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BÖRSENREGELN: »Die Tiefstkurse erkennt man erst hinterher«

Ist die Börsen-Talfahrt jetzt zu Ende oder geht es noch weiter abwärts? Wo liegt der Tiefstkurs? Beim Einstiegskurs darf man nicht in die Psycho-Falle tappen.

Wer Geld in Aktien anlegen will, fragt sich angesichts immer neue Einbrüche an den Märkten: Ist der günstige Moment schon gekommen oder lohnt sich weiteres Abwarten? Die Antwort kann nur spekulativ sein, denn »die Tiefstkurse erkennt man erst hinterher«, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt am Main betont.

Keine hektischen Einmalaktionen

Also heißt es für Anleger, strategisch klug mit den Unsicherheiten umzugehen. »Das beginnt zum Beispiel schon beim Zusammenstellen des Depots, womit an dieser Stelle weniger die Auswahl der einzelnen Werte als vielmehr das Timing ihres Kaufes gemeint ist«, so das DAI. Aktiensubstanz sollte im Rahmen einer langfristigen Erfolgsstrategie sukzessive aufgebaut werden. »Hektische Einmalaktionen - sowohl auf der Kauf-, als auch auf der Verkaufseite - können zu den falschen Kursen erfolgen.«

Problem Einstiegskurs

Die Experten vom Aktieninstitut raten zudem, »rationale Barrieren« bei der Aktienanlage einzubauen, um nicht in psychologische Fallen zu tappen. Vor allem das »Problem Einstiegskurs« verdient Beachtung. Theoretisch wissen alle, dass der Einstiegskurs, zu dem eine Aktie gekauft wurde, später nichts darüber sagt, ob das Papier noch haltenswert ist oder nicht. »Und doch erwischen wir uns alle immer wieder, dass der Einstiegskurs eine zentrale Rolle spielt in unseren Überlegungen, ob eine Aktie noch weiter gehalten wird oder nicht.«

Sich Grenzen setzen

Solange der Verlust aber nicht realisiert wird, sondern weiter auf ein Wiedererreichen des Einstandspreises gewartet wird, »solange handelt es sich - zumindest in unseren Köpfen - nur um eine vorübergehende buchmäßige Schieflage«. Deshalb sollten sich laut Aktieninstitut Anleger schon beim Kauf einer Aktie fragen, bis zu welchem Kurs sie eventuell bereit sind, Verluste in Kauf zu nehmen. Das setzt eine Grenze, bei der man sich automatisch von dem Papier trennt.

»Keine Panikverkäufe bei Kurseinbruch«

Wer einen Einstieg in die Aktienanlage plant, sollte sich auf jeden Fall an einige Grundregeln halten, die die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) zusammen gestellt hat. Keinesfalls sollten sich künftige Aktionäre zum Kauf auf Kredit verleiten lassen, vielmehr sollte das Geld für den Aktienkauf »übrig« sein. Die Anlage sollte zudem langfristig erfolgen und die Summe nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt werden.

Risikostreuung ist Pflicht

Wer sein Risiko streut ist in der Regel besser dran, als Anleger, die alles auf einen einzigen Aktienwert setzen. Regel Nummer fünf lautet: »Keine dividendenlosen Aktien kaufen. Unternehmen, die keine Dividende zahlen, sind in der Regel mit höherem Risiko behaftet und gelten deshalb als spekulativ.« Generell gilt laut DSW auch: Standardwerte vor Spezialwerten. »Grundsätzlich sollte der Neuaktionär primär in Dax- oder M-Dax-Werte gehen, das hat den Vorteil, dass hier auch genügend Liquidität am Markt vorhanden ist.«

Keine Panikverkäufe

Zudem sollten Papiere aus dem amtlichen Handel gewählt werden, die den strengen Anforderungen der Börsenaufsicht unterliegen. Wichtig auch: »Keine Panikverkäufe bei Kurseinbruch. Jeder Neuaktionär sollte so oft wie möglich den Kurs seiner Aktien verfolgen. Bei vorübergehenden Kurseinbrüchen nicht panisch reagieren und sofort verkaufen, sondern 'Aussitzen', zumindest dann, wenn der wirtschaftliche Erfolg nicht gefährdet ist.«

Aktienkurs ständig beobachten

Gerade für Börsenneulinge gilt außerdem: »Vor dem Kauf von Aktien sollte in jedem Fall der Rat von seriösen Partnern eingeholt werden - fragen Sie zum Beispiel bei Ihrer Bank nach dem ausgewiesenen Wertpapier-Spezialisten.« Allein auf den Expertenrat sollten sich Anleger aber auch nicht verlassen, sondern sich möglichst fortlaufend informieren. Das geht zum Beispiel durch die Lektüre von Quartalsberichten, Geschäftsberichten direkt durch die Aktiengesellschaft sowie von Fach- und Finanzzeitschriften und auch durch Fortbildung auf entsprechenden Seminaren.