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Interview

Experte über Kryptowährungen: "Bitcoin wird den Weg von Nokia gehen und von einem Konkurrenten abgelöst"

Bitcoin boomt: Lag der Wert der Kryptowährung Anfang des Jahres noch bei rund 900 Dollar, ist das virtuelle Geld inzwischen mehr als 16.000 Dollar wert. Finanzexperte Daniel Saurenz von Feingold Research mahnt zur Vorsicht - und glaubt, dass Kryptowährungen erst am Anfang stehen.

Bitcoin im Boom

Finanzexperte Daniel Saurenz analysiert den Bitcoin-Hype

Herr Saurenz, derzeit vergeht kein Tag ohne neuen Rekord beim Bitcoin. Die Digitalwährung ist im Höhenflug. Woran liegt das?

Dies lässt sich in einem Grund nicht zusammenfassen. Vielmehr ist es ein Mix aus mangelndem Vertrauen in Notenbanken, dem Glauben an etwas technisch vollkommen Neues im "Währungsmarkt" gepaart mit nicht zuletzt einer Menge Lust auf Kursgewinne und Spekulation. Vieles dabei erinnert an den Neuen Markt, denn mittlerweile springt auch die zweite Reihe der Kryptowährungen an und diese Abfolge kennen wir aus den Zeiten der New Economy-Blase.

Daniel Saurenz ist Anlage- und Investmentexperte von Feingold Research. Sein Portal Bitcoin-Krypto.de ist eines der ersten Übersichtsseiten zum Bitcoin. Dort bietet er Nachrichten und Infos rund um die Kryptowährung - die er selbst nie so nennen würde.

Daniel Saurenz ist Anlage- und Investmentexperte von Feingold Research. Sein Portal Bitcoin-Krypto.de ist eines der ersten Übersichtsseiten zum Bitcoin. Dort bietet er Nachrichten und Infos rund um die Kryptowährung - die er selbst nie so nennen würde.

Welche Vorteile und welche Nachteile hat die Kryptowährung?

Auch wenn es die Fans von Bitcoin nicht gerne hören werden – ich tue mich mit dem Wort "Währung" schwer. Denn eine Währung sollte eigentlich einen Hauch von Stabilität aufweisen, der Bitcoin glänzt bisher jedoch primär mit Volatilität. Immerhin – sieht man ihn als Währung, dann wird er zumindest bisher immer fester. Sein Vorteil – im Grundgedanken wirkt Bitcoin deflationär, da bei einer bestimmten Anzahl Schluss sein soll (Die Anzahl von Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt, Anmerk. d. Red.). Sein Nachteil ist der praktische Handel. Schon jetzt schätzt man die Strommenge, die Bitcoin jährlich benötigt auf den Stromverbrauch von Dänemark. Das ist natürlich recht absurd und steht der "Einfachheit" entgegen. Gleichzeitig dauern Transaktionen wahnsinnig lange. Man stelle sich vor, man zahle im Restaurant mit Visa-Card und die Abrechnung dauerte 24 Stunden. Unmöglich in der Umsetzung.

Die Kursschwankungen sind enorm – wie kommt es dazu?

Neue und unbekannte Felder gehen oft mit Volatilität einher. Fans und Skeptiker stehen sich gegenüber, mit dem Future-Markt wird Short-Gehen – also auf fallende Kurse setzen – einfacher. Gleichzeitig beherrschen nur rund 1000 Menschen den Bitcoin-Markt, da sie extrem viele Bitcoin halten. Ein "Cornern" ist möglich, dies kennt man beispielsweise aus dem Kakao-Markt, als ein Händler fast ein Drittel des Marktes beherrschte. Einziges Problem – man sollte dann nicht irgendwann aus seinen hohen Positionen raus wollen oder müssen.

Winklevoss Facebook Zuckerberg


Sollte man noch einsteigen? Oder besser generell einen Bogen um Digitalwährungen machen?

Tja, das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Man sollte sich informieren, gut abwägen und selbst entscheiden, was man im Depot als Spielgeld ansieht. Es spricht nichts dagegen, Bitcoin, Litecoin, Ethereum oder andere Kryptos zu kaufen. Wir wägen täglich auf unserem Portal Vorteile und Nachteile ab. Bloß extrem hoch bewertete Aktien wie Bitcoin Group oder ähnliche sollte man mit höchster Vorsicht genießen. Die Bewertungen erinnern an den Neuen Markt.

Seit Sonntag gibt es Bitcoin-Futures. Eine gute Idee?

Futures machen den Bitcoin erwachsener, Spekulation einfacher, Liquidität besser. Aus Sicht eines Spekulanten sollte es eine gute Idee sein.

Hand aufs Herz: Ist der Bitcoin Fluch oder Segen? 

Als Börsianer und jemand, der mit seinem Team täglich die Finanzmärkte begleitet, ist der Bitcoin ein Segen. Er öffnet Geldanlage, Währungsmarkt und Spekulation einer neuen Generation. Vielleicht informiert sich der eine oder andere im zweiten Schritt über Währungen allgemein, über Dividenden, Sparpläne, Zertifikate oder ETFs und Aktien. Dann wäre der Bitcoin doppelter Segen.

Wie geht es mit dem Bitcoin weiter?

Ich ganz persönlich glaube, dass die Kryptotechnologie erst am Anfang steht. Der Bitcoin wird jedoch eher den Weg von Nokia gehen und von einem überlegenen Konkurrenten abgelöst werden, so wie es den Finnen einst mit Apple passierte. Aber das ist nur meine Meinung, im Team stehen wir uns da kontrovers gegenüber. 

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