HOME

Börse: Nach Votum gegen US-Truppenstationierung purzeln Kurse

Nach dem Votum des türkischen Parlaments gegen eine Stationierung von US-Truppen stürzten die Kurse zum Handelsauftakt am Montag ab. Regierungschef versichert Rückzahlung internationaler Kredite.

Die Börse gab um mehr als zehn Prozent nach, die türkische Lira verlor fast fünf Prozentpunkte. Im Gegenzug für eine Stationierung der Truppen hatten die USA der Türkei ein Hilfspaket im Umfang von 15 Milliarden Dollar zugesagt, um die angeschlagene türkische Wirtschaft zu stützen.

Strenge Reformen

Die Börse fiel um 1.311 Punkte oder 11,3 Prozent. Das war nach Angaben von Analysten ein Rekord für eine Börseneröffnung in der Türkei. Ministerpräsident Abdullah Gül versicherte jedoch, das Land werde keine Schwierigkeiten haben, ihre internationalen Kredite zurückzubezahlen, auch wenn der US-Hilfsplan nicht gewährt werde. "Wir müssen den Entwurf (zur Truppenstationierung) von der Wirtschaft trennen", sagte Gül. Er erklärte, das Kabinett habe die Arbeit am Haushalt für 2003 beendet. Die Türkei werde sich an die strengen Reformen halten, die der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert.

Uneinigkeit über erneute Abstimmung

Gül wollte sich am Montag nicht dazu äußern, ob der Antrag zur Truppenstationierung erneut in das Parlament eingebracht werden soll. "Wir analysieren die Lage und werden sehen, was in den kommenden Tagen passiert", erklärte der Regierungschef in einer Pressekonferenz. Ein ranghohes Mitglied der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), Eyup Fatsa, hatte am Sonntag gesagt, eine neue Abstimmung sei für die nahe Zukunft nicht geplant. Dem widersprach der türkische Außenminister Yasar Yakis, der eine neue Abstimmung für möglich hielt.

Beziehungen zu USA "stabil"

Einige türkische Zeitungen berichteten am Montag, der Entwurf solle nicht vor Sonntag dem Parlament erneut vorgelegt werden. Dann findet eine Nachwahl statt, nach der AKP-Chef Tayyip Erdogan Ministerpräsident werden könnte. Bei der Abstimmung hatten zwar viele Abgeordnete für die von Washington erbetene Stationierung von 62.000 US-Soldaten gestimmt, die Nein-Stimmen und Enthaltungen überwogen jedoch. Gül telefonierte am Sonntag mit US-Außenminister Colin Powell. In einer Stellungnahme der türkischen Regierung hieß es, Powell habe der Regierung für ihre Bemühungen gedankt und betont, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA stabil seien.