen Anteil am Kreditkartenbestand von sechs Prozent gehat, noch in diesem Jahr könnten es über 20 Prozent werden, heißt es in der Studie. Schwarze Zeiten für die klassischen Kreditinstitute? "Ein Großteil des Basisgeschäfts wird den klassischen Banken wegbrechen und von Karstadt und Co übernommen", sagt Schubert. "Dabei werden die neuen Banken vor allem die große Gruppe der einfachen bis mittleren Einkommen abräumen." Experte Moormann rät: "Die Banken sollten sich stärker differenzieren, auf Produktentwicklung oder Vertrieb beispielsweise." Überleben werde nur, wer sich spezialisiere.

Annett Klimpel / DPA