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Banken: Vom Vorstand zum Aufsichtsrat

Unternehmensführer in der Kritik: Scheidende Unternehmenschefs konrtollieren in Deutschland ihre Nachfolger lieber selbst. Viele wechseln also nach dem "Abtritt" einfach in den Aufichtsrat.

Ihre Nachfolger kontrollieren scheidende Unternehmenschefs in Deutschland am liebsten selbst. Wie Albrecht Schmidt von der HypoVereinsbank wechseln viele von ihnen nach dem Abtritt als Vorstandsvorsitzender direkt in den Aufsichtsrat, um die Geschicke weiter mit zu bestimmen. So hielt es Rolf Breuer bei der Deutschen Bank ebenso wie jüngst Henning Schulte-Noelle bei der Allianz und im kommenden Jahr Hans-Jürgen Schinzler bei der Münchener Rück. In Zeiten von schlechten Unternehmensergebnissen und der Diskussion über «Corporate Governance» kommt diese Praxis bei den Aktionären immer schlechter an. Denn ein Neuanfang wird so nach Einschätzung vieler Anleger erschwert.

Aktionärsschützer äußern Bedenken

Albrecht Schmidt musste bei der Hauptversammlung einen schweren Gang antreten. Schon vor der Veranstaltung verteilten Aktionärsschützer Trillerpfeifen. Bei seiner Begrüßung wurde Schmidt immer wieder von Pfiffen und Zwischenrufen unterbrochen. "Misswirtschaft", rief einer, als Schmidt auf die schwache Branchenlage verwies. "Selbstbedienung" ein anderer, als der Aufsichtsratschef seinen Wechsel in den Aufsichtsrat begründete.

Neuanfang so kaum möglich

Noch vor einem Jahr hatte Schmidt bei seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef getönt: "Nichts kann uns jetzt davon abhalten, unsere Erfolge einzufahren." Die Aktionäre waren nach einem Verlust von 858 Millionen Euro im vergangenen Jahr nun besonders sauer. "Unter der Führung von Herrn Schmidt hat sich die Lage der HypoVereinsbank deutlich verschlechtert", erklärte Helmut Hipper von der Fondsgesellschaft Union Investment. In Schmidts Amtszeit seien die Fusion mit der Hypo-Banken und die Verschlechterung des Kredit-Portfolios gefallen.

Wo bleibt die Demokratie?

Im Fall Schmidt hatte der Wechsel in den Aufsichtsrat noch einmal einen besonderen Beigeschmack. Er gab den Vorstandsvorsitz zum Jahreswechsel an Dieter Rampl ab. Mit dem Einzug in den Aufsichtsrat wollte er nicht bis zur Hauptversammlung warten und ließ sich vom Registerbericht in das Kontrollgremium bestellen. Dort übernahm er auch gleich den Vorsitz. "Das hat mit Demokratie nichts zu tun", schimpfte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Über die Anteilseigner sei einfach hinweggegangen worden. "Vielen scheint nicht klar zu sein, dass letztlich die Aktionäre die Eigentümer eines Unternehmens sind."

Vorstände verteidigen sich

Rampl verteidigte das Vorgehen. Mit dem Wechsel bereits zum Jahreswechsel könnten beide als Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender für das volle Geschäftsjahr verantwortlich sein. Zudem ließen die «Corporate Governance»-Regeln durchaus zwei ehemalige Vorstandsmitglieder im Aufsichtsrat zu. Auch gegen die Wahl zum Vorsitzenden sei nichts einzuwenden.

Großgesellschafter dominieren Hauspolitik

Die nachträgliche Wahl Schmidts in den Aufsichtsrat, die für den späten Abend erwartet wurde, stand nicht in Zweifel. Auf Hauptversammlungen dominieren die Großgesellschafter wie die Münchener Rück mit ihren dicken Stimmpaketen. Kleinanleger mit höchstens ein paar Dutzend Aktien im Depot können die Abstimmungen kaum beeinflussen. Fondsgesellschaften und Schutzgemeinschaften wollten aber gegen die Wahl stimmen.