BANKEN HypoVereinsbank sucht neuen Chef


Der Wettbewerb um die Nachfolge von HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt kommt in die heiße Phase. Bisher wurde eine öffentliche Nachfolge-Diskussion verhindert.

»In der Bank kommt Unruhe auf. Eine Entscheidung muss möglichst schnell fallen«, sagt ein HypoVereinsbank-Manager. Der offizielle Fahrplan sieht vor, dass der neue starke Mann an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut im vierten Quartal vorgestellt wird. Die Weichen dürften aber in den kommenden Wochen gestellt werden. Für die Nachfolge gibt es drei Kandidaten, die sich derzeit positionieren: Firmenkunden-Vorstand Dieter Rampl, Finanzmarkt-Vorstand Stephan Bub und Stefan Jentzsch, der für das Vermögensmanagement zuständig ist.

Bisher keine öffentliche Nachfolge-Diskussion

Albrecht Schmidt will auf der Hauptversammlung im kommenden Mai abtreten. Bisher war es ihm gelungen, eine quälende öffentliche Nachfolge-Debatte zu verhindern. Auch eine zu frühe Festlegung wollte er vermeiden. Als schlechtes Vorbild galt die Deutsche Bank, wo Rolf Breuer geschwächt da stand, als Josef Ackermann sehr früh zu seinem Nachfolger erkoren wurde. Daher beschränkte sich Schmidt in den vergangenen Wochen auf den Satz: »Der Nachfolger ist schon an Bord.«

Neuer kommt im Sturm an Bord

Doch in den Fluren der Konzernzentrale ist die Nachfolge schon längst großes Thema. Denn den neuen Kapitän sucht die HypoVereinsbank mitten im Sturm. »Wir bewegen uns in dem schwersten Bankenjahr seit Kriegsende«, sagt Schmidt. Im zweiten Quartal rutschte das Kreditinstitut, das gerade erst den Immobilienskandal der früheren Hypo-Bank verdaut hatte, jetzt sogar operativ in die roten Zahlen. Zudem halten sich hartnäckig Gerüchte, dass die HypoVereinsbank an einer Übernahme der Commerzbank interessiert ist.

Nachfolge auch Richtungsentscheidung

Angesichts der Branchenflaute und vieler noch offener Baustellen ist den Mitarbeitern bewusst, dass die Personal- auch eine Richtungsentscheidung ist. So ist derzeit bei der HypoVereinsbank viel aus den einzelnen Abteilungen über die Kandidaten zu hören. Nur Außenseiter-Chancen werden dabei Stephan Bub eingeräumt. »Stephan Bub wäre für die HypoVereinsbank eine sehr mutige Entscheidung«, sagt ein Manager. Der 44-Jährige hat seinen Dienstsitz in New York und verantwortet von dort das Amerika- und Asiengeschäft der Bank. Den Ehrgeiz, an die Spitze zu kommen, hat der Manager. »Ich will überdurchschnittlich sein. Durchschnitt langweilt«, sagte er einmal. In Unternehmenskreisen wird aber darauf hingewiesen, dass er mit seinem Sitz in New York Exot sei und zu weit weg von den Entscheidungszentren.

Rampl wäre »konservative Lösung«

Eine ganz andere Lösung wäre eine Entscheidung für Firmenkunden-Vorstand Rampl. »Die HypoVereinsbank war im Grunde immer eine immobilienlastige Hypotheken-Bank«, heißt es Unternehmenskreisen. Da kommt einer leichter an die Spitze, der traditionelles Geschäft verantwortet. Rampl hatte zudem seine Karriere schon 1968 bei der Vereinsbank gestartet. Nach einem Gastspiel bei der BHF-Bank kehrte er 1994 an die Isar zurück. Ein Jahr später rückte er in den Vorstand auf. Das wichtige Firmenkundengeschäft brachte er erfolgreich auf Vordermann. »Rampl wäre eindeutig die konservativste Lösung«, heißt es bei der HypoVereinsbank. Allerdings könnte die Bank nach den Turbulenzen und Fusionen der vergangenen Jahre auch etwas Ruhe gut gebrauchen.

Jentsch steht für Veränderung

Größere Veränderungen könnten nach Einschätzung von Beobachtern auf die Bank zukommen, wenn Jentzsch neuer Vorstandsvorsitzender wird. Obwohl mit 41 Jahren jüngster Kandidat und erst seit vergangenem Jahr bei der HypoVereinsbank, werden ihm durchaus Chancen zum großen Karrieresprung zugetraut. Sein neu formiertes Geschäftsfeld ist gut aufgestellt, wegen seiner unprätentiösen Art ist er bei seinen Mitarbeitern beliebt. Trotz seines zurückhaltenden Auftretens gilt Jentzsch als selbstbewusster Manager, der sich den Posten zutraut. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte er radikalere Maßnahmen ergreifen, um die Kosten zu drücken. Dem früheren Goldman Sachs-Partner ist die Profitabilität der HypoVereinsbank auch in konjunkturell besseren Zeiten schon deutlich zu niedrig gewesen.

Axel Höpner


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