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Börsenboom: Dax springt über 8000 Punkte

Die Börsenkurse steigen - der Dax ist nur noch 136 Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Ursache des Booms ist der Export, vor allem Maschinenbauer profitieren. Anders gesagt: Die Globalisierung bringt, allen Kritikern zum Trotz, Deutschland große wirtschaftliche Vorteile.

Der Boom an den Börsen treibt die Kurse von Rekord zu Rekord: Erstmals seit mehr als sieben Jahren übersprang der Deutsche Aktienindex (DAX) am Freitag wieder die Marke von 8000 Punkten - und das nur rund drei Monate nachdem er die 7000er-Marke geknackt und sich von einem kurzzeitigen Dämpfer erholt hatte. Analysten und Banker sehen kein Ende des Aufschwungs: Getrieben von glänzenden Wirtschaftsdaten weltweit, soliden Unternehmensgewinnen und Übernahmespekulationen nähert sich der DAX mit Siebenmeilenstiefeln seinem Rekord von 8136,16 Zählern vom 7. März 2000.

"Wir sehen bis Jahresende noch einiges Potenzial und erwarten den DAX Ende 2007 bei 8200 Punkten", sagt Aktienmarktstratege Peter Körndl von der Dresdner Bank. Allein von Donnerstag bis Freitag machte der Index der 30 bedeutendsten deutschen Unternehmen mehr als 100 Punkte gut. Seit Jahresbeginn kletterte der deutsche Leitindex um mehr als 20 Prozent und hängte damit seine Wettbewerber in anderen europäischen Ländern klar ab. So gab es etwa an den Börsen in Spanien und den Niederlanden gerechnet in Euro «nur» ein Plus von 9 Prozent. Auch der Dow Jones in den USA kam gerechnet in Euro lediglich auf knapp über 7 Prozent Zuwachs.

Vor allem Export brummt

"Deutschland als Exportweltmeister profitiert von der Globalisierung", erläutert Christian Nolting, der bei der Deutschen Bank das Portfoliomanagement in Europa verantwortet. Die DAX- Unternehmen machten im Schnitt 60 Prozent ihres Geschäfts im Ausland und würden daher als attraktive Investments angesehen. Fondsmanager Trudbert Merkel von der DekaBank bekräftigt: "Es gibt derzeit eine explosive Kombination von Kurstreibern: Die Weltkonjunktur ist so stark wie seit 30 Jahren nicht und es gibt in Asien sowie Osteuropa eine Industrialisierungswelle, von der vor allem Deutschland profitiert." Waren "made in Germany" sind gefragt, Deutschlands Maschinenbauer erleben den kräftigsten Aufschwung seit Ende der 60er Jahre und peilen 2007 Jahr das höchste Produktionsplus seit 1989 an.

So ist der nun seit Monaten anhaltende Börsenboom nach überwiegender Meinung auch wesentlich solider als der zur Zeit des Neuen Marktes Ende der 90er Jahre. Damals lockten die scheinbar grenzenlosen Perspektiven in der Informationstechnologie immer mehr Anleger, die auf schnellen Reichtum in der New Economy hofften. Binnen weniger Wochen verdoppelten sich die Kurse, die Euphorie trieb auch den DAX im März 2000 auf den höchsten Stand aller Zeiten: 8136,16 Punkte. Doch die Technologieblase platzte, es folgten enttäuschende Firmendaten, Bilanzskandale, die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und ein Einbruch der Weltwirtschaft. Der DAX verlor drei Viertel seines Wertes und sank bis März 2003 auf 2202 Punkte. Seitdem geht stetig bergauf.

Inflation birgt Risiken

Doch obwohl vieles anders ist als zu Zeiten des Börsenbooms 2000, mahnen Experten zur Vorsicht. Denn traditionell folgen auf starke Börsenzeiten so genannte Korrekturen. "Der Markt muss nach dem starken Sprung auch mal durchatmen", sagte Dresdner-Bank-Fachmann Körndl. "Wir erwarten in den nächsten Wochen und Monaten auch Rückschläge: Risiko Nummer 1 ist die Inflation und in der Folge steigende Zinsen. Das würde sich auch dämpfend auf die Aktienmärkte auswirken."

Auch bei der Deutschen Bank sehen die Fachleute "durchaus das Risiko für Rückschläge". Portfoliomanager Nolting mahnt: "Eine Absicherung des Portfolios kann nicht verkehrt sein, um keine bösen Überraschungen zu erleben." Er betont jedoch: "Das attraktive Umfeld spricht fundamental für immer noch gute Aktienmärkte."

Jörn Bender/DPA / DPA