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Dienstleistungen: Adecco in massiven Schwierigkeiten

Spekulationen über mögliche Unregelmäßigkeiten haben den weltgrößten Personalvermittler Adecco in Bedrängnis gebracht. Nachdem die Veröffentlichung der aktuellen Geschäftszahlen verschoben wurde, gab es einen rasanten Kursverlust.

Der weltweit größte Personalvermittler, Adecco, steckt in massiven Schwierigkeiten. Der Konzern meldete am Montag Schwachstellen bei den internen Kontrollen und weckte den Verdacht von Bilanzfälschungen. Die Publikation des Jahresergebnisses wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. An der Schweizer Börse stürzte Adecco ab.

Revision wird nicht termingerecht fertig

Der Revisionsstelle sei es nicht möglich, die Prüfung des Geschäftsberichtes für das vergangene Jahr fristgerecht abzuschließen, teilte Adecco mit. Grund für die Verzögerung sei "die Identifikation von materiellen Schwachstellen bei den internen Kontrollen" im Nordamerika-Geschäft der Division Adecco Staffing. Hinzu kämen mögliche Buchhaltungs- und Kontrollprobleme in gewissen Ländern. Der zuständige Verwaltungsratsausschuss habe einen unabhängigen Anwalt mit einer Untersuchung beauftragt.

Publikation des Jahresergebnisses weiter offen

Wann die Publikation der Jahresergebnisse erfolge, stehe derzeit noch nicht fest, sagte Adecco-Sprecher Francois Vassard. Aus rechtlichen Gründen werde die Mitteilung inhaltlich nicht kommentiert. Die Märkte würden aber so schnell wie möglich informiert. Auch die Revisionsstelle Ernst & Young gab keinen Kommentar ab. Die Schweizer Börse SWX will den weiteren Verlauf der Untersuchungen abwarten.

Rasanter Kursverlust

Schweizer Analysten und Banken begannen sofort nach Bekanntgabe des Aufschubs, die Adecco-Aktien auf «Verkaufen» abzustufen. Das Eigenkapital des Unternehmens gilt als niedrig. Die Ankündigung hatte an den Börsen Erstaunen ausgelöst, weil es für eine solche Maßnahme vorher keine Hinweise gab. Die Reaktion der Anleger sei aber gerade wegen der jüngsten Börsenvorfälle in den USA und um den italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat so heftig, hieß es in Zürich.

Verdacht der Bilanzfälschung

Angesichts der dürftigen Informationen sei eine Einschätzung derzeit extrem schwierig, sagte Nicole Burth, Analystin bei Lombard Odier. Bei den Problemen könne es sich sowohl um einen größeren Betrugsfall a la Parmalat oder um simple Schwierigkeiten bei der Umsatzerfassung handeln. Die Zürcher Kantonalbank schloss in ihrem Marktbericht Bilanzfälschungen ebenfalls nicht aus. "Auf Grund des aktuellen Kommunikationsstands bestehen große, unabschätzbare Unsicherheiten", sagte ZKB-Analyst Rolf Kunz.

Sinkende Umsatzzahlen

Adecco, mit Sitz in Cheserex bei Nyon am Genfer See, war 1996 aus den Unternehmen Adia und der französischen Ecco entstanden und beschäftigt nach eigenen Angaben 28.000 Mitarbeiter in rund 5.800 Niederlassungen in 68 Ländern. Der Konzern wies 2002 einen Umsatz von 25,1 Milliarden Franken (heute 16,0 Mrd Euro) aus, einem Rückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis war um 44 Prozent auf 662 Millionen Franken gesunken.

DPA