Bestattung Neue Trends bei Särgen


Goethe-Zitate, grelle Farben und Motive aus dem Weltall: Mit neuen Designs will die deutsche Sargindustrie die seit Jahren geschwächte Branche stärken.

Wie kann man das Thema Bestattung enttabuisieren? Bert Hassel, Vorsitzender des Bundesverbandes Sargindustrie (BVSI) liefert die Antwort gleich selber: "Wir müssen Särge attraktiver gestalten, ohne die schützende Hülle zu verletzen."

Billige Ostimporte

Weniger Sterbefälle und Billig-Särge aus dem Ausland haben nach BVSI-Angaben ihre Spuren in der Branche hinterlassen. So sank die Sarg-Produktion in Deutschland zwischen 1993 und 2001 um mehr als 150.000 Einheiten auf 343.000 Särge. Importeure aus Osteuropa und Italien dominieren den Markt immer stärker: Mehr als jeder zweite Sarg in Deutschland stammt heute aus dem Ausland.

Eine Vorreiterrolle bei der Enttabuisierung könnten den Angaben zufolge etwa Extremsportler spielen, da für sie der Gedanke an den Tod zum Alltag gehöre. Junge Leute wünschten sich schrille Motive aus der Welt der Märchen und des Horrors. "Die Kunden wollen eine größere Modellpalette in allen Preisklassen", sagte der Münchner Trendforscher Rolf Wimmer.

Sarg als Ausdruck der Individualität

"Der Sarg ist Ausdruck der Persönlichkeit des Verstorbenen und der Wertschätzung der Familie", meinte Wimmer. Über die individuelle Sarg-Gestaltung sollte daher offen geredet werden. Nach einem Sterbefall haben die Angehörigen oft nur drei bis fünf Tage Zeit, um alle Formalitäten zu erledigen. "Das ist ein seelischer, gedanklicher und finanzieller Schockzustand", erklärte der Experte, der im Auftrag der Sargindustrie bundesweit Bestatter und Familien befragt hatte.

Exotisches Sarg-Design

Ein individueller Sarg ist - zumindest nach Ansicht der Sarg-Hersteller - keine Frage des Geldbeutels. "Es gibt sehr schlichte, billige Modelle, die wir innerhalb von 24 Stunden mit Sonnen- oder Sternenmotiven verändern können", sagte der Hersteller Jürgen Stahl aus Miltenberg am Main (Bayern). Dagegen meinte die Berliner Fachautorin Monika Herrmann, dass ein exotisches Sarg-Design eher ein Trend für Reiche und Wohlhabende ist. "Ein Sozialhilfeempfänger würde Sie auslachen, wenn Sie da mit einem Design-Sarg ankommen."

Grelle Farben, bunte Motive

Zu den Marktneuheiten gehört ein vom Star-Designer Luigi Colani entworfener Sarg aus Mahagoni-Holz. Für Weltraum-Begeisterte wird ein pechschwarzer Sarg angeboten, der mit Planeten- und Milchstraßen- Motiven besprüht ist. Besonders gefragt sind dem Verband zufolge auch schrille Farben. Ein Berliner Postbote habe seinen Sarg in den Farben seines Arbeitgebers, in Knallgelb, lackieren lassen.

mit DPA

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